Special Media Lecture

Sybille Hamann zu Gast am Studiengang JUK

Am 12. Dezember war Sybille Hamann, ihres Zeichens „profilierte“ Auslandjournalistin, Autorin und Mutter, beim Studiengang Journalismus und Unternehmenskommunikation an der FH JOANNEUM zu Gast. Nach einem kurzen Vortrag über finanzielle Probleme des heutigen Auslandjournalismus, stellten die StudentInnen des Studiengangs allerlei Fragen an sie.

Die Special Media Lecture begann um 18 Uhr mit einem effektvollen Auftritt der Journalistin: Erst konnte man nur ihre Stimme hören, dann erst betrat sie den Präsentationsraum – gemeinsam mit Mag. Markus L. Blömeke, der den Vortrag passend zum Thema mit dem Zitat „Die Welt ist wie ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon“ anmoderierte und Sybille Hamann die zentrale Frage nach der Beziehung zwischen Auslandjournalismus und Kapital stellte.

Geld regiert die Medienwelt

„Zuviel Geld ist schädlich, aber ganz ohne geht’s nicht.“ Hamann fasste ihre Antwort zuerst in einem Satz zusammen, um diesen im Verlauf ihres Vortrages zu erläutern. Zuerst erklärte sie, inwiefern Geldnot auch zur Qualitätsverbesserung beitragen kann.
Die meisten (schreibenden) Auslandjournalisten erhalten so wenig finanzielle Unterstützung von ihren Medienhäusern, dass sie eher wie Billigtouristen reisen. Sie sind auf sich allein gestellt, bekommen nicht einmal einen Laptop zur Verfügung gestellt. Der Vorteil an diesem Touristendasein ist aber, dass sich der Journalist dadurch freier in Krisengebieten bewegen kann. Quasi inkognito,  ohne Bewilligungen und mit dem öffentlichen Bus statt dem Privathelikopter das Land bereisend, kommt man mit den Menschen dort leichter ins Gespräch. Meist sind es dann Lebensgeschichten abseits der Hauptschauplätze, die die Atmosphäre im Krisengebiet am besten ausleuchten und somit Stoff für spannende Reportagen liefern. Schlecht ist laut Hamann, wenn an Hotspots den schnellsten Journalisten vor Ort (vorzugsweise aus Amerika und Japan) eine ganze Journalistenmeute hinterher läuft, ohne selbst mit den Krisenakteuren in Kontakt zu treten.

Der große Nachteil der Geldnot liegt aber darin, dass die Finanzierung der Reisespesen durch nicht unabhängige Stellen immer mehr Überhand nimmt. Meist sind die Geldgeber entweder staatliche Stellen oder private Hilfsorganisationen. Wenn nun aber alle Journalisten nur noch mit dem Ziel schreiben würden, für eine Stelle möglichst viele Spenden zu lukrieren, dann würde immer nur ein bestimmter Ausschnitt gezeigt, an dem die Not am größten ist. Hamann kommentierte die Entwicklung zum übertreibenden medialen Inszenieren von Krisen trocken: „Die Welt ist weniger aufregend, als man vermuten würde.“

Fragen über Fragen

Die Frage- und Antwortrunde im Anschluss an den Vortrag gewährte den 40 anwesenden Studierenden noch tiefere Einblicke in den Alltag einer Auslandjournalistin.

Der erste Gedanke von vielen: Wie geht man nur mit der ständigen (Lebens-)Gefahr um? Sybille Hamann konterte darauf, sie fühle sich in so genannten Krisengebieten viel sicherer, als in Österreichs Straßenverkehr, weil es meistens genau dann gefährlich ist, wenn man es nicht erwartet. Außerdem: „Die ersten, die sterben, sind Fotografen“, weil diese sich unmittelbar an der Front aufhalten müssen. Die Journalisten könnten hingegen besser im Hintergrund recherchieren.

Die Frage ob sie sich über den ihr kürzlich verliehenen „Löwinnenpreis“ gefreut habe, beantwortete Hamann äußerst direkt: „Das war echt nix Aufregendes, das war ein Pimperlpreis. 1000 Euro und das war’s.“ Viel interessanter für sie und für uns waren die Ausführungen zum Pro und Contra, die Schwierigkeiten, aber auch die Vorteile für weibliche Journalisten in manchen Ländern der Welt.

Als Schlusspunkt der gelungenen Veranstaltung gab die „profil“-Journalistin noch nützliche Tipps für angehende Auslandjournalisten. Wenn man 25 ist, darf man nicht schon abgestumpft sein, man muss etwas schaffen wollen. Mit drei Worten ausgedrückt: „Scheißts euch nicht!“

Matteo Lindner

Sybille Hamann

Sybille Hamann