Verschlusssache Medizin - Das Gesundheitssystem als Patient - Kurt Langbein über das österreichische Gesundheitssystem
Kurt Langbein, Erfolgsautor und seit vielen Jahren kritisch über das Gesundheitswesen tätig ("Bittere Pillen", "Die Gesundheitsrevolution", "Das Medizin Kartell"...), hat am 26.5.2009 sein neuestes Buch "Verschlusssache Medizin" an der FH Joanneum im Rahmen eines Gastvortrages vorgestellt. Studierende, Lehrende und zahlreiche Gäste
Im randvollen Hörsaal 24 des Fachhochschul-Campus der FH JOANNEUM präsentiert Kurt Langbein Zahlen und Fakten über das Gesundheitswesen in Österreich, die zeigen, dass wir sehr weit vom "Besten Gesundheitssystem der Welt" entfernt sind. Er zeigt auch, dass es nicht an den einzelnen "Dienstleistern" liegt, also an den ÄrztInnen, dem Pflegepersonal u.a., wenn wir nicht optimal versorgt werden. Diese sind zumeist hochmotiviert und zu einem guten Teil auch unterbezahlt. Es ist das System, das sich in den vergangenen 100 Jahren nur sehr mangelhaft an moderne Strukturen angepasst hat. Es wir auch gezeigt, was zu tun wäre: Eben nicht alle Mängel in Schubladen verschwinden lassen, sondern ein durchgängiges Qualitätsmanagement einführen, das sowohl die Struktur, als auch die Abläufe und vor allem die Ergebnisse der Behandlungen dokumentiert. Die Studierenden des Studienganges "Health Care Engineering" finden sich in ihrer Studienwahl bestätigt, denn genau diese Gebiete werden ihnen vermittelt: Prozess- und Projektmanagement und vor allem auch das noch stark verbesserungsfähige Informationswesen im Gesundheitssystem. Ebenso ist das Risikomanagement in diesem Bereich, in dem es um unser aller Leben geht, noch sehr unterentwickelt.
Es kann nicht darum gehen, in Zukunft aus Kostengründen Leistungen einzuschränken, sondern die phantastischen Möglichkeiten moderner Medizin allen Menschen zugute kommen zu lassen. Das ist möglich, wenn bestehende Systeme aus dem Wirtschaftsleben in intelligenter Weise auf das Gesundheitssystem übertragen werden. Eine derart unkoordinierte Mittelver(sch)wendung könnte sich kein Wirtschaftsbetrieb leisten, er ginge in kürzester Zeit pleite. Allein bei den Arzneimitteln, die rund 20% der öffentlichen Gesundheitsausgaben ausmachen, ist die Verschreibungsqualität schlecht (zuviel, unwirksam, inadäquat, doppelt), so dass es in großer Zahl zu Komplikationen und sogar zu Spitalseinweisungen kommt.
In der anschließenden, fast einstündigen Diskussion werden die Thesen hinterfragt und sehr sachlich Verbesserungsmöglichkeiten diskutiert. Es herrscht Einigkeit, dass mehr Transparenz nicht zur Verunsicherung, sondern im Gegenteil zu mehr Vertrauen in das Gesundheitswesen führen würde. Der Disput geht auch beim anschließenden, kleinen Buffet, das von keiner Phramafirma übernommen wurde, angeregt weiter. Ein interessanter Abend, an dem wieder einmal gezeigt wurde, dass die Studiengangsprofile von "Health Care Engineering" und "eHealth" hochaktuell sind.
Verschlusssache Medizin