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Projekt

EDUCATION FOR YOU

Aufklärung zum Nationalsozialismus und Erinnerungskultur auf TikTok (EDUTOK) – gefördert durch den Zukunftsfonds der Republik Österreich
Symbolbild Projekt EDUTOK, erstellt von Gabriel Malli

Projekt EDUTOK/ Symbolbild erstellt von Gabriel Malli

Das Projekt EDUTOK befasst sich mit der Frage, wie fundiertes Wissen zu Verbrechen und Ideologien des Nationalsozialismus erfolgreich auf einer aufmerksamkeitsökonomisch verfassten Plattform wie TikTok verbreitet werden, um so neofaschistischen und antidemokratischen Akteuren entgegentreten zu können.

Ausgangspunkt des Projekts ist der Befund, dass sich die Social-Media-Plattform TikTok in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem Resonanzraum für rechtsextreme und NS-verherrlichende Inhalte entwickelt hat. In Videos werden häufig Inhalte transportiert, die antisemitische Narrative vermitteln oder die Shoah relativieren. Parallel dazu hat sich auf TikTok jedoch auch ein Feld von Initiativen und Bildungsprojekten herausgebildet, die versuchen, jungen Nutzer:innen fundiertes Wissen über Ideologie, Verbrechen und historische Hintergründe des Nationalsozialismus zu vermitteln.

Im Zuge ethnographischer Explorationen auf TikTok konnten wir eine Reihe solcher Angebote identifizieren, die im deutschsprachigen Raum – insbesondere in Österreich und Deutschland – aktiv sind. Das Feld lässt sich grob in zwei unterschiedliche Typen von Kanälen unterteilen, die sich vor allem hinsichtlich ihrer Trägerschaft unterscheiden.

Institutionelle Kanäle

Hierbei handelt es sich um Accounts, die von etablierten Institutionen wie Forschungsinstituten, Archiven, Museen oder Gedenkstätten betrieben werden. Ein zentraler Akteur ist etwa die 2021 gestartete und international ausgerichtete TikTok-Holocaust-Gedenk- und Bildungsinitiative, die Gedenkstätten und Museen dabei unterstützt, TikTok gezielt für Bildungsarbeit zu nutzen. In diesem Rahmen sind unter anderem Projekte wie der TikTok-Kanal der KZ-Gedenkstätte Mauthausen entstanden. Neben „Mini-Lessons“, die grundlegende historische Informationen vermitteln, finden sich dort auch Formate wie Interviews mit Zeitzeug:innen oder digitale Rundgänge durch Gedenkstätten.

„Bottom-Up“-Kanäle

Daneben existieren Kanäle, die wir im Rahmen unserer Exploration als „Bottom-Up-Kanäle“ bezeichnen. Im Gegensatz zu den institutionellen Accounts werden sie von historisch interessierten Content Creators ohne institutionelle Anbindung betrieben.

Diese Formate sind deutlich seltener – im Zuge unserer Recherche konnten wir nur drei Kanäle identifizieren, die regelmäßig Inhalte veröffentlichen, darunter allerdings der reichweitenstärkste Kanal im Feld, @keine.erinnerungskultur. Diese Videos verfolgen meist einen stärker erklärenden Ansatz: Sie liefern Hintergrund- und Kontextinformationen zu aktuellen Debatten rund um Nationalsozialismus und Shoah, greifen verbreitete Mythen auf oder erzählen weniger bekannte Geschichten über NS-Verbrechen und unterschiedliche Opfergruppen.

Gemeinsam ist beiden Kanaltypen das Anliegen, historisches Wissen auf einer Plattform zu vermitteln, die eigentlich auf kurze, schnell konsumierbare Videos ausgerichtet ist. Gerade darin liegt aber auch die zentrale Herausforderung: Wie lässt sich ein komplexes und sensibles historisches Thema in einem Format darstellen, das oft nur wenige Sekunden Aufmerksamkeit erhält? Genau hier setzen wir weiter an und untersuchen Produktionen mit diskursanalytischen Methoden und führen Expert:innen-Interviews, um herauszufinden, wie entsprechende Inhalte erfolgreich verbreitet werden können.

Weitere Ergebnisse dazu werden nach Projektende auf dieser Seite veröffentlicht.

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