Wie werden Inhalte im Social Web geteilt?

Julian Ausserhofer – wissenschaftlicher Mitarbeiter am Studiengang – hat gemeinsam mit Axel Maireder vom Wiener Publizistikinstitut eine Studie über das Sharing in sozialen Medien erstellt. User teilen demnach Inhalte auf Facebook und Twitter, über die sie im Netz eher zufällig „stolpern."

„Das, was wir heute über Social Network Sites wissen, ist vor allem quantitativer Natur: Wir kennen Zahlen zur Verbreitung und zur Nutzungsdauer, auch wie Netzwerke aufgebaut sind“, erklärt Julian Ausserhofer. Das Wissen um die Motive und Praktiken beim Teilen von Inhalten in Sozialen Netzwerken ist bislang noch eher beschränkt. Mit ihrer Untersuchung, die sich um die Frage dreht, wie und warum Menschen auf Facebook und Twitter Medieninhalte teilen, legen Julian Ausserhofer und Axel Maireder im internationalen Vergleich eine der ersten Studien zu diesem Thema vor.

Die Untersuchung basiert auf insgesamt 41 qualitativen Interviews mit österreichischen Social-Media-Nutzern, die von Publizistikstudierenden im Rahmen einer Lehrveranstaltung durchgeführt wurden. Ausgewählt wurden speziell Nutzer, die zwar über eine ausgeprägte Sharing-Praxis verfügen, jedoch ein begrenztes Publikum von nicht mehr als 2000 Facebook-Freunden, bzw. Twitter-Followern haben.

Das Teilen von Medieninhalten im Internet – so eines der Ergebnisse der Studie – erfolgt kaum geplant, sondern eher zufällig. Welcher Content geteilt wird, hängt dabei von einer Reihe von Faktoren ab: dem eigenen Interesse, der aktuellen Agenda in den Medien sowie vom antizipierten Interesse des jeweiligen Publikums.

Denn die Nutzer sozialer Medien machen sich ein Bild von ihrem Publikum. Je nach Inhalt und Thema werden Postings an ein bestimmtes Publikum adressiert, auch wenn die Mitteilung technisch an alle Freunde bzw. Follower gerichtet ist. Durch die virale Verbreitung von Inhalten im Internet kann das gesamte mögliche Publikum jedoch nie vollständig abgeschätzt werden.

Das Sharing dient vor allem dem Identitätsmanagement und der Selbstdarstellung in sozialen Medien. Durch bestimmte Postings konstruieren Nutzer ihr Selbstbild im Social Web. Ihren Freunden und Followern zeigen sie so, für welche Themen sie sich interessieren, welche Quellen sie als vertrauenswürdig erachten und welche Weltanschauung sie teilen.

Präsentiert wurde die Studie offiziell am 5. Dezember 2011 im Museumsquartier in Wien. Ein wissenschaftlicher Artikel in englischer Sprache wurde bereits verfasst und bei einem internationalen Journal eingereicht.

Twitter-Tag: #sharingstudie

Bericht in der Futurezone

Präsentation der Sharing-Studie im Museumsquartier in Wien (© Lisa Stadler)

Präsentation der Sharing-Studie im Museumsquartier in Wien (© Lisa Stadler)

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