TikTok im Alltag Jugendlicher: Chancen und Gefahren der Trend-App
TikTok ist längst mehr als nur eine Plattform für Tanzvideos und Trends, sondern zu einem festen Bestandteil im Alltag vieler Jugendlicher geworden. In Österreich nutzen laut Jugend-Internet Monitor 2024 rund 65 % der 11- bis 17-Jährigen die App regelmäßig. Diese enorme Reichweite bringt jedoch nicht nur Unterhaltung, sondern auch erhebliche Risiken für die persönliche, politische und psychische Entwicklung junger Menschen mit sich.
Warum TikToks Algorithmus für Kinder und Jugendliche problematisch ist
Besonders problematisch ist meines Erachtens, dass TikToks Algorithmus „For You“-Feed Inhalte bevorzugt, die polarisieren oder emotional aufwühlen können. So gelangen gefährliche Challenges, extremistische Botschaften und psychisch belastende Inhalte oft ungefiltert zu einer ganz besonders beeinflussbaren Zielgruppe.
Welche Gesetze die EU zum Schutz Minderjähriger im Internet erlässt
Die Europäische Union hat (EU) auf diese Herausforderungen mit einer Reihe von Rechtsakten reagiert, die den Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Raum stärken sollen. Einer davon, der Digital Services Act (DSA), der seit 2024 in Kraft ist, verpflichtet große Plattformen wie TikTok dazu, Risiken für Minderjährige zu bewerten und geeignete Schutzmaßnahmen zu ergreifen – so hofft man zumindest.
Was der Digital Services Act (DSA) für TikTok-Nutzer:innen bedeutet
Dazu zählen unter anderem Transparenzpflichten bezüglich der Funktionsweise von Algorithmen und die Einführung von Maßnahmen zur Altersüberprüfung. Ergänzt wird der DSA durch die Audiovisuelle Mediendienste-Richtlinie (AVMD-RL), die ebenso für soziale Plattformen wie TikTok gilt. Sie regelt den Schutz Minderjähriger, die Eindämmung illegaler Inhalte und die Kontrolle von Werbung. Auch die E-Commerce-Richtlinie und die Datenschutz Grundverordnung (DSGVO) tragen zum rechtlichen Schutzrahmen bei. Doch wie sieht die Realität auf TikTok aus?
Altersverifikation auf TikTok: Ein Sicherheitsversprechen mit Lücken
Die Plattform TikTok verweist in ihren Nutzungsbedingungen auf eine Reihe von Sicherheitstools und Altersverifikationen, doch in der Praxis sind diese Maßnahmen lückenhaft. Ein Selbstversuch, bei dem ein neues Konto als 14-jährige Nutzerin angelegt wurde, zeigte, dass Alterskontrollen leicht umgangen werden können und ungeeignete Inhalte weiterhin zugänglich sind. Die vermeintliche Alterskontrolle und die Zustimmung der Eltern wird schlichtweg nicht eingeholt. Auch die irische Datenschutzkommission kritisierte TikTok scharf und verhängte 2023 eine Strafe in dreistelliger Millionenhöhe aufgrund von DSGVO-Verstößen.
Was nationale Jugendschutzgesetze gegenüber TikTok (nicht) bewirken können
Ein zentrales Problem bleibt die Altersverifikation: Technisch und datenschutzrechtlich ist es schwierig, das Alter der NutzerInnen zuverlässig zu überprüfen. Nationale Alleingänge sind durch das sogenannte Herkunftslandprinzip stark eingeschränkt – das bedeutet, dass nur der Staat, in dem der Plattformbetreiber seinen Sitz hat, im Fall von TikTok zum Beispiel Irland, Verpflichtungen erlassen kann. Dieses Prinzip wurde durch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH C-376/22) bestätigt, wodurch strengere nationale Jugendschutzgesetze wie das österreichische Kommunikationsplattformen-Gesetz ausgebremst werden. Nationale Werte und Schutzbedürfnisse bleiben dadurch unberücksichtigt.
Fazit: Wie wirksamer Jugendschutz auf TikTok gelingen kann
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die EU mit dem DSA und der AVMD-Richtlinie wichtige Schritte für einen einheitlichen Jugendschutz gesetzt hat. Dennoch bleiben die Maßnahmen der Plattformbetreiber in der Praxis lückenhaft, und die technische sowie rechtliche Durchsetzung von wirksamen Schutzmechanismen eine große Herausforderung. Die Effektivität der Regelungen hängt stark von der konsequenten Umsetzung durch Plattformen wie TikTok und der Kontrolle durch die EU-Kommission ab. Für einen wirksamen Jugendschutz im digitalen Zeitalter sind daher weitere Anstrengungen und Investitionen, vor allem aber auch eine ausreichende Aufklärung von Kindern, Jugendlichen und Eltern unerlässlich.