Die Studierenden besuchten Camp Butmir in Bosnien.

Zwischen Beton und Stacheldraht: Kommunikation beim Militär

Sara Griesbacher, Lisa Mayrhofer & Pia Unger,

Unsere Studierenden von „Journalismus und Public Relations (PR)“, Jahrgang 2013, waren am Balkan unterwegs und berichteten darüber. Die besten Artikel veröffentlichen wir auch hier auf unserem Blog. Heute: Sara Griesbacher, Lisa Mayrhofer und Pia Unger über Camp Butmir in Bosnien.

Vier Schranken, geschützt durch meterhohe Betonwände heißen uns willkommen. Eine rot durchgestrichene Kamera sticht aus der Reihe der Verbotsschilder hervor. Der Stacheldraht mindert die flauen Gefühle im Magen nicht im Geringsten, als wir auf das Camp Butmir zusteuern. Ungarische Soldaten nehmen unsere Reisepässe ab — zurück bekommen wir sie vorerst nicht.

Das Camp Butmir ist der Stützpunkt der EUFOR-Operation Althea in Bosnien. Seit 2004 sind rund 600 Soldaten, davon 200 Österreicher, hier stationiert. Ihre Mission: für Stabilität sorgen, die bosnische Armee in der Ausbildung ihrer Soldaten unterstützen und die Einhaltung des Dayton-Abkommens überprüfen.

Oberstleutnant Knut Scheutz, der Leiter des Public Affairs Teams, zeigt uns vom Auto aus das Gelände. Die Größe ist von außen kaum auszumachen. “Wenn ich in der Früh laufen gehe, sind das mindestens 4 km am Zaun entlang”, erzählt Scheutz. Wir passieren die Wäscherei und einige Läden. Im Frisör brennt noch Licht. Rot-weiß-roten Farben begegnen wir erstmal, als Scheutz auf die Ö-Bar deutet. „Daneben sind gleich die Iren mit ihrer Bar. Was das Feiern betrifft, gibt es allerdings strenge Vorschriften.“ Militärpolizei, Feuerwehr und Unterkünfte — eine eigene kleine Stadt am Rande vom Sarajevo.

Oberstleutnant Knut Scheutz ist der Leiter des Public Affairs Teams.
Foto: © JPR13
Oberstleutnant Knut Scheutz ist der Leiter des Public Affairs Teams.

Im Herzen des Camps befindet sich das Hauptquartier. Die Fahnen der beteiligten EUFOR- und NATO-Staaten wehen im Wind. Wieder kontrollieren uns ungarische Soldaten. Die Handys geben wir ab — Abhörgefahr. Sowohl die NATO-Kommandozentrale als auch das Büro des EUFOR-Kommandanten befinden sich in diesem Gebäude. Letzteren, Generalmajor Johann Luif, treffen wir beim Empfang. „Da wird ja Deutsch geredet!“ Grinsend schüttelt er unsere Hände. Luif ist, neben dem Sprecher von EUFOR, der Einzige, der nach außen kommunizieren darf. Sämtliche Kommunikationsmaßnahmen werden von ihm abgesegnet und auf ihre Richtigkeit überprüft.

Die Arbeit der Public Affairs Abteilung reicht über die tägliche Medienanalyse und das Bearbeiten von Journalistenanfragen hinaus. Rein auf die Arbeit der Journalisten darf man sich in Bosnien nicht verlassen. Umso wichtiger ist daher die Produktion von eigenem Content. Das neunköpfige Team, unter anderem bestehend aus einem Fotografen und einem Videospezialisten, plant jährlich drei Kampagnen. Für diese steht ihnen ein Budget von 300.000 bis 600.000 Euro zur Verfügung. Die Kampagnen basieren auf Meinungsumfragen, die die Abteilung eigens durchführt. Eine der erfolgsträchtigsten Kampagnen der Abteilung war „School Football Competition“ im Jahr 2009, deren Gewinnerteams ins Wembley-Stadion nach London eingeladen wurden. Der Sport verbindet die drei vorherrschenden ethnischen Gruppen in Bosnien und Herzegowina.

Die ethnischen Spannungen spiegeln sich auch in den Medien wider. Es existieren eigene Zeitungen der jeweiligen Ethnien, die auf Aktionen von EUFOR unterschiedlich reagieren. Die Resonanz auf die Pressearbeit fällt unterschiedlich aus. Zudem muss Acht gegeben werden, keine Gruppe unbeabsichtigt zu vernachlässigen oder zu beleidigen. Ein Kindergarten darf nicht im Gebiet der Bosniaken gebaut werden, wenn die Serben und Kroaten nicht ebenfalls ein Gebäude erhalten — denn so würde Unmut geschürt.

Neben Werbung in Zeitung und TV setzt das Team vermehrt auf Social Media. Die Facebookpage hat seit 2008 mittlerweile über 26.000 Likes erhalten. Die Mehrheit der bosnischen Bevölkerung informiert sich allerdings durch das Fernsehen, denn die Tageszeitungen sind mit durchschnittlich 70 Cent verhältnismäßig teuer.

“Ich wollte nie einen Beruf, bei dem ich immer sitze”, erzählt uns Scheutz. Trotzdem sei die Arbeit hier sein absoluter Traumjob, für den er sich seit 2005 immer wieder freiwillig gemeldet hat. „Ich kann jeden Tag laufen gehen. Und wenn die Kinder erwachsen sind, ist es kein Problem, so lange von daheim wegzubleiben.“ Ob das Mandat, und somit die Operation Althea verlängert wird, beschließt die EU Anfang November.

Weitere Texte über die Balkan-Exkursion der Studierenden sind hier zu finden.