Direkt zum Inhalt wechseln
Porträt

Theresa Steiner, MA

Absolventin von Exhibition Design

Theresa Steiner ist Kuratorin am Institute of Science and Technology Austria (ISTA), wo sie wissenschaftliche Inhalte für unterschiedliche Zielgruppen zugänglich macht. Ihre besondere Stärke liegt in Neugier, Offenheit und empathischem Zuhören, was ihre kuratorische Arbeit prägt. Ihr spezielles Interesse gilt der Astrophysik.

🎓 Das habe ich studiert:

Mein Job: Kuratorin @ISTA (Institute of Science and Technology Austria)

© Nofrontiere

© Nofrontiere

© Nofrontiere

© Nofrontiere

© Julia Hendrysiak

© Creative Industries Styria

© Creative Industries Styria

An was arbeitest du aktuell? 

Wir arbeiten gerade an der ersten Ausstellung im neu eröffneten VISTA Science Experience Center in Klosterneuburg. Wenn ich an das letzte Jahr zurückdenke, war vor der Eröffnung wirklich alles dabei: Wir haben Firmen ausgewählt, mit denen wir zusammenarbeiten wollen, Künstler:innen und Designer:innen gesucht, die unsere Objekte im Raum übersetzen, mit Wissenschaftler:innen gesprochen und viele Interviews geführt – mit Fragen wie: Woran forschst du eigentlich? Kannst du mir das erklären, als wäre ich fünf Jahre alt? Es geht in meinem Job sehr viel darum, in den Dialog zu treten. Es ist unglaublich spannend, mit so vielen unterschiedlichen Menschen zu sprechen – mit Quantenphysiker:innen genauso wie mit Ameisenforscher:innen. Es ist ein wunderschöner und abwechslungsreicher Beruf, finde ich. Gleichzeitig gibt es aber auch viele projektmanagementlastige Aspekte: viele E-Mails schreiben, prüfen, ob die Grafiker:innen machen, was sie sollen, ob die Ausstellungsarchitektur an den richtigen Schnittstellen funktioniert und ob alles im Zeitplan ist.

Wie kann man sich deinen Arbeitsalltag vorstellen? 

Wir sind ein dreiköpfiges Kurator:innenteam – montags starten wir immer mit unserem Jour Fixe: Wir besprechen, was noch zu tun ist, wie der aktuelle Stand aussieht und stimmen unsere Inhalte sorgfältig mit den Wissenschaftler:innen im Team ab. Unser Ziel ist es, über Forschung zu sprechen, ohne sie trocken zu erklären. Wir wollen das Abstrakte greifbarer machen und Wissenschaft als Prozess vermitteln. Das ist uns sehr wichtig, denn Vertrauen in Wissenschaft entsteht vor allem dann, wenn man versteht: Wissenschaft ist temporär, sie bedeutet Fortschritt und Wandel. Genau das wollen wir in der Ausstellung deutlich zeigen.

Was ist dir bei einem Designprojekt wichtig? 

Zuerst gibt es natürlich immer eine Research-Phase: Man schaut, was es bereits gibt, was die Grundidee ist und ob das Briefing überhaupt Sinn ergibt – passt das zu dem, was die Auftraggeber:innen möchten? Klar ist – Ausstellungen kann man nicht allein machen. Ich glaube, das ist auch einer der Gründe, warum ich meine Arbeit so liebe: Teamarbeit ist für mich unglaublich bereichernd. Dieses Ping-Pong, der Austausch von unterschiedlichen Perspektiven mit Kolleg:innen und Kund:innen, verhindert, dass man in einen Tunnelblick verfällt. Oft bin ich selbst gar nicht die Zielgruppe dessen, was ich entwickle. Dann ist es umso wichtiger, die Reaktionen der anderen zu sehen: Versteht das Gegenüber, was ich gerade gestalte? Funktioniert es in der Realität so, wie ich es mir vorstelle? Das ist absolut essenziell für den Prozess.

Gibt es Tools oder Methoden, die sich sehr bewährt haben in deiner Praxis? 

Was sich für mich immer bewährt hat, ist das Arbeiten mit Prototypen – in welcher Form auch immer. Ob ich Dinge ausdrucke und an die Wand hänge, um zu prüfen, ob die Textgröße im Raum funktioniert, oder ob ich Modelle oder sogar ganze Wände baue: Wichtig ist für mich, die Entwürfe immer in den Raum zu holen. Ich frage mich dann: Funktioniert das, was ich gestalten möchte, tatsächlich im Raum? Funktioniert es für meine Zielgruppe? Dieses Vorgehen war bisher in jedem meiner Prozesse ein fester Bestandteil. Prototyping holt die Entwürfe von der theoretischen Ebene weg und macht Dinge auch für Nicht-Designer:innen greifbar.

Welche Fähigkeiten braucht man als Designer:in heute? 

Ich habe das Gefühl, es geht heute sehr stark um Kollaboration – das Bild vom einsamen Genie gehört der Vergangenheit an. Die Menschen wollen mehr im Team arbeiten, weil sie merken, wie viele neue Perspektiven dadurch entstehen und wie viel Wissen geteilt wird. Ausstellungsdesign funktioniert schlichtweg nicht ohne interdisziplinäres Arbeiten. Es gibt so viele unterschiedliche Bereiche, die zusammenkommen, und man muss akzeptieren, dass man nicht in allem Expert:in sein kann – dafür müsste man ein Genie sein. Man braucht Künstler:innen, Architekt:innen, Restaurator:innen, Grafiker:innen und wissenschaftliches Personal. Für mich ist Ausstellungsdesign der Inbegriff von interdisziplinärem Arbeiten.

Wie verlief dein Übergang vom Studium in die Berufswelt? 

Fließend, ich habe meine Masterarbeit geschrieben und parallel bei der CIS angefangen – damals für eine Ausstellung im Designmonat. Das war eine total angenehme Mischung aus Projektmanagement und kreativem Arbeiten. Danach bin ich nach Wien gezogen und nach einer kurzen Findungsphase war ich eine Zeit lang selbstständig, bis ich bei Nofrontiere gelandet bin. Das tolle am Arbeiten in dieser Agentur war, dass ich viele unterschiedliche Projekte begleiten konnte. Zum Beispiel habe ich eine Ausstellung für die ÖBB mitgestaltet, bei der ich auch inhaltlich stark mitentscheiden konnte. Das war mein erster Einstieg in die Welt des Kuratierens. Und ich hatte viel Glück: Die damalige Art Direction ging nach New York, und ich habe plötzlich ihre Position übernommen. Zwischen meiner Bewerbung und der Rolle als Art Direction lagen gerade einmal sechs Monate!

Was aus deinem Masterstudium ist dir bis heute im Gedächtnis geblieben? 

Insgesamt fand ich es extrem wichtig zu merken, dass ich ursprünglich aus einer Gestaltungs-Bubble komme – und genau deshalb waren diese Impulse aus Kultur und Kunst im Studium für mich unglaublich wertvoll. Besonders beeindruckt hat mich zum Beispiel die Tiefe, mit der jemand wie Erika Thümmel Materialwissenschaft vermittelte. Dieses Wissen vermittelt zu bekommen, war ein großes Privileg. Das Studium hat mir zudem sehr gute Anknüpfungspunkte für Jobs und ein starkes Netzwerk geschaffen. Als ich später nach Wien gegangen bin, habe ich gemerkt, wie viel schwerer es dort war, Anschluss zu finden. Dieses FH-Netzwerk, das Wissen, das Lernen über Storytelling im Raum und die Fähigkeit, andere Blickwinkel einzunehmen – das alles hat meine kreative Arbeitsweise geprägt. Auch die Freundschaften, die ich in dieser Zeit geschlossen habe, sind für mich sehr wertvoll. Ich habe außerdem gelernt, wie unterschiedliche Schnittstellen im Ausstellungsdesign funktionieren. Und neben der Fähigkeit, mit unterschiedlichsten Menschen in den Dialog zu treten, ist genau das für mich in meiner Arbeit heute das Wichtigste im Ausstellungsdesign.

Siehst du eine Zukunft in diesem Berufsfeld? 

Absolut – und zwar auf vielen Ebenen! Auf der einen Seite stehen Unternehmen und Museen, die um Aufmerksamkeit buhlen, sich immer wieder neu erfinden und klar definieren müssen, um nicht stehen zu bleiben. Auf der anderen Seite geht es um die interne Kommunikation: kleine Ausstellungen, Präsentationen im eigenen Haus. Ein gebrandetes Setting, das Menschen wirklich abholt, kann hier enorm viel bewirken. Wir haben zum Beispiel einmal einen Container für ein großes österreichisches Bauunternehmen gestaltet, der dann durch Berufsmessen getourt ist. Die große Frage war: Wie wirkst du als Unternehmen cool und authentisch, ohne aufgesetzt zu sein? Und genau darum geht es: Du musst im Ausstellungsdesign informieren und gleichzeitig fesseln. Dafür braucht es Geschichtenerzähler – und genau das ist mein Job!

Unsere Absolvent:innen

Du möchtest weitere Absolvent:innen der FH JOANNEUM kennenlernen, mehr über ihr Studium und ihren Berufsweg erfahren? Hier findest du alle Porträts.

This site is registered on wpml.org as a development site. Switch to a production site key to remove this banner.