Alexander Bühler an der FH JOANNEUM
Der Journalist Alexander Bühler war am 20. Oktober um 18:00 im Rahmen der Special Media Lectures zu Gast in den heiligen Hallen der FH JOANNEUM. Sein Vortrag „Abenteuer Journalismus“ war außergewöhnlich spannend - der Frontbericht eines weltreisenden Investigativjournalisten.
Nachdem erst einmal gebührend bewundert wurde, dass er es lebend bis hierher geschafft hatte und vorsorglich einige Fotos geschossen wurden, begann der Reporter mit seinem mitreißenden Vortrag. Alexander Bühlers Schwerpunkte liegen auf buchstäblich explosiven Themen wie dem Söldnertum, dem internationalen Waffen- und Drogenhandel und dem Konflikt um Rohstoffe. Er bezieht seine Informationen dabei direkt vor Ort, in den verschiedensten Ländern rund um den Globus.
Im Kongo befasste sich Alexander Bühler mit dem hiesigen Waffenhandel und entdeckte, dass Maschinenpistolen von Bürgerkrieg zu Bürgerkrieg weitergereicht werden; sozusagen 30 bis 40 Jahre lang wiederverwertet werden. Er drehte Videos und schoss Fotos der Waffenlager, wobei er es schaffte, dies bei seinem Vortrag als etwas ganz Alltägliches und Ungefährliches darzustellen.
Im Zuge seiner Ermittlungen hierzu wurde ihm ein Gorillababy zum Kauf angeboten. Daraufhin gab er sich kurzerhand als Abgesandter des Frankfurter Zoos aus und erlangte brisante Informationen über den Tierhandel. Den Affen, es stellte sich als Schimpansenbaby heraus, hat er schlussendlich nicht ersteigert.
In Brasilien sammelte Alexander Bühler Material für eine Reportage über die systematische Zerstörung des Amazonas-Regenwaldes - ein Problem, von dem jeder schon einmal gehört hat, von dem allerdings niemand etwas hören will. Zurzeit wird im Jahr ungefähr eine Fläche abgeholzt, deren Umfang dreimal so groß ist wie Österreich. Auf diesen Flächen wird Zuckerrohr angebaut, aus dem der Biosprit Ethanol gewonnen wird.
In letzter Zeit hat das Tempo der Abholzung rasant zugenommen, da Brasilien sich im Bereich der Biotreibstoffe als Weltmarktführer behaupten will. Alexander Bühler erzählte von zehn Stunden Arbeit am Tag, von Unterkünften, die sich kaum mehr Baracken nennen können; er beschrieb die Lehmhütten, die als Öfen für Holzkohle dienen und Großgrundbesitzer, die rücksichtslos gegen die Natur vorgehen.
Im Libanon kam Alexander Bühler auf der Schiffsfahrt nach Beirut sein Pass abhanden, woraufhin er nicht von Bord gelassen wurde. Er könnte ja ein israelischer Spion sein oder – noch schlimmer – ein Journalist. Diese Zeit nützte der Reporter, um Beobachtungen an dem Schiff und an der Crew anzustellen.
Wiederum im Kongo beschäftigte sich Alexander Bühler mit den Pygmäen, einem Volk, das schwer unter den Folgen des Bürgerkriegs zu leiden hat. Die Pygmäen wurden aus ihrem angestammten Lebensraum im Wald vertrieben, von Rebellen ausgeplündert, die Frauen vergewaltigt. Dennoch geriet der Journalist genau hier mitten in ein rauschendes Volksfest.
Hierzu zeigte uns der Reporter ein Video einer mehr als schrägen Dorfkappelle – die Töne lagen überwiegend daneben, aber die Menschen tanzten, lachten und freuten sich. „Solange die Leute Musik machen, ist die Hoffnung nicht verloren.“, bemerkte Bühler weise.
Immer wieder betonte Alexander Bühler, dass ein Journalist in einem fremden Land keine ruhige Minute haben dürfe; man muss immer auf der Hut sein, alles aufnehmen, aufzeichnen, festhalten, eine unverschämte Neugier an den Tag legen. Und Glück haben.
Für diejenigen, die auf den Geschmack gekommen waren, präsentierte Bühler eine kleine To-do-Liste. Unter anderem stand darauf: „Gegen so viele Krankheiten impfen wie möglich.“
Am Ende des Vortrags prasselten Fragen auf Alexander Bühler ein.
„Wie halten Sie es aus, von Ihrer Familie wochenlang getrennt zu sein, ohne dass Ihre Rückkehr garantiert ist?“
„Wie schaffen Sie es, in heiklen Situation überlegt und gelassen zu reagieren, ohne sich in einer Ecke in Embryonalstellung zusammenzukauern?“
„Wie würden Sie handeln, falls Sie als Geisel genommen werden?“
„Es geht um die Story“, antwortete Bühler. Und damit war alles gesagt.
© Julia Karzel
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„Der Vortrag in Bildern“ (© Günther Kubiza)
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