Preisverdächtiger Workshop
Authentische Einblicke in den Investigativjournalismus: Pulitzer-Preisträger David Barstow sprach über die Herausforderungen seines Berufs.
Dass der 46-jährige US-Amerikaner mit dem höchsten Journalismuspreis heuer bereits zum zweiten Mal ausgezeichnet wurde, merkt man ihm auf den ersten Blick nicht an – ganz im positiven Sinn. Denn Barstow steigt locker und ungekünstelt in seinen Workshop ein und signalisiert den aufmerksamen Zuhörern der Studiengänge „Journalismus und Public Relations (PR)“ und „Journalismus und Unternehmenskommunikation“, dass er trotz seiner Erfolge ein geerdeter Mensch geblieben ist.
Offen für alle Impulse und Fragen der Studierenden, berichtet der „New York Times“-Reporter authentisch von den Erfahrungen, die er in seiner bisherigen Journalistenkarriere gemacht hat. Eingebettet in spannende Erlebnisberichte und eine gehörige Portion Humor stellt er klar heraus, was investigativen Journalismus für ihn ausmacht. „Nimm dir Zeit, hetze dich nicht und versuche, so tief wie möglich in die Geschichte einzudringen.“ Mit einem Augenzwinkern verrät er, dass der bekannte Fernsehdetektiv „Columbo“ sein Vorbild sei, denn auch dieser nehme sich wie kein Anderer Zeit, um sich in einen Fall hineinzuversetzen. Außerdem müsse ein erfolgreicher Journalist ein passionierter Erzähler sein, der seine Geschichten, basierend auf wasserdichten Fakten, ebenso lesenswert wie glaubwürdig gestalten kann.
Bleibt neben dieser intensiven Arbeit überhaupt noch Zeit für ein Privatleben? Hier gibt der zweifache Familienvater zwar zu, dass der Journalismus ihn sehr vereinnahme, stellt aber im selben Atemzug klar, dass vor allem der Investigativjournalismus mehr eine Lebenseinstellung sei als ein Beruf. Entsprechend dieser Lebenseinstellung gibt Barstow den Studierenden zum Abschluss des Workshops einen zusammenfassenden Ratschlag mit auf ihren Weg in die journalistische Welt: „Sei Herr deines eigenen Universums.“ Nur so lasse sich sicherstellen, dass man wirklich hinter dem steht, was man mitteilen möchte und schreibt.
© Henric Wietheger