Rückblick 4. Grazer Managementforum
Die Globalisierung geht weiter – Chancen und Risiken in Emerging Markets
„Wie weit reicht Europa?“ – mit dieser Frage eröffnete Erhard Busek am 14. Mai seinen Keynote-Vortrag beim 4. Grazer Managementforum, zu dem 100 Führungskräfte aus der Wirtschaft in den messecongress Graz gekommen waren. Diese Frage sei eigentlich nicht geografisch zu beantworten, sondern vielmehr müsste die Frage lauten: „Wie weit reicht unser europäisches Verständnis füreinander“, so Busek. „Wir kommen mit der Situation des „neuen Europa“ noch nicht so gut zurecht – wir müssen Europa (wieder) lernen. Europa muss seinen Platz finden“. Es gilt, die Frage zu klären: „Wofür soll Europa stehen?“. „Wir brauchen mehr Europa – mehr europäische Kompetenzen und gemeinsame Regelungen“, so Busek. Abschließend plädiert er an die Anwesenden: „Nur durch Unterschiedlichkeit und Vielfalt gewinnt Europa, nicht durch Gleichartigkeit“.
Nach der ersten Workshop-Runde am Vormittag, in der Unternehmen ihre Internationalisierungsstrategien präsentierten, berichtet Günther Puchtler, Vorstandsdirektor der Grazer Wechselseitige Versicherung AG, davon, wie die Grawe den Umbruch in den Märkten als Chance genützt hat und schildert den erfolgreichen Weg der Expansion zu heute 13 Auslandsgesellschaften. „Wir haben unsere Gedanken von einem Land ins andere kopiert. Allmähliches Wachsen galt dabei als Prinzip und die richtigen Schlüsselpersonen sind ein zentrales Thema“, so Puchtler.
Einen Einblick in die Automobilindustrie in Argentinien und das Thema CSR gewährte darauf Herbert Prock, Abteilungsleiter für Social Affairs bei VW Argentinien. CSR wird nicht erfolgreich sein, wenn es nur als „Marketingstrategie“ gesehen wird. In beeindruckender Weise schildert Prock, mit welchen Aktivitäten VW es in Argentinien auf Rang 6 beim CSR-Ranking der Unternehmen geschafft hat. Die Reihe der Maßnahmen reicht dabei von der Pensionsvorsorge, über Verkehrserziehung in Schulen bis hin zum Bildungsangebot für Mitarbeiter. Durch die Übernahme sozialer Verantwortung übernehmen Unternehmen in Argentinien teilweise die Aufgaben des Staates. „Wichtigster Grundsatz sei dabei immer, dass die Relation zum Geschäft und das Unternehmensziel nicht aus den Augen verloren werden („VW ist nicht die Caritas“)“, so Prock.
Nach der zweiten Runde der Praxis-Workshops schließt Christian March, Geschäftsführer von Amnesty International Österreich, unmittelbar an dieses Thema an, spricht über weltweite Menschenrechtsverletzungen und gibt Tipps, wie sich die Unternehmensaktivitäten mit den moralischen und gesetzlichen Verpflichtungen vereinbaren lassen.
Bei der abschließenden Podiumsdiskussion, moderiert von ORF-Redakteurin Eva Pfisterer, werden die Themen des Tages nochmals unter der „Globalisierungsbrille“ betrachtet und natürlich kommen die Referenten dabei auch am Thema Wirtschaftskrise nicht vorbei.
Erhard Busek