Künstliche Intelligenz kann Arbeitsabläufe verändern, neue Ideen ermöglichen und digitale Systeme sicherer machen. Damit aus diesen Möglichkeiten ein echter Nutzen entsteht, braucht es Menschen, die KI verstehen, hinterfragen und verantwortungsvoll weiterentwickeln. Wie das gelingen kann, stand im Mittelpunkt des ersten AI Summit Styria, der am 22. und 23. Oktober an der FH JOANNEUM Kapfenberg stattfand. 150 Teilnehmende aus Wissenschaft, Wirtschaft und der Praxis nutzten die Konferenz, um aktuelle Entwicklungen zu diskutieren und neue Perspektiven für den Einsatz von KI zu gewinnen. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Willibald Ehrenhöfer, Landesrat für Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung, dem Kapfenberger Bürgermeister Matthäus Bachernegg sowie der Geschäftsführung der FH JOANNEUM, Corinna Engelhardt-Nowitzki und Martin Payer.
Von der technischen Möglichkeit zum konkreten Nutzen
Wie kommt KI aus der Forschung in die Anwendung? Und wie lässt sich sicherstellen, dass sie nicht nur technisch funktioniert, sondern tatsächlich einen Mehrwert schafft? Diese Fragen zogen sich durch das Programm. Die Vorträge reichten von neuen KI-Systemen und Sprachmodellen über die Auswirkungen auf Softwareentwicklung und Programmierung bis zur Sicherheit digitaler Infrastrukturen. Auch rechtliche und ethische Fragen spielten eine zentrale Rolle: Denn je stärker KI in unseren Alltag und in wichtige gesellschaftliche Bereiche eingreift, desto wichtiger werden klare Regeln, nachvollziehbare Entscheidungen und Sicherheitskonzepte. Internationale und österreichische Expert:innen brachten dazu ihre Perspektiven ein: Der österreichische KI-Experte Patrick Ratheiser zeigte, wie Unternehmen KI so einsetzen können, dass daraus messbare Ergebnisse entstehen. Elisabeth André, Informatikerin und Inhaberin des Lehrstuhls für Menschzentrierte Künstliche Intelligenz an der Universität Augsburg, widmete sich der Frage, wie die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine einfacher und natürlicher werden kann. Klaus M. Steinmaurer, Geschäftsführer der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR), rückte mit seiner Keynote „Macht und Kontrolle – Bestimmt KI in Zukunft ihre Regeln selbst?“ die Frage nach Verantwortung und Regulierung in den Mittelpunkt. Florian Brugger, Absolvent des Masterstudiums Data- und Information Science der FH JOANNEUM und Leiter des Bereichs KI, Business Intelligence, Automation und Softwareentwicklung bei der Raiffeisen-Landesbank Steiermark, zeigte, warum der Weg von einzelnen KI-Anwendungen hin zu KI-Systemen neue Möglichkeiten eröffnet – Unternehmen aber auch vor neue Herausforderungen stellt.
Studierende bringen ihre Forschung in die Praxis
Wie eng Forschung und Ausbildung miteinander verbunden sind, wurde auch abseits der Keynotes sichtbar. Studierende der FH JOANNEUM präsentierten wissenschaftliche Papers und Poster und brachten ihre Erkenntnisse in den Austausch mit der Fachwelt ein. Sie diskutierten ihre Arbeiten mit den Konferenzteilnehmer:innen, erhielten neue Impulse und machten sichtbar, dass sie nicht nur für die digitale Zukunft lernen, sondern bereits an ihr mitarbeiten. Genau darin liegt der Anspruch der FH JOANNEUM: Studierende sollen ihr Wissen auf reale Fragestellungen anwenden können. Am Institut Informatik und Künstliche Intelligenz setzen sie sich mit Technologien auseinander, die Unternehmen verändern, neue Lösungen ermöglichen und zugleich hohe Anforderungen an Sicherheit und Verantwortung stellen. Die Verbindung aus wissenschaftlicher Auseinandersetzung, praxisnaher Ausbildung und direktem Austausch mit der Fachwelt schafft dafür wichtige Voraussetzungen.
Der AI Summit Styria wurde von der Raiffeisen-Landesbank Steiermark und der KNAPP AG unterstützt und fand im Rahmen des COIN-Projekts RADIUS (Research in Artificial Intelligence for Development, Innovation and Upgraded Security) statt. Das Forschungsvorhaben verfolgt das Ziel, neue Erkenntnisse zu Generativer KI und Large Language Models in konkrete Anwendungen für Softwareentwicklung und IT-Sicherheit zu überführen.
Statements
Willibald Ehrenhöfer, Landesrat für Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung: „Das Thema Künstliche Intelligenz ist ein wesentlicher Bestandteil der digitalen Transformation. Wir müssen uns damit ehrlich und transparent auseinandersetzen, denn nur dann sind wir in der Lage, die Chancen zu nutzen und die Risiken zu kennen. Veranstaltungen wie der AI Summit der FH JOANNEUM leisten dazu einen bedeutenden Beitrag.“
Matthäus Bachernegg, Bürgermeister Stadt Kapfenberg: „Die FH JOANNEUM ist für Kapfenberg ganz wichtig. Der AI Summit bringt Menschen zusammen, die sich mit der Zukunft der künstlichen Intelligenz beschäftigen. Genau diesen Innovationsgeist brauchen wir. Und wir sind froh, dass so viele junge Menschen bei uns studieren. Sie bringen neue Sichtweisen mit und machen unsere Stadt lebendig.“
Martin Payer und Corinna Engelhardt-Nowitzki, Geschäftsführung der FH JOANNEUM: „Künstliche Intelligenz eröffnet neue Möglichkeiten, wirft aber auch grundlegende Fragen auf. Entscheidend ist daher nicht nur, was technisch machbar ist, sondern wie wir diese Technologien verantwortungsvoll einsetzen. An der FH JOANNEUM bringen wir Forschung, Wirtschaft und Ausbildung zusammen, damit aus neuen Erkenntnissen konkrete Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft entstehen.“
Wolfgang Granigg, Leiter des Instituts Informatik und Künstliche Intelligenz der FH JOANNEUM: „Unsere Studierenden sollen KI nicht nur verstehen, sondern lernen, sie für konkrete Herausforderungen einzusetzen. Wenn sie ihre Forschung, so wie hier beim AI Summit präsentieren und mit Expert:innen diskutieren, erleben sie unmittelbar, welchen Wert ihre Arbeit hat. Das soll sie motivieren und zeigen, dass sie mit ihrem Wissen etwas bewegen können.“
Elisabeth André: „Bei der Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI sollte es nicht nur darum gehen, immer mehr Inhalte von einer KI produzieren zu lassen. Entscheidend ist vielmehr, wie Menschen selbst eine aktive und gestaltende Rolle einnehmen und mit KI-generierten Inhalten interagieren können. Deshalb müssen wir die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI neu denken.“
Klaus M. Steinmaurer, Geschäftsführer der RTR-GmbH, Fachbereich Telekommunikation und Post: „Künstliche Intelligenz ist ein mächtiges Werkzeug, das in vielen Bereichen große Chancen öffnet, aber auch verantwortungsbewusst eingesetzt werden muss. Das aktuell bestehende Regelwerk aus AI Act, Datenschutzrecht und dem österreichischen Zivilrecht ermöglicht bereits heute einen rechtskonformen Einsatz und sollte als Möglichkeit verstanden werden, sich intensiv mit dem KI-Einsatz im Unternehmen auseinanderzusetzen. KI ist kein Selbstläufer: Konkrete Ziele, gute Schulungsmaßnahmen und eine klare Strategie ermöglichen es Unternehmen und Konsument:innen gleichermaßen, von der neuen Technologie zu profitieren.“
Florian Brugger, Leiter KI, Business Intelligence, Automation und Softwareentwicklung bei der Raiffeisen-Landesbank Steiermark: „Eine neue Technologie allein bringt ein Unternehmen noch nicht weiter. Wirtschaftlich zählt KI erst, wenn wir über einzelne Anwendungen hinausdenken und sie zu Systemen verbinden, die im ganzen Unternehmen Wert schaffen. Dieser Schritt eröffnet viel, verlangt aber einen Wandel, der weit über die IT hinausgeht.“
Helmut Lindner, Projektleiter RADIUS und Lehrender an der FH JOANNEUM Kapfenberg: „Der AI Summit Styria hat gezeigt, wie wertvoll der direkte Austausch zwischen Forschung und Wirtschaft zum Thema KI ist, genau dafür steht das Projekt RADIUS. Dass so viele unserer Studierenden eigene Arbeiten eingebracht haben, freut mich besonders. Gemeinsam mit RADIUS bestätigt das die Rolle des Instituts Informatik und Künstliche Intelligenz als Ansprechpartner für KI in der Steiermark.“