{"id":10000471,"date":"2017-04-12T09:05:09","date_gmt":"2017-04-12T07:05:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.fh-joanneum.at\/industrial-design\/bachelor\/?page_id=471"},"modified":"2023-02-07T10:08:48","modified_gmt":"2023-02-07T08:08:48","slug":"lukas-wagner","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.fh-joanneum.at\/industrial-design\/bachelor\/im-studium\/auslandssemester\/lukas-wagner\/","title":{"rendered":"Lukas Wagner"},"content":{"rendered":"<div id=\"\" class=\"wp-block-text-content margin-bottom-normal\">\n    <div class=\"container-lg\">\n        <div class=\"row\">\n            <div class=\"col\">\n                <h4>Intro<\/h4>\n<p>Schweden &ndash; dabei denkt man an endlose W&auml;lder, kleine rote H&auml;uschen an tausend Seen, blonde Menschen, sch&ouml;ne Frauen und eine vorbildliche und fortschrittliche Zivilgesellschaft. Bevor ich dieses Land besuchte und f&uuml;r einige Monate dort lebte, hatte ich ein &auml;hnliches Bild im Kopf. Wie so oft sollten sich manche Klischees bewahrheiten und auch an atemberaubenden Momenten fehlte es nicht. Doch auf dem zweiten Blick bemerkte ich einiges, das sich hinter dem &bdquo;sauberen&ldquo; und korrekten Image verbirgt.<\/p>\n<h5>Wie alles begann<\/h5>\n<p>Ein Student aus Schweden absolvierte das vierte Semester an der FH JOANNEUM. Wir freundeten uns an und bald war mein Interesse geweckt, ein Semester an seiner Heimatuni zu studieren. Da das Ume&aring; Institute of Design (UID) zu diesem Zeitpunkt noch keine nicht schwedischsprachigen Studierenden ins Bachelor-Programm aufnahm, war es einem Studienkollegen und mir zun&auml;chst gar nicht m&ouml;glich, an einem Austausch teilzunehmen. Doch wir blieben hartn&auml;ckig und l&ouml;sten nicht zuletzt durch den Einsatz unserer internationalen Koordinatorin und durch den Umstand, dass die FH schwedische Studierende akzeptiert, einen Umdenkprozess aufseiten des UID aus. So reisten wir im J&auml;nner 2015 ab gegen Norden.<\/p>\n<h5>Die Stadt<\/h5>\n<p>Ume&aring; hat in etwa die Gr&ouml;&szlig;e von Klagenfurt und befindet sich in der n&ouml;rdlichen H&auml;lfte des skandinavischen K&ouml;nigreichs: rund sechs Stunden Autofahrt n&ouml;rdlich von Stockholm und ungef&auml;hr 200 Kilometer s&uuml;dlich des Polarkreises an der K&uuml;ste zur Ostsee gelegen. Die Stadt ist in mehrerlei Hinsicht interessant. Sie geh&ouml;rt einerseits traditionell zu einer Region, die auch von den Sami bewohnt wird, dem letzten indigenen nomadischen Volk Europas. Andererseits ist es eine ungeheuer schnell wachsende Universit&auml;tsstadt. <\/p>\n<p>Viele Studierenden sch&auml;tzen die Abgeschiedenheit der Stadt, welche es beg&uuml;nstigt, sich auf das Studium zu konzentrieren. Die Winter k&ouml;nnen allerdings sehr dunkel, lang und kalt werden. Temperaturen um die minus 20 Grad Celsius sind keine Seltenheit und am k&uuml;rzesten Tag scheint die Sonne nur um die Mittagszeit. Als Entsch&auml;digung daf&uuml;r sind manchmal &uuml;ber der Stadt Nordlichter zu beobachten und im Sommer ist es fast durchgehend hell &ndash; beides geniale Erlebnisse.<\/p>\n<h5>Die Uni<\/h5>\n<p>Das Institute of Design der Ume&aring; University befindet sich nicht am Hauptcampus, der quasi einen eigenen Stadtteil darstellt, sondern nahe am Stadtkern gelegenen Arts Campus. Das Institut hat weltweit einen hervorragenden Ruf und wird nicht selten als die beste Design-Ausbildungsst&auml;tte in Europa gehandelt. Die Zusammensetzung der Studierenden ist international und viele der Absolventinnen und Absolventen werden von namhaften amerikanischen Unternehmen abgeworben.<\/p>\n<p>Das Institut unterscheidet sich nicht nur in Gr&ouml;&szlig;e und Ausstattung vom &bdquo;Industrial Design&ldquo;-Institut in Graz, sondern auch hinsichtlich Arbeitsklima und Studienkultur. Dazu z&auml;hlen etwa intensive Recherche-Exkursionen, w&ouml;chentliche Morning-Briefings der Studiengangsleitung an das versammelte Institut, jeden Mittwoch internationale Vortragende, von Studierenden organisierte Workshops und eine w&ouml;chentlich erscheinende UID-Zeitung. Den rund 150 Designstudierenden stehen in einem eigenen Geb&auml;udekomplex mehrere Studios, Werkst&auml;tten und weitere R&auml;umlichkeiten zur Verf&uuml;gung. Bei den Ausbildungsinhalten und Projektthemen gibt es hingegen ungew&ouml;hnlich viele Parallelen zu unserem Studiengang. Und trotz der merklich geringeren Mittel hat sich auch &bdquo;Industrial Design&ldquo; in Graz international einen Namen gemacht.<\/p>\n<h4>Wohnen<\/h4>\n<p>Die Unterkunft in Ume&aring; organisierte das International Office. Es war eines der rund 600 f&uuml;r ausl&auml;ndische Studierende reservierten WG-Zimmer und lag im Stadtteil &Aring;lidhem. Besonderen Luxus darf man sich nicht erwarten, aber angesichts der angespannten Wohnungsmarktsituation in der Stadt, haben wir diesen Service der Universit&auml;t dankend angenommen. Die Wohnkosten sind in etwa durch das Erasmus-Stipendium abgedeckt. &Uuml;berdies sind noch Ausgaben f&uuml;r Nahrungsmittel und sonstige Vergn&uuml;gungen einzukalkulieren. Das allgemeine Preisniveau befindet sich ungef&auml;hr auf dem der Schweiz. Den Arts Campus erreicht man von &Aring;lidhem in 20 Minuten zu Fu&szlig; oder in 10 Minuten mit dem Rad. Die &ouml;ffentlichen Verkehrsmittel sind jedoch teuer.<\/p>\n<h5>Studienalltag<\/h5>\n<p>Wir erhielten einen eigens f&uuml;r uns zusammengestellten Stundenplan und verbrachten unsere Ausbildung abwechselnd mit dem dritten, dem ersten und letztlich &bdquo;unserem&ldquo; zweiten Jahrgang, da dieser in den Anfangsmonaten sein Praktikum absolvierte. Dadurch lernten wir viele unterschiedliche Studierende kennen. Es war allerdings der erste Versuch des UID, Austauschstudenten in das Bachelor-Programm einzubinden. Dies brachte mit sich, dass wir bei Weitem nicht so ma&szlig;geschneidert gefordert und ausgebildet wurden wie unsere Kolleginnen und Kollegen zur gleichen Zeit in Graz. Was wir allerdings stetig gegen einzigartige Erfahrungen im Ausland aufwiegen konnten. <\/p>\n<p>Die von uns bearbeiteten Projekte umfassten die Konzeptionierung innovativer Check-In-Systeme und ein Interaction-Design-Projekt f&uuml;r die schwedische Flughafengesellschaft Swedavia. Dar&uuml;ber hinaus erhielten wir Unterricht in 3-D-Konstruktion, Sketching und Rapid-Prototyping. Insgesamt war die Ausbildung sehr abwechslungsreich. Besonders hervorzuheben ist, dass man sich eine Zeit lang intensiv nur mit einem Thema besch&auml;ftigt, bevor der n&auml;chste Kurs beginnt. Im Gegensatz zu Graz, wo sich viele Kurse parallel &uuml;ber einen l&auml;ngeren Zeitraum erstrecken und viele Baustellen gleichzeitig offen sind. <\/p>\n<h5>Menschen<\/h5>\n<p>Schweden seien k&uuml;hl, so sagt man. Das kann ich best&auml;tigen. Wer wie ich mit K&auml;rntner Lockerheit und Schm&auml;h das Eis zu brechen versucht, wird von den meisten Schweden in etwa so aufgefasst, wie in unseren Breiten ein H&auml;nde fuchtelnder, sizilianischer Strandverk&auml;ufer. Zur&uuml;ckhaltung ist angesagt und sprechen, wenn etwas zu sagen ist. Abgesehen von diesen allgemeinen Erfahrungen gibt es nat&uuml;rlich auch &auml;u&szlig;erst offene und herzliche Gem&uuml;ter und &uuml;berdies viele ausl&auml;ndische Mitstudierende, mit ihren jeweiligen Eigen- und Besonderheiten. <\/p>\n<p>Durch die fr&uuml;he Anglisierung der schwedischen Sprache, beispielsweise durch ausl&auml;ndische Film- und Fernsehproduktionen mit lediglich schwedischen Untertiteln, und die permanent sp&uuml;rbare Amerikanisierung der Gesellschaft, ist die Bereitschaft der Bev&ouml;lkerung Englisch zu sprechen sehr hoch. Nach den Native Speaker sind die Schweden vermutlich die beste Englisch sprechende Nation weltweit. Ein Nachteil, wenn man Schwedisch lernen m&ouml;chte. <\/p>\n<h5>Nachtleben<\/h5>\n<p>Alkohol ist teuer. &Uuml;ber 3,5-prozentige Getr&auml;nke kann man nur bis Samstag am fr&uuml;hen Nachmittag im staatlichen Alkoholfachhandel kaufen. Rauchen ist in allen Innenr&auml;umen verboten, &bdquo;Snus&ldquo; daf&uuml;r legal und extrem verbreitet. F&uuml;r die Studierenden sind das Vortrinken vor dem Ausgehen und private Partys zentrale Bestandteile des Wochenendes. In Klubs muss man mit langen Warteschlangen, teuren Eintritten und umgerechnet sieben Euro aufw&auml;rts f&uuml;r ein kleines Bier rechnen. Ausgelassene Stimmung stellt sich ab einem hohen Alkoholisierungsgrad der eher zaghaften Schweden um circa 24:30 Uhr ein. Gegen 01:45 wird man von der allgegenw&auml;rtigen &bdquo;Ordningsvakt&ldquo; (=Ordnungswache) zum Holen der Jacke aufgefordert, da um zwei Uhr gesetzliche Sperrstunde ist.<\/p>\n<h5>Gesellschaft<\/h5>\n<p>Nach den goldenen Jahren des schwedischen Staates in den 1970ern ist das heutige Schweden von allen EU-L&auml;ndern vermutlich dasjenige, dessen gesellschaftliche Implosion am weitesten fortgeschritten ist. Zu erw&auml;hnen seien einerseits die regelm&auml;&szlig;ig brennenden Stadtteile Stockholms, andererseits die No-Go-Zonen in vielen St&auml;dten quer durchs Land, wo die Polizei die Kontrolle bereits den kriminellen und\/oder fundamentalistisch-religi&ouml;sen Gruppierungen &uuml;berlassen hat. <\/p>\n<h5>Fazit<\/h5>\n<p>Das Auslandssemester war eine ungeheuer wichtige Erfahrung f&uuml;r mich. Schweden ist ein wundersch&ouml;nes und auch freundliches Land, hat man erst einmal das Vertrauen der Einheimischen erlangt. Die M&ouml;glichkeit, sich praktisch ungest&ouml;rt in eine atemberaubende und schier endlose Naturlandschaft zur&uuml;ckziehen zu k&ouml;nnen, ist ein einzigartiges Erlebnis. <\/p>\n<p>Das Ume&aring; Institute of Design ist eine sehr professionelle Einrichtung und verdient ihre hohe Reputation. Dort zu studieren machte mir nicht nur Spa&szlig;, sondern machte mich auch ein bisschen stolz. <\/p>\n<p>Als politisch interessierten Beobachter treibt es mir allerdings die Tr&auml;nen in die Augen, wenn ich sehe wie dieses Land des Gender Mainstreaming und der Political Correctness mehr und mehr offen &bdquo;faschistische&ldquo; Z&uuml;ge annimmt. Diese Tendenz hat es zwar mit anderen EU-L&auml;ndern gemeinsam, es scheint jedoch, als sei uns Schweden in dieser Hinsicht noch eine Nasenl&auml;nge voraus. Trotz alledem rate ich Interessierten, dieses Land selbst zu erleben, vorher allerdings eine romantisch-verkl&auml;rende Sichtweise abzulegen.<\/p>\n\n            <\/div>\n        <\/div>\n            <\/div>\n<\/div>\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auslandssemester an der Ume\u00e5 University in Schweden. <\/p>\n","protected":false},"author":103,"featured_media":0,"parent":10000276,"menu_order":22,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"template-absolvent.blade.php","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"acf":[],"aioseo_notices":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fh-joanneum.at\/industrial-design\/bachelor\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10000471"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fh-joanneum.at\/industrial-design\/bachelor\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fh-joanneum.at\/industrial-design\/bachelor\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fh-joanneum.at\/industrial-design\/bachelor\/wp-json\/wp\/v2\/users\/103"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fh-joanneum.at\/industrial-design\/bachelor\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=10000471"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.fh-joanneum.at\/industrial-design\/bachelor\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10000471\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fh-joanneum.at\/industrial-design\/bachelor\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/10000276"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fh-joanneum.at\/industrial-design\/bachelor\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=10000471"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}