Porträt

Anna Schrempf

Anna Schrempf absolvierte ein Praktikum im Walkabout, einer Therapiestation für Drogenkranke der Barmherzigen Brüder und berichtet von ihren Eindrücken.

 

Jobbeschreibung: Gesundheits- und Krankenpflegeperson
Institution: Barmherzige Brüder
Ort: Graz-Kainbach

Was ich machte

In meinem Praktikum auf Walkabout, einer Therapiestation für Drogenkranke, bekam ich einen Einblick in die psychiatrischen Tätigkeiten einer Gesundheits- und Krankenpflegeperson. Mein Arbeitstag begann mit einer Dienstübergabe an alle Berufsgruppen (Ärzte, Psychotherapeutinnen, Psychologen, Pädagoginnen, Pflegepersonal …), gefolgt von unterschiedlichen Tätigkeiten. Am Vormittag durfte ich mit dem Arzt die Visite begleiten, in der Patientinnen und Patienten über ihr Befinden beziehungsweise über eventuelle Nebenwirkungen der Entzugstherapie berichten. Weitere Tätigkeiten waren die Medikamentenausgabe sowie die Unterstützung bei einer Aufnahme wie körperliche Untersuchung und Pflegeplanung.

Schwerpunkte der Tätigkeiten lagen aber in der Beratung und Begleitung der Patientinnen und Patienten. So hatte ich die Möglichkeit, Gespräche zu führen oder verschiedene Beschäftigungen anzubieten.

Warum mir mein Praktikum Spaß machte

Besonders gefiel mir der häufige und intensive Kontakt zu den Patientinnen und Patienten. Im Vergleich zum Akutbereich hatte ich hier die Möglichkeit, mich mit der Patientin oder dem Patienten zu beschäftigen. Ziel war es, eine tragfähige Beziehung aufzubauen, da dies Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit ist. Es geht darum, die Patientinnen und Patienten in ihrer Persönlichkeit zu stabilisieren und zu stärken, individuelle Ziele und Strategien zu erarbeiten, Krankheitseinsicht und Krankheitsverständnis zu fördern sowie die Motivation zu stärken. Und genau das war es, was mir so viel Spaß machte.

Ich hatte viel Zeit, mich mit den Patientinnen und Patienten auseinanderzusetzen und so Einblicke in ihre Biografien, Problemstellungen sowie Ressourcen zu gewinnen. Möglich wurde dies durch viele Gespräche, aber auch durch verschiedene kreative bzw. sportliche Tätigkeiten, wie zum Beispiel Karten spielen, Tischtennis spielen, Schach, … Nicht nur die Arbeit mit den Patientinnen und Patienten machte mir wahnsinnig Spaß, sondern dank des gesamten Teams wurde dies zu einem tollen Praktikum. Viele verschiedene Berufsgruppen arbeiten eng miteinander zusammen, die sich gegenseitig respektieren und wertschätzen. Ich wurde freundlich aufgenommen und in meinem Lernprozess unterstützt.

Das habe ich gelernt

Im Laufe des Praktikums lernte ich einerseits viel über den Krankheitscharakter der Sucht sowie deren Ausprägungsformen, andererseits über den Umgang mit Suchtpatientinnen und Suchtpatienten. Außerdem lernte ich über die Wirkungsweise verschiedenster Drogen und in weiterer Folge über die Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten. Im Laufe des Praktikums wurde mir auch bewusst, dass der Ausstieg aus einer Abhängigkeit ein langwieriger Prozess ist, der nicht mit dem körperlichen Entzug beendet ist. Vielmehr bedarf es an einer Neustrukturierung des Alltags, einer intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst und viel Unterstützung anderer.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse, die ich während meines Praktikums machte, ist, dass im Vergleich zum Akutbereich der Fokus im psychiatrischen Bereich auf dem Aufbau und der Gestaltung einer tragfähigen Beziehung liegt. Es geht darum, die Patientin oder den Patienten zu begleiten, zu unterstützen und seine oder ihre Fähigkeiten zu fördern, damit sie oder er die momentane Lebenssituation bewältigen kann.

Mein schönstes Erlebnis

Mein schönstes Erlebnis waren intensive Gespräche mit Patientinnen und Patienten, die mir in Erinnerung geblieben sind. Mit der Zeit konnte ich zu einigen eine Beziehung aufbauen und gewann so ihr Vertrauen. Ich war teilweise überwältigt von dem Vertrauen und der Offenheit, die sie mir entgegenbrachten.

Das möchte ich in Zukunft tun

In meinem zukünftigen Arbeitsplatz möchte ich das Gelernte aus der Ausbildung und meine Erfahrungen aus den verschiedensten Praktika in die Praxis umsetzen und so den Patientinnen und Patienten die bestmögliche Pflege anbieten.