Energiefresser Heizschwammerl
Der Graben in Wien wird in der kalten Jahreszeit bestens beheizt. Foto: Uwe Trattnig

Energiefresser Heizschwammerl

Ivo Sabor,

Ein Puzzlestein in der nachhaltigen Lösung der Energiekrise ist das Energiesparen. Doch im Alltag stößt man noch immer auf Situationen, bei denen diese Einsicht offensichtlich noch nicht zur Anwendung kommt – wie etwa beim „Heizschwammerl“ vor zahlreichen Lokalen in Österreich.

Das Thema Energiesparen ist aktuell in aller Munde. Und viele Leute wollen ihren Beitrag leisten. So werden Kühlschränke abgetaut, LED-Lampen angeschafft und zuhause ein Pullover angezogen, denn die Heizung wird etwas runtergestellt. Doch bei einem Spaziergang durch Österreichs Städte muss man sich als energiebewusste:r Bürger:in manchmal sehr wundern: Obwohl wir den wärmsten Oktober der Messgeschichte hatten, glühten vielerorts bereits fleißig die Heizstrahler. Zu allem Überfluss saßen darunter viele Gäst:innen, die sich nicht zitternd an ihren Heißgetränken festhielten, sondern einen mit Eiswürfeln gekühlten Spritzwein genossen. Die Sinnhaftigkeit des Heizens von außen und des Kühlens von innen sei an dieser Stelle dahingestellt. Doch wieso schossen diese „Heizschwammerl“ gerade in den vergangenen Jahren vermehrt aus dem Boden?

In den vergangenen zwei Jahren versuchten zahlreiche Gastronom:innen ihre Gäst:innen trotz Corona-Pandemie sicher zu bedienen. Laut Wirtschaftskammer investierten daher rund 10.000 Betriebe in Heizstrahler für ihre Gast- und Schanigärten. Genehmigungen dazu wurden großzügig verteilt. Da uns nun die Energiekrise eingeholt hat, steht der Einsatz von Heizstrahlern allerdings unter Kritik. So hat das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie bereits entschieden, dass Betriebe, die Außenheizungen einsetzen, keinen Anspruch auf den staatlichen Energiekostenzuschuss haben.

Wie funktioniert so ein Heizstrahler überhaupt?

Bei Heizstrahlern handelt es sich meist um Infrarotstrahler, die entweder mit Gas oder elektrischem Strom betrieben werden. Gelegentlich finden sich auch die weniger verbreiteten Pellet-Heizstrahler wieder. Das Ziel ist dabei – im Gegensatz zu einem Heizlüfter – lediglich die angestrahlten Flächen und nicht die Luft zu erwärmen. Dies gelingt, indem man etwa einen Heizwiderstand mit Strom beaufschlägt oder eine Keramikplatte mit Gas so weit aufheizt, bis diese aufgrund ihrer Temperatur Wärmestrahlung abgibt. Wer dies genauer verstehen will, der:die schlage gerne das Stefan-Boltzmann-Gesetz nach. Trifft die Strahlung dann auf einen Körper, so erwärmt sich dieser. Mit zunehmendem Abstand verteilt sich die Energie auf immer mehr Fläche (Abstandsquadratgesetz), daher ist der richtige Abstand zwischen Mensch und Wärmequelle wichtig. So kommt es leider auch zu dem Effekt, dass Menschen unter einem Infrarotstrahler noch immer kalte Füße haben, obwohl ihnen am Hinterkopf fast schon unangenehm warm ist.

Wie viel Energie verbrauchen Außenheizungen und was bedeutet das für die Umwelt?

Allein die Idee, die Außenluft zu beheizen, hört sich verschwenderisch an, aber wie viel Energie wird hier wirklich benötigt? Für eine erste Einschätzung wird exemplarisch der Graben im 1. Bezirk in Wien herangezogen, wo auch kürzlich das Headerbild dieses Beitrages entstanden ist. Ein einzelner Strahler hat – je nach Ausführung – eine elektrische Leistung von rund zwei Kilowatt. Pro Schirm sind oft vier Stück verbaut und am Graben stehen etwa 20 solcher Schirme. Dies ergibt bereits eine geschätzte installierte Leistung von 160 Kilowatt für nur diesen einen Standort. Gebraucht werden diese jedoch nur in der Heizsaison. Somit also etwa 180 Tage von Oktober bis März – dabei wird angenommen, dass der Betrieb sieben Tage die Woche geöffnet hat. Je nach Art der Gastronomie variiert die tägliche Nutzungsdauer dabei stark. Vier Stunden täglich ergeben jedoch bereits einen elektrischen Energieverbrauch von 115.200 Kilowattstunden. Verglichen mit einem Durchschnittshaushalt, welcher etwa 3.000 Kilowattstunden jährlich benötigt, ergibt sich für die Außenheizung im Winter derselbe ganzjährliche Stromverbrauch von 38 Haushalten.

Aus Sicht des CO2-Fußabdruckes stellen mit Flüssiggas betriebene „Heizschwammerl“ das größte Problem dar, aber auch die elektrische Alternative, die mit dem österreichischen Strommix betrieben wird, schneidet nur unwesentlich besser ab. Für dieses Rechenbeispiel ergibt sich eine Gesamtmenge von 25 Tonnen CO2-Äquivalent allein für die Energie (Emissionsfaktor 0,219 kg/kWh laut Umweltbundesamt für 2021). Noch nicht berücksichtigt sind hier Emissionen aus der Produktion der Strahler oder deren Entsorgung. Wohlgemerkt variiert der Strommix stark zwischen Winter und Sommer, weshalb die tatsächlichen Emissionen mit Sicherheit noch höher sind. Selbst mit einer Versorgung durch ausschließlich „grünen Strom“ würden weiterhin 1.613 Kilogramm CO2-Äquivalent für die Erwärmung der Außenluft ausgestoßen werden.

Daher lautet unsere Empfehlung für einen gemütlichen Abend im Freien: eine Decke und wärmender Glühwein statt Heizstrahler und ein eisgekühltes Getränk. Genauso wie früher.

Tipp:

Mehr zum Thema nachhaltige Energie und Wärme sowie deren Umweltauswirkungen erfahren Sie in unserem Bachelorstudium Energie-, Mobilitäts- und Umweltmanagement oder in der Vertiefung Energy Technologies.