„Frauen werden oft unterschätzt, das ist unser Vorteil.” – Eindrücke vom 24. Journalistinnenkongress 9
Am 9. November 2022 fand der Journalistinnenkongress in Wien statt. Foto: Marie Valerie Voithofer

„Frauen werden oft unterschätzt, das ist unser Vorteil” – Eindrücke vom 24. Journalistinnenkongress

Verena Kolm,

Verena Kolm, Mitarbeiterin am Institut Journalismus und Digitale Medien, besuchte den Journalistinnenkongress am 9. November 2022 in Wien. Seit über zwei Jahrzehnten vernetzt der JoKo Medienfrauen und lädt zu Diskussionen und Workshops.

Durch eine Kooperation konnten auch heuer wieder Studentinnen aus allen Jahrgängen des Studiengangs „Journalismus und Public Relations (PR)“ an diesem Kongress teilnehmen, Kontakte knüpfen und sich hilfreiche Tipps von erfahrenen Medienfrauen holen.

„Wenn die Medien als vierte Gewalt ins Rutschen geraten, gerät die Demokratie ins Rutschen. Umso wichtiger ist kritischer Journalismus, der sich nicht anbiedert, sondern keine Scheu vor tiefgehenden Recherchen und unbequemen Wahrheiten hat. Das erfordert Rückgrat und Ressourcen.“ Eva Linsinger, Medienlöwin 2021, war Inspiration für den diesjährigen Journalistinnenkongress mit dem Titel „Verlottern? Verteufeln? Verhungern? Qualitätsjournalismus unter Druck!“.

Während der Keynotes wurden zuerst die Gefährdung der Demokratie durch das Verkommen des Qualitätsjournalismus sowie SLAPP (Strategic Lawsuits Against Public Participation) diskutiert. Laut Maria Pernegger (mediaaffairs) „gab es noch nie eine so eine große Diffamierungsfreude entgegen den Medien“. Daniela Kraus (Presseclub Concordia) erwartet sich ein „Bewusstsein auf der individuellen Ebene, vor allem aber Strukturen auf politischer und Organistationsebene. Stärken Sie sich gegenseitig den Rücken, sehen Sie die Statuten nicht als Hürden, sondern als Luxus. Studieren Sie die Richtlinien und handeln Sie danach.“ Karoline Edtstadler (Bundesministerin für EU und Verfassung) beobachtet, „dass in meinem Team Frauen wesentlich stärker hinterfragen als die Männer, aber was Vernetzung betrifft noch einiges lernen können.“

Zur Diskussion unter dem Titel „Wieviel Wahrheit ist den Menschen zumutbar?“ wurden Miriam Beller, Rosa Lyon (ORF), Ursula Meissner (freie Kriegsjournalistin, Uni Trier) sowie Magdalena Punz (Puls4) geladen und von Martina Madner (Wiener Zeitung) moderiert. Ursula Meissner berichtet von ihrer Erfahrung, dass „es meistens vor Ort anders ist und man reagieren muss. Wir Frauen werden meist unterschätzt, inbesondere in der Kriegsberichterstattung ist das oft von Vorteil. Danach braucht es oft Wochen bis man wieder normal wird. Mit dem Alter wird das Verdrängen und Funktionieren schwieriger und dauert immer länger.“

Journalistische Einflüsse auf Gender-Vielfalt in österreichischen Medien präsentierte daraufhin Andreas A. Riedl (Österreichische Akademie der Wissenschaften) im Rahmen der Ergebnisse der Studie „A long way to go“. Aus dieser geht unter anderem ein positiver Zusammenhang zwischen dem Gender von Journalist:innen und der Repräsentation von Frauen hervor. Der Nachmittag begann mit den Breakout-Sessions, im Rahmen derer man sich für eine von drei Diskussionen entscheiden konnte. Die Themen waren diesmal „New Work“, „Medien verstehen – an Bord bleiben“ sowie „Der Krieg der Gender-Sterne – ja immer noch…“.

Unter den Vortragenden bei „New Work“ war neben Lena-Marie Glaser (basicallyinnovative) Veronika Pelikan (wechselweise.net) und Sarah Wagner (forum journalismus und medien) auch die „Journalismus und Public Relations (PR)“-Absolventin Sandra Gloning (Wienerin, 30 unter 30). Gemeinsam mit dem Publikum wurde der aktuelle Wandel in der Arbeitswelt als Chance diskutiert, positive und negative Beispiele genannt und man war sich schnell einig, dass man den Nachwuchs mit neuen innovativen Strukturen für sich gewinnen muss.

Nach den Breakout-Sessions fand der Kongress in den „Living News“ seinen inhaltlichen Ausklang. Auf zwölf runden Tischen stellten sich folgende Frauen den Fragen von Jungjournalistinnen und anderen Teilnehmer:innen:

  • Susanne Dickstein (OÖ Nachrichten),
  • Euke Frank (Woman),
  • Gundula Geiginger (Puls24),
  • Dagmar Lang (Manstein Verlag),
  • Mari Lang (ORF),
  • Eva Linsinger (Profil),
  • Lou Lorenz-Dittlbacher (ORF),
  • Susanne Schnabl-Wunderlich (ORF),
  • Clarissa Stadler (ORF),
  • Barbara Stöckl (ORF),
  • Simone Stribl (ORF),
  • Hannelore Veit (Autorin) sowie
  • Alina Zellhofer (ORF).

Die Wahl war nicht leicht, denn man konnte insgesamt nur an drei Diskussionen teilnehmen. Wie jedes Jahr wurden die Gespräche von den YoungStars moderiert, was einen spannenden Austausch zwischen geballter Erfahrung und jungen Sichtweisen ermöglichte.