Danke Krise?
Wie man als internationaler Konzern die Krise bewältigt, erläuterte der Vorstandsvorsitzender der "Hoerbiger Kompressortechnik" auf Einladung des Studiengangs "Industriewirtschaft / International Management".
"Danke Krise!", meinte Johann Hipfl scheinbar widersprüchlich in seinem Vortrag "Wie Hoerbiger die Krise meistert" im Rahmen der Jubiläumsreihe "15 Jahre Industriewirtschaft / Industrial Management" an der FH JOANNEUM Kapfenberg.
Der Hoerbiger-Konzern, 1894 von Hanns Hörbiger (dem Ahnherren des Schauspieler-Clans) gegründet, zählt mit seinen 6500 MitarbeiterInnen zu den "Hidden Champions" in technologischen Marktnischen. Seit 1945 war die Geschichte des "Tüftler- und Menschenunternehmens" stets durch Wachstum und Gewinne gekennzeichnet. Erfolgsfaktor sind die MitarbeiterInnen und deren Innovationskraft. "Sie entwickeln ständig Produkte, an die noch nicht einmal die Kunden denken." Die aktuelle Wirtschaftskrise stoppte rasant den gewohnten Gang des Unternehmens, das mehr als 99 Prozent exportiert. "Wir haben ein halbes Jahr gebraucht, um auf die Krise zu reagieren", bekannte Johann Hipfl offen. Dann sei es aber durch radikale Maßnahmen gelungen, innerhalb eines Jahres die Verlustzone zu verlassen.
"Geschwindigkeit schlägt Genauigkeit"
Das umfassende Krisenmanagement habe schließlich dazu geführt, dass "Hoerbiger die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig verbessern konnte". Dabei war es wichtig, "bei der Entscheidungsfindung die Geschwindigkeit der Genauigkeit vorzuziehen" und mit den MitarbeiterInnen "offen über die Probleme zu sprechen". Trotz der generellen Kostenreduzierungen sind die Ausgaben für Forschung und Entwicklung gleich geblieben. Für Hoerbiger spreche die "klare, konsistente Unternehmenskultur, die von allen MitarbeiterInnen weltweit getragen wird".
Dem geborenen Kärntner, der seit 22 Jahren im Top-Management ist, "ist jedoch bewusst, dass wir uns in einer fundamentalen Wirtschaftskrise befinden". Leider seien "die Spieler, die das kapitalistische System mit dem Casino verwechselt haben, nicht bestraft worden".
Der Vortrag war die achte von insgesamt 15 Veranstaltungen, die der Studiengang "Industriewirtschaft / Industrial Management" anlässlich des 15-Jahre-Jubiläums organisiert. Das Ziel von Studiengangsleiter Martin Tschandl und seinem Team ist, den AbsolventInnen gute internationale Karrierechancen zu verschaffen. Die bislang rund 500 WirtschaftsingenieurInnen sind international im Einsatz - von Deutschland bis Kanada und von China bis Australien.