Designmonat Lectures

Designmonat Lectures „COMMON! Design for Society“

Stefanie Egger,

Internationale Vortragende bei den Designmonat-Lectures „COMMON! Design for Society“ brachten die aktuelle Entwicklungen der Medien- und Technologielandschaft in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Entwicklungen.

„Common! Design for Society“ war der Titel der diesjährigen Vortragsreihe des Departments Medien & Design, die im Rahmen des designmonat Graz im Auditorium des Joanneumsviertels stattfand.

Dienstag, 14. Mai 2019

Women in design. USSR 1917-Russia 2017

Am ersten Tag berichtete Alexandra Sankova über Frauen im Design im Rahmen der bewegten Geschichte Russlands in den letzten hundert Jahren. Alexandra Sankova erhielt ihren Master of Arts in Grafikdesign von der Stroganov State University of Arts and Industry Moskau. Sie ist Generaldirektorin und Mitbegründerin des Designmuseums Moskau, welches 2012 mit der Intention gegründet wurde, das Designerbe Russlands zu sammeln, zu bewahren und bekannt zu machen. Sie kuratierte und begleitete Ausstellungen wie „Soviet Design 1950-1980" (2016, 2017), „Verpackungsdesign. Made in Russia" (2013), „Discovering Utopia – Die verlorenen Archive des Sowietischen Designs" (2016), „Die Geschichte russischen Designs 1917-2017" (2017, 2018), „The Design System in the USSR" und viele andere.

Liberate the User

Julianna Faludi ist eine Soziologin, die sich forschend mit Themen wie Soziale Innovation, dem Verhältnis von Mensch und Technologie und Digital Entrepreneurship auseinandersetzt. Sie ist als Trainerin und Mentorin bei Hackathons und für digitale Startup-Projekte in Zusammenarbeit mit dem Impact Hub und dem Makerspace in Budapest sowie auch beim European Youth Award in Österreich tätig. In ihrem Vortrag zog sie Bilanz darüber, welche Rolle Design für das Entstehen oder auch Stoppen von Beschleunigungsprozessen spielen kann und welche Position es im Zusammenhang mit der Überbeanspruchung des Planeten einnimmt, insoweit Zeit- und Sozialressourcen allesamt zu Rohstoffen im Interaktionsraum der ökonomischen Zwänge geworden sind.

Sie veranschaulichte, wie Technologien zur Loslösung der Menschheit aus technologischen Zwängen eingesetzt werden können, etwa die Befreiung der Userinnen und User und eine Ermächtigung der Konsumentinnen und Konsumenten durch soziale Innovationen. Dies stellt zurzeit für viele Unternehmerinnen, Unternehmer, Designerinnen, Designer, Wissenschafterinnen und Wissenschafter ein wichtiges Unterfangen dar.

Designing Trust in an Era of Self Validating Facts

Wem können wir vertrauen und in wen setzen Userinnen und User ihr Vertrauen? Margot Bloomstein, Direktorin bei Appropriate lnc. in Boston, sprach genau diese Fragen an. Auf selbstständiger Basis sowie zusammen mit führenden Agenturen entwirft sie auf die jeweilige Marke zugeschnittene Erfahrungswelten, um Handelsunternehmen, Universitäten und anderen Organisationen dabei zu helfen, ihr Zielpublikum besser zu erreichen und Schlüsselbotschaften mit höchster Konsistenz und Authentizität zu übermitteln. In den letzten zehn Jahren arbeitete sie für BT, Philips, Tretorn, Lindt & Sprüngli, Harvard, Tufts University, Timberland, den Staat Nevada sowie die Rhode Island Public Transit Authority.

Tag eins endete mit einer ungezwungenen Diskussion der Vortragenden mit dem Publikum.

Mittwoch, 15. Mai 2019

Loving Strangers and the Built Environment

Rebecca „Bucky” Willis aus Detroit eröffnete am Mittwoch den zweiten Tag der Lectures mit ihrem Vortrag darüber, wie man die gebaute Umgebung dazu nutzen könnte, ein liebevolleres Miteinander von Fremden zu begünstigen, wie die gebaute Welt Altruismus nähren und dabei helfen könnte, soziale Wechselwirkungen und gegenseitige Abhängigkeiten zu feiern. „Bucky” ist in Detroit geboren und schloss ihren Master of Architecture an der University of Detroit Mercy ab. Sie arbeitete für einige Non-Profit-Organisationen in Detroit, darunter Habitat for Humanity und Detroit Future City. Derzeit ist sie Projektmanagerin und Designerin am Detroit Collaborative Design Center, sie unterrichtet aber auch am Architectural DesignStudio und arbeitet als außerordentliche Professorin an der Universität von Detroit Mercy, School of Architecture.

Normalerweise stellen Mobiltelefone eher eine unerwünschte Unterbrechung von Vorträgen dar – nicht so zwischen den beiden Vorträgen des zweiten Tages: Eine Sound Performance, bestehend aus einem Orchester von Smart Phones, füllte plötzlich den Raum, arrangiert und aufgeführt von Josef (Seppo) Gründler und Studierenden des Masterstudiengangs „Sound- and Interaction Design”.

Beyond the Golden Age of Pessimism

Nachdem auch das letzte Smartphone verstummt war, betrat Julia Kloiber, eine Absolventin des Studiengangs „Informationsdesign” der FH JOANNEUM die Bühne. Sie analysierte, wie wir Science-Fiction-Dystopien hinter uns lassen und uns stattdessen darauf konzentrieren könnten, wie ein begründeter und durchdachter Optimismus uns dabei helfen kann, gesellschaftliche Entwicklungen eher in Richtung Utopien und positiver Visionen voranzutreiben.

Julia Kloiber ist Gründerin und Managing Director von Superrr Lab – einem feministischen Think Tank und einem Beratungsagenturpartner von Ashoka Germany. Sie entwickelt Strategien und Konzepte für Innovationen in der digitalen Welt. 2016 war sie Mitbegründerin des Prototype Fund, Deutschlands erstem öffentlichen Unterstützungsprogramm für Social Innovation Prototypes.

Die beiden Tage, gefüllt mit Vorträgen, Diskussionen und kritischen Analysen der aktuellen Medien- und Technologielandschaft, endeten in lebhaftem Austausch der Vortragenden mit dem Publikum.