Die österreichische Medienszene unter der Lupe
„Über den ORF brauchen wir erst gar nicht reden, denn der macht Harakiri mit Anlauf.“ Es wird aber trotzdem darüber gesprochen und zwar sehr intensiv. Von Harald Fidler, Medienredakteur des „ Standard“ , am 15. Dezember im Rahmen einer Special Media Lecture an der FH JOANNEUM.
Kaum ein anderer Mensch verfügt über ein derartiges Wissen über die Geschehnisse in Zeitungen, Fernsehen und Radio; vor allem über das, was hinter den Kulissen passiert. Harald Fidler versteht es, dieses Wissen verständlich darzubringen und mit Charme und einer gehörigen Portion sarkastischem Humor zu unterstreichen.
Sein kürzlich erschienenes Buch „Österreichs Medienwelt von A bis Z“ erwähnt Fidler anfangs zwar und witzelt noch, dass er bis drei Uhr morgens daraus vorlesen wird, tut dies aber schlussendlich gar nicht. Der Großteil seines Vortrages besteht nämlich daraus, über die Verstrickungen und Vernetzungen, die Dichtheit der Familienbündnisse und die gegenseitigen Attacken in der österreichischen Medienlandschaft zu referieren. Genauer geht er dabei auf den ORF, die Zeitungen Krone, Österreich, Heute und die Verlagsgruppe NEWS ein.
Während Fidler über die Programmreform des ORF im Jahre 2006 spricht, erwähnt er ganz nebenbei, dass diese nicht mehr als ein „Bauchfleck“ war, was durch die Sendung „Mitten im 8en“ deutlich bewiesen wurde. Dass diese Aussage aber keineswegs nur seine eigene, subjektive Meinung ist, verlautet er mit einer darauf folgenden Statistik der Zuschauer.
Um auf das Zitat Fidlers am Anfang des Berichts zurückzukommen: Es stand unter anderem im Kontext mit der Umstellung von Analog- auf Digitalfernsehen. Dabei hat sich der ORF quasi selbst ins Knie geschossen, da er mit der Verpflichtung der Zuseher, DVBT-Boxen zu kaufen, die Türen für viele deutsche Privatsender mit einem österreichischen Werbefenster öffnete.
Fidler kommt schließlich von nicht uninteressanten Zahlen, Daten und Fakten auf mögliche Zukunftsmodelle einiger Medien in Österreich zu sprechen und erklärt, welchen Einfluss die Politik auf die präsentierten Inhalte hat: einen großen. Ein weiteres Mal wird kurz erwähnt, wie stark vor allem die Printmedien in Österreich miteinander verstrickt sind und inwieweit sich Personen in leitenden Positionen gut bis sehr gut kennen. Diesmal ist aber ein kleiner Exkurs zu einem nicht unbekannten Unternehmen dabei, welches erstaunlicherweise mehr Anteile am österreichischen Medienmarkt hat, als man eventuell angenommen hätte.
Gegen Ende spricht Fidler noch über das Internet als Medium sowie über mögliche Varianten, aus journalistischen Internetportalen Geld zu schlagen. Obwohl er das Internet nicht gerade als Goldesel sieht, bietet es dennoch einen wichtigen Servicefaktor: Schnelligkeit. So plaudert Fiedler aus dem Nähkästchen, dass der Tiroler Print-„Standard“ sicherlich nicht dermaßen up-to-date ist, wie der in Wien erscheinende. Immerhin muss das bedruckte Papier von Wien nach Tirol verfrachtet werden, damit es früh morgens vor Ort ausgeliefert werden kann. Die Zeitverzögerung von zwölf Stunden wird dabei oft unterschätzt – und kommt im Internet natürlich nicht vor.
Auf die Frage wie Fidler die perfekte, utopische Medienlandschaft in Österreich sieht, äußert er einen Wunsch: die Konzentration der Verstrickungen vor allem innerhalb der Printmedien sollte sich auflösen.
Harald Fidlers Buch „Österreichs Medienwelt von A bis Z“ hat auch eine Online-Anbindung. Zu finden ist diese unter www.diemedien.at.
© Kevin Griebaum