3. Steirische Gesundheitskonferenz - sicher ist sicher.

Die Sicherheit für Patientinnen und Patienten ist ein zentrales Thema für alle Bereiche des Gesundheitswesens. Am 12. Juni 2008 war sie Thema der 3. Steirischen Gesundheitskonferenz, bei der internationale und heimische ExpertInnen sich mit diesem Schwerpunktthema befassten.

Offener mit Fehlern und „Beinahe-Fehlern“ umgehen, um das Risiko der Wiederholung zu minimieren

 

Laut großen internationalen Studien kommt es in zumindest 3 bis 4 Prozent aller Behandlungsfälle zu sogenannten „unerwünschten Ereignissen“, von denen aber nur ein Bruchteil tatsächlich zu Schäden führt. Mit solchen vermeidbaren Fehlern offener umzugehen, um aus ihnen für die Zukunft zu lernen ist ein Hauptanliegen.

„Natürlich passieren auch in Spitälern oder Arztpraxen Fehler, zum Glück führen diese aber nur in Ausnahmefällen zu Schäden für Patientinnen und Patienten. Für uns geht es darum, aus diesen Fehlern zu lernen, um sie künftig vermeiden zu können und damit das Risiko für die PatientInnen und unsere MitarbeiterInnen weiter zu minimieren“, umreißt Gesundheitslandesrat Helmut Hirt, Vorsitzender der Gesundheitsplattform Steiermark, das Anliegen.

Auch für den stellvertretenden Vorsitzenden und Obmann der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse, Josef Pesserl, gehört das Thema PatientInnensicherheit „ohne Zweifel zu den Eckpfeilern eines intakten Gesundheitssystems“: „Für mich haben dabei mehrere Punkte entscheidende Bedeutung: Die medizinische Qualität liefert die Grundvoraussetzung jeder ärztlichen Hilfe, die Versorgungssicherheit – unabhängig von Faktoren wie Alter, Einkommen oder Gesundheitszustand – gehört zu den Fundamenten eines Sozialstaates. Dazu kommen die Finanzierungssicherheit und die Sicherheit der persönlichen Daten im Gesundheitswesen.“

Dieter Conen, Präsident der Schweizer Stiftung für Patientensicherheit, kann bereits auf mehrjährige Erfahrungen in diesem Bereich verweisen: Über Patientensicherheit werde vor allem dann gesprochen, wenn Behandlungsfehler und Schäden öffentlich werden. Das sei gerechtfertigt und verheerend zugleich, weil letztlich nur der Blick auf die Katastrophe übrig bleibt. Patient und Arzt seien verunsichert, eine verbesserungsorientierte Aufarbeitung werde damit massiv erschwert: „Die Herausforderung besteht darin, das reale Ausmaß zu erkennen und aus den nachträglich nicht mehr zu verhindernden Schadensfällen Lehren für die Zukunft zu ziehen.“

Für die steirische Patientenombudsfrau Renate Skledar ist es ebenfalls wichtig, „ein Klima zu schaffen, in dem es unabhängig von haftungsrechtlichen Fragen möglich ist, einen ehrlichen Dialog über mögliche Fehler zu führen“. Mit 1.232 Patientenanliegen aus dem Bereich der Krankenanstalten war sie im Jahr 2007 befasst, ein Großteil konnte durch die Patientenombudschaft direkt zur Zufriedenheit der Betroffenen behandelt werden. 177 landeten bei der Schlichtungsstelle, die den Patientinnen und Patienten auf Basis von Sachverständigengutachten eine Entschädigung zusprechen kann. „Das sind nur 0,014 Prozent der fast 1,3 Millionen Behandlungsfälle in den steirischen Spitälern“, betont Skledar. Der überwältigende Teil der Patienten, mehr als 99,9 Prozent werden also grundsätzlich richtig behandelt.

Qualitätsmodelle in der Steiermark
In der Steiermark gibt es bereits einige Modelle, die der offensiven Umgangsweise mit Fehlern und „Beinahe-Fehlern“ dienen. Dazu gehört CIRPS (Critical Incident Reporting and Prevention System), das seit 2006 bzw. 2007 in den UKH Graz und Kalwang umgesetzt wird. Es handelt sich dabei Meldesystem, das „Beinahe-Fehler“ und kritische Ereignisse erkennt und bearbeitet, um ein Wiederauftreten zu verhindern.

Ein ähnliches System namens AUEL („Aus unerwünschten Ereignissen lernen“) gibt es im Behandlungsbereich „Interdisziplinäre Intensivstation" des LKH Deutschlandsberg – auch dieses System soll dazu dienen, eine neue Fehlerkultur zu entwickeln.

Im Bereich der KAGes dient der Qualitätssicherungsbeirat (QSB) als zentrales Steuerungsgremien in Qualitätsfragen.

Im Bereich der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte gibt es in der Steiermark seit 1995 so genannte Qualitäszirkel, in den Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit ausgebildeten Qualitszirkelmoderatoren Fälle diskutieren und reflektieren.

Neue Initiativen: Qualitätsstrategie Steiermark
Die 3. Steirische Gesundheitskonferenz ist der Auftakt zur Entwicklung einer „Qualitätsstrategie Steiermark“. Als erster Schritt sollen die bestehenden Initiativen erfasst und abgestimmt werden. Damit ist auch die Schaffung gemeinsamer Standards möglich und die bessere Anbindung an überregionale Strukturen möglich. In Hinkunft wird es in der Steiermark auch einen Qualitätsförderungspreis geben, um Best-Practice-Beispiele bekannter zu machen und das Bewusstsein in diesem Bereich zu vertiefen.

Für Rückfragen: Conclusio PR Beratungs GmbH, Martin Novak, Telefon: 0316/837065, office@conclusio.at

Gesundheitslandesrat Helmut Hirt lud zur 3. Steirischen Gesundheitskkonferenz zum Thema PatientInnensicherheit

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