Bewegung auf Rezept 2
© FH JOANNEUM / Marion Luttenberger

Bewegung auf Rezept

Eva-Maria Kienzl,

Statt Medikamenten „verschreiben“ Ärztinnen und Ärzte Bewegungseinheiten. Was heute noch nicht üblich ist, soll morgen zum Standard werden. Denn: Bewegung hat bei vielen chronischen Erkrankungen eine gesundheitsfördernde Wirkung.

Regelmäßige Bewegung im Alltag wirkt unumstritten gesundheitsfördernd auf den menschlichen Körper. Es wird beispielsweise das Risiko für chronische Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Typ II-Diabetes oder Krebs gesenkt. Das mentale Wohlbefinden wird durch körperliche Aktivität ebenfalls gesteigert. Deshalb soll Bewegung von Ärztinnen und Ärzten in Zukunft öfter „verschrieben“ werden. Was das bringt und wie unser Projekt dazu abgelaufen ist erklärt Silvia Tuttner im Gespräch.

Wie können Ärztinnen und Ärzte die Bewegung der Gesellschaft fördern?
Silvia Tuttner: Ärztinnen und Ärzte in der Primärversorgung sind wichtige Bezugs- und Vertrauenspersonen für ihre Patientinnen und Patienten. Bei Bedarf haben sie die Möglichkeit im Gespräch auf die Vorteile von regelmäßiger Bewegung hinzuweisen und zu Verbesserung des Lebensstils zu motivieren und sind somit eine wichtige Ressource für Bewegungsförderung. Mit diesem Ansatz kann dem österreichischen Rahmengesundheitsziel Nummer 8, das „Bewegung auf Rezept“ empfiehlt, Rechnung getragen werden.

Das Projekt „Primary Care und Bewegungskompetenz“ befasst sich mit diesem Thema. Was ist das Ziel?
Silvia Tuttner: Unser Ziel ist es, die Bewegungskompetenz und das Aktivitätsniveau von inaktiven Personen zu steigern. Die Personen werden von den Ärztinnen und Ärzte zu einem Bewegungsangebot vermittelt. Dadurch Entwickeln sie die Willenskraft sich regelmäßig zu bewegen und Bewegung in ihren Alltag zu integrieren.

Welche Maßnahmen wurden umgesetzt und wie ist das Projekt abgelaufen?
Silvia Tuttner: Das Projekt wurde in zwei Modellregionen in der Steiermark – nämlich Feldbach / Bad Gleichenberg und Mürzzuschlag – umgesetzt. Es wurden Kooperationsvereinbarungen mit zwölf regionalen Arztpraxen abgeschlossen. Mit einem neu entwickelten Tool zur Messung wurde die Bewegungskompetenz erhoben und Bewegungsinterventionen in Form von Ausdauer, Kraft- und Multimodaltraining für die Zielgruppe angeboten.

Welchen Vorteil haben Ärztinnen und Ärzte durch eine Teilnahme am Projekt?
Silvia Tuttner: Ärztinnen und Ärzte können im Rahmen dieses Projektes das Aktivitätsniveau der Personen messen und sie direkt zu einem für die jeweilige Zielgruppe angemessenen und sehr niederschwelligen Bewegungsangebot weitervermitteln. Sie haben so die Möglichkeit inaktive Personen mit eventuellen chronischen Erkrankungen oder starkem Übergewicht zu einem gesunden Bewegungsverhalten zu motivieren und setzen dadurch einen innovativen Ansatz der Gesundheitsförderung in der Primärversorgung um.

Das Projekt „Primary Care und Bewegungskompetenz“ wird an der FH JOANNEUM von Silvia Tuttner und Frank M. Amort umgesetzt. Es ist neben dem gesundheitsfördernden Fußball, „Gemeinden leben bewegt“ und dem Generationenspielplatz eins von vier Projekten des Instituts Gesundheits- und Tourismusmanagement, das aktuell zum Thema Bewegungsförderung kurz vor dem Projektabschluss steht.

Silvia Tuttner berichtet im Interview über Projektziele, den Ablauf und den Vorteil der Teilnahme für Ärztinnen und Ärzte.