Digitale Visite bei den Barmherzigen Brüdern in Graz - EXKURSIONSBERICHT HCE07/10.2.2009
Ein im September 2008 publizierter Zeitschriftenartikel über die nach fünf Jahren Vorlaufzeit eingeführte digitale Visite bei den Barmherzigen Brüder in Graz war der Auslöser für die vier Monate danach stattgefundene Exkursion des HCE07 Lehrganges (Begleitprofessoren waren Hr. Sabutsch und Hr. Erfkamp) bei eben dieser Institution in der Marschallgasse.
Der verschlungene Weg in das Sitzungszimmer ließ uns feststellen, daß trotz der laufenden Umbau- und Modernisierungsarbeiten – Eröffnung des Hauptbauabschnittes 2005; Inbetriebnahme des neuen Funktionstraktes mit OP’s, Intensivstation, Küche, Werkstätten und Materialverwaltung 2008 - die Logistik weiterhin eine Herausforderung für die Barmherzigen Brüder in der Marschallgasse darstellt.
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Als Vertreter des größten privaten österreichischen Krankenhausverbandes - der mit 4.700 Mitarbeitern pro Jahr ca. 110.000 stationäre und 200.000 ambulante Patienten betreut – empfing uns Hr. DI (FH) Sattler der uns in seiner Position als Leiter der EDV Abteilung in Graz das IKT der BHB im Allgemeinen und das ZIS - Zentrale Informationsservice der Steiermark (Konsolidierung zwischen den beiden Häusern in Graz und dem Pflegezentrum und der Therapiestation für Drogenkranke in Kainbach ) im speziellen vorstellt.
Zentraler Aktionsschwerpunkt der ZIS-STM ist die EPA – Elektronische Patientenakte mit dem Ziel einer patientenzentrierten Zusammenführung von Bildern, Dokumenten und Daten zu einer muldimedialen elektronischen Patientenakte um letztendlich das Ziel eines „papierlosen Krankenhauses“ zu erreichen. Den Herausforderungen organisatorischer Art – Abläufe, Organisationsentwicklung, Qualitätsmanagement ..- und die IT betreffend (Ausfalls-Prevention, Offline Systeme, Verzahnung vorhandener Programme mit neuen Applikationen ..) stellt man sich.
Die Umsetzung der EPA bei den Barmherzigen Brüdern folgt den folgenden Schwerpunkten:
- Einsatz der Biometrie zu Personenidentifizierung
- elektronische Fieberkurve
- elektronische Befunde und Arztbriefe (digitale Diktate und Spracherkennung)
- digitale Workflows inklusive des Ordering von Leistungen
- Speicherung und Wiedergabe von medizinischen Rohdaten ohne Medienbruch
Biometrie:
Die biometrische Zugangslösung für das KIS wurde in der Marschallgasse 2008 realisiert.
Das gesamte klinische Personal authentifiziert sich mittels Fingerabdruck sowohl beim Zugriff auf das zentrale klinische Dokumentationssystem als auch beim Zugriff auf die medizinische Fieberkurve (inkl. Medikation) sowie auf die digitale Pflegedokumentation. Die Möglichkeit sich mittels biometrischer Authentifizierung am Betriebssystem anzumelden besteht ebenfalls. Die Merkmale des Fingerabdrucks sind mit speziellem Algorythmus verschlüsselt, sämtliche Daten der Fingerabdruck Merkmale werden ebenso wie die Zugangsberechtigungen zentral gespeichert und verwaltet.
Da das Rollout erfolgreich war, wird diese Lösung auch in den anderen Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen der Barmherzigen Brüder installiert.
Datenaustausch:
Der Datenaustausch im medizinischen Bereich erfolgt mit HL7, Edifact und Socket- Communication, im IT Bereich mit SOAP und XML;
Krankenhausinformationssystem
* KIS – PATIDOK (österreichisches Produkt der Fa. PCS)
- Schnittstelle zu Radiologie
- Abrechnung
- Anästhesiemodul
- Schnittstelle zu Labor
- Schnittstelle zu Bluwin Blutbank
- Schnittstelle zu SAP R/3V4.0B
* N.Ca.So.l – Pflegeplanungs- und Pflegedokumentation
* MedCaSol – Visitenmanagement
* CCaSol - Dokumentation der Behandlung von Patienten auf der Intensivstation, Post Anesthesia Care Unit, Prämedikation und Operationssaal/Eingriffsraum
Mit einem Überblick über die bei den Barmherzigen Brüdern geltenden IT- Sicherheitsmassnahmen bzw. – Einrichtungen ( Citrix Secure Gateway – Applikationen können durch nahezu jede Firewall hindurch ohne spezielle Zugangssoftware wie VPN-Clients zur Verfügung gestellt werden - , Symantec Anti Virus, End Point Protection … ) sowie einer Skizzierung, wie die IKT Zukunft bei den Barmherzigen Brüdern aussehen wird (Schwerpunkte werden auf Standardisierung, weitere Konsolidierung und Prozessorientierung unter Zuhilfenahme von De-facto-Standards wie ITIL und COBIT gelegt) beendete Hr. DI (FH) Sattler seine ausführliche Präsentation.