Was lernt man bei der Hochschuldidaktischen Weiterbildung? 6
FH JOANNEUM / Jutta Pauschenwein

Was lernt man bei der Hochschuldidaktischen Weiterbildung?

Jutta Pauschenwein,

Hochschuldidaktische Weiterbildung – kurz: HDW – ist ein zweisemestriger Lehrgang den Vortragende der FH JOANNEUM besuchen. Sie bekommen geeignete Kommunikationsmittel für ihre Lehre vermittelt. Das Ziel: Inhalte sollen für alle verständlich kommuniziert werden. Wie das aussehen kann, zeigen die TeilnehmerInnen, die den Lehrgang Ende Jänner abgeschlossen haben.

Neue Begriffe greifbar machen
Karin Gebhardt („Gesundheitsmanagement im Tourismus“), Robert Mischak („eHealth“) und Martin Schaffar („Management internationaler Geschäftsprozesse“) eröffnen bei der Abschlussveranstaltung am 31. Jänner 2017 die Reihe der Präsentationen zum Thema Spiralkonzepte und die Umsetzung in drei verschiedenen Curricula.

Mit Spiralnudeln und bunten Lutschern versuchten die Lehrenden das Thema Spiralcurriculum nachhaltig in unseren Köpfen zu verankern. Die Idee hinter dem Spiralcurriculum besteht darin, eine Kompetenz über Semester hinweg aufzubauen. Anfangs geht es um das Niveau des Kennens und Verstehens, später um das Anwenden und schließlich um das Analysieren.

Karin Gebhardt macht das Thema Spiralcurriculum greifbar. (Foto: FH JOANNEUM / Jutta Pauschenwein)

Der Unterricht steht Kopf

Im Beitrag zu English for Specific Purposes von Monika Altenreiter („Soziale Arbeit“) und Anita Töchterle („eHealth") stand das „Flipped Classroom Modell“ im Mittelpunkt. Dabei wird das herkömmliche Unterrichtsszenarium auf den Kopf gestellt: Die Studierenden schlüpfen in die Rolle von Lehrenden, arbeiten autonom und selbstverantwortlich. Sie lernen durch das Lehren beziehungsweise durch die Inputs ihrer Kolleginnen und Kollegen aus dem Studiengang. Die Lehrenden bereiten vor und nach und begleiten die Studierenden in ihrem Prozess.

Veranschaulichung des Flipped Classroom Modells. (FH JOANNEUM / Jutta Pauschenwein)

Der dritte Beitrag umfasst das Thema Videos in der Hochschullehre. Alexander Nischelwitzer („Informationsmanagement“), Christof Sumereder („Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement“) und Lisa Zimmermann („Informationsmanagement“) fragen die ZuhörerInnen zuerst nach ihren Ideen zum Einsatz von Videos in der Lehre, bevor sie ganz unterschiedliche Szenarien aus dem eigenen Lernkontext präsentieren. Im Rahmen eines „Flipped Classroom“-Ansatzes können öffentlich verfügbare Videos Teil des vorbereitenden Lernprozesses sein. Videos können auch abwechselnd zum klassischen Vortrag mit Tafel und Kreide eingesetzt werden und so eine neue Perspektive schaffen. Geht es um das Training von Präsentationskompetenzen, spielen Videos wieder eine ganz andere Rolle.

Sokrates steckt in uns allen

Martina Feldner („Hebammen“), abgestimmt mit Andreas Jocham („Physiotherapie“), präsentierte das Thema problemorientiertes Lernen im Unterricht. Ausgehend von der Mäeutik (Hebammenkunst) zitierte sie dabei Sokrates. Er lernte von seiner Mutter, einer Hebamme (maia), dass das Wesentliche bereits in den Lernenden steckt und durch unterschiedliche Methoden – beispielsweise der „Siebensprungmethode“ – und kluge Fragen aus ihnen herausgeholt werden kann. Ein problemorientierter Ansatz mit den passenden Fragen ist gut geeignet, um die Wissensgenerierung im Kontext zu fördern. Martina Feldner nutzt auch die Methode der „wachsenden Plakate“, eine Vorgangsweise, die sie sich vom Hochschuldidaktiker und Experten des zweiten Semesters der HDW, Stefan Braun, abgeschaut hat.

Die Siebensprungmethode - Schritt für Schritt. (FH JOANNEUM / Jutta Pauschenwein)

Hochschuldidaktik und Technik kombinieren - geht das?

Einer besonderen Herausforderung sahen sich Thomas Radeke („Informationsdesign“) und Peter Seifter („eHealth“) gegenüber, die Hochschuldidaktik und Technik kombinieren möchten. Gerade die kurze Halbwertszeit von Wissen in der IT lässt die Frage nach Erfolg in der Lehre besonders brisant erscheinen. Die beiden Kollegen schlossen mit der Bemerkung, dass ein aktivierender Unterricht nicht nur die Studierendenzufriedenheit erhöht, sondern auch den Lehrenden guttut.

HDW09-Gruppe bei der feierlichen Abschlussveranstaltung. (FH JOANNEUM)

Das ZML ist während der HDW für den E-Learning Teil zuständig. Eine Aufgabe der E-Moderatorinnen ist die Reflexion und Dokumentation der Lernprozesse. Eine solche Dokumentation ist auch dieser Beitrag.