„Ich möchte Teenagerinnen für die Technik begeistern“ 1
Im Rahmen des Forschungsprojekts zum Thema Mentoring programmiert Bernadette Spieler mit Schülerinnen und Schülern der 5c des Akademischen Gymnasiums Spiele. © Akademisches Gymnasium / Magdalena Mader

„Ich möchte Teenagerinnen für die Technik begeistern“

Niklas Sieger,

Ein Bachelor- und Masterstudium an der FH JOANNEUM absolvieren und danach das Doktorat an der TU Graz machen? In der Regel nichts Außergewöhnliches. Die akademische Ausbildung von Bernadette Spieler hat jedoch einen besonderen Charakter.

Bernadette Spieler hat einen speziellen Werdegang hinter sich. Nach Abschluss des Bachelorstudiengangs „Informationsmanagement“ der FH JOANNEUM wechselte sie das Institut und besuchte den Masterstudiengang „eHealth“ unserer Hochschule. Daran anschließend legte sie das Doktoratsstudium der technischen Wissenschaften in Informatik an der Technischen Universität Graz ab. Dort arbeitet sie nun am Institut für Softwaretechnologie. Wir haben mit ihr über ihre akademische Laufbahn, ihr Berufsfeld und ihre Ambitionen für die Zukunft gesprochen.

FH JOANNEUM: Der Bachelorstudiengang „Informationsmanagement“ wird am Institut Informationsmanagement angeboten, der Masterstudiengang „eHealth“ am Institut eHealth. Mit welchen Herausforderungen waren Sie beim Institutswechsel konfrontiert?

Bernadette Spieler: Ich habe mich im Zuge meiner Bachelorarbeit bereits mit Computerunterstützter Therapie beschäftigt und hier ein Therapiespiel für Kinder mit ADHS entwickelt. Der Bereich eHealth hat mich immer schon sehr interessiert und ich wollte mir auch den theoretischen Hintergrund aneignen. Der Umstieg war im Grunde nicht sehr schwer und es war gut möglich, essentielle Fächer aus dem Bachelorstudiengang „Gesundheitsinformatik / eHealth“ innerhalb der ersten beiden Semester nachzuholen, etwa Anatomie oder Medizintechnik.

FH JOANNEUM: Sie haben nach Ihrem Masterabschluss noch das Doktoratsstudium der technischen Wissenschaften in Informatik an der TU Graz gemacht. Wie haben Sie den Wechsel von der FH JOANNEUM an die TU Graz empfunden?

Bernadette Spieler: Ich gebe zu, anfangs war es für mich sehr schwierig. Fächer musste ich keine nachholen, jedoch war es eine große Herausforderung, das richtige Thema für mich zu finden. Ich habe mir Bereiche gesucht, welche interessant sein könnten und hatte mehrere Gespräche mit Professorinnen und Professoren, unter anderem am Institut für Medical Engineering oder am Institut für Informationssysteme und Computer Medien. Die Hauptfrage war jedoch, wie diese Bereiche zu meinem weiteren beruflichen Werdegang passen könnten. Da ich mich in meiner ersten Bachelorarbeit auch mit der visuellen Programmiersprache Scratch beschäftigt habe, passte die Projektstelle in einem Europäischen H2020-Projekt zu einem ähnlichen Thema am Institut für Softwaretechnologie perfekt zu meiner Vision. Mein Ziel war es, Kindern und Jugendlichen zu helfen und sie für die Herausforderungen der weitreichend digitalen Zukunft zu stärken. Schweren Herzens musste ich mich deshalb gegen eine weitere Vertiefung im Bereich eHealth entschieden und für den Bereich Softwaretechnologie. Ziel des Projekts war es herauszufinden, wie Kinder und hier vor allem Mädchen spielerisch für die Programmierung begeistert werden können.

FH JOANNEUM: War Ihnen Ihr Werdegang schon zu Beginn Ihrer akademischen Laufbahn an unserer Hochschule klar?

Bernadette Spieler: Nein. Der Wunsch, danach ein Doktoratsstudium anzuschließen, kam erst im Masterstudium auf. Wissenschaftlich zu arbeiten, sowie die Entwicklung von neuen Technologien sind für mich äußerst spannende Herausforderungen und ich gebe auch gerne mein Wissen an zukünftige Studierende weiter.

FH JOANNEUM: In welchem Berufsfeld sind Sie momentan genau tätig?

Bernadette Spieler: Als Universitätsassistentin am Institut für Softwaretechnologie arbeite ich in diversen Projekten sehr eng mit Schulen, Lehrerinnen und Lehrern sowie Teenagerinnen und Teenagern zusammen, leite unser Studierenden-Android-Entwicklerteam der App Pocket Code, führe Vorlesungen vor allem zu Grundlagen der Informatik durch und forsche im Bereich Mobile Gaming, Educational Games/Game Design, Agile Development, SW-Development, Computer Science Education, Girls and Coding und Frauen in der Technik. Dafür absolvierte ich 2018 eine zusätzliche Ausbildung zur Genderexpertin.

Bernadette Spieler schätzt die Projekte mit Kindern und Jugendlichen in der Informatik-Didaktik. © Ulf Thausing Photograph

FH JOANNEUM: Welche Ambitionen haben Sie für Ihre berufliche Zukunft?

Bernadette Spieler: Gerne würde ich meine Forschung in Richtung Informatik-Didaktik vertiefen. Ich möchte hier vor allem junge Frauen bestärken und ihnen neue Wege in der Technik aufzeigen sowie einen spielerischen Ansatz in die Welt der Programmierung vermitteln.

FH JOANNEUM: Welche Vorteile bietet ein Studium an der FH JOANNEUM aus Ihrer Sicht?

Bernadette Spieler: Das Arbeiten und die Übungen in Kleingruppen sowie ein umfassendes Wissen über einen breiten Themenbereich sind sehr von Vorteil. Natürlich auch das praxisorientierte Arbeiten und der Zusammenhalt im Jahrgang sind auf der FH JOANNEUM meiner Meinung nach stärker gegeben.

FH JOANNEUM: Junge Menschen für technische Ausbildungsmöglichkeiten zu begeistern ist eine wichtige Aufgabe der FH JOANNEUM. Was fasziniert Sie an der Technik?

Bernadette Spieler: Ich sehe es auch als meine Aufgabe, vor allem Teenagerinnen für die Technik zu begeistern. Ich glaube, dass ich viel Glück hatte, denn ich hatte nicht nur den Rückhalt aus der Familie, sondern auch eine motivierte Informatiklehrerin, sprich von Anfang an eine positive Einstellung zur Technik. Und ich glaube, dass vor allem junge Frauen oft sehr unsicher sind, ob sie in diesen doch noch sehr männerdominierten Bereich passen. Ich möchte meine Begeisterung weitergeben und zeigen, wie einfach es sein kann, selbst etwas zu entwickeln, seine eigenen Ideen zu verwirklichen und dass Programmieren nicht schwer sein muss. Dazu biete ich etwa Girls Coding Weeks im Sommer sowie andere Aktivitäten auf der TU Graz an.

FH JOANNEUM: Das Institut Informationsmanagement feierte vor kurzem sein 20-jähriges Jubiläum. Die IT-Branche ist ein Berufsfeld, in dem sich Arbeits- und Forschungsfelder laufend verändern. Welcher Aspekt aus Ihrem Bachelorstudium war für Sie besonders interessant?

Bernadette Spieler: Vor allem der Bereich Digitale Medientechnologien hat mich sehr interessiert. Für mich war es immer sehr wichtig, etwas Sinnvolles zu entwickeln und die Einbindung in diverse Projekte sowie das Praktikum kam mir sehr entgegen.

FH JOANNEUM: Welche (Praxis-)Projekte durften Sie im Master bei eHealth umsetzen und inwiefern haben Sie für Ihr anschließendes Doktorat an der TU Graz und Ihren heutigen Job davon profitiert?

Bernadette Spieler: Zum einen habe ich im Master meine ersten eigenen Apps erstellt und zum anderen eine Webanwendung für die Befundeingabe für Physiotherapie entwickelt. Sehr hilfreich waren für mich die Inhalte von „Wissensbasierte Systeme“ im 3. Semester oder „Biometrie & Epidemiologie (Durchführung von wissenschaftlichen Studien)“ im 2. Semester, aber auch diverse Soft Skills wie Englisch in allen Semestern.

Tipp:

Weitere Infos zu den Projekten von Bernadette Spieler finden Sie auf ihrer Homepage.