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Vom Möbelhaus zur Ideenwerkstatt – Visionen für das Leiner-Haus

Praxisnahe Forschung im Zuge der Lehrveranstaltung "Entwerfen 2" (Masterstudium Architektur) DI Lisa Obermayer, 30. Juni 2026

Credit: FH JOANNEUM

20.000 m² Möglichkeiten – Ressourcen schützen, Räume neu erfinden: Architekturstudierende der FH JOANNEUM entwerfen die Zukunft eines Grazer Leerstands

Das Leiner-Haus als städtebauliche Chance

Das ehemalige Leiner-Möbelhaus in der Annenstraße in Graz ist mehr als nur ein leerstehendes Gebäude: Mit 20.000 m² Nutzfläche in bester Lage direkt beim Hauptbahnhof bietet es ein einzigartiges Potenzial für die Stadtentwicklung. Statt den Abriss zu wählen, wird das Gebäude nun zum Experimentierfeld für Umnutzung und innovative Konzepte. Das Institut Architektur und Bauingenieurwesen der FH JOANNEUM nimmt sich im Rahmen der Masterlehrveranstaltung „Entwerfen 2“ dieser Herausforderung an – und zeigt, wie Leerstände nicht als Problem, sondern als Chance für neue Ideen verstanden werden können.

Das Leiner-Haus ist nicht nur wegen seiner Größe von Bedeutung: Seine zentrale Lage und die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr machen es zu einem idealen Standort für Projekte, die die Frequenz in der Annenstraße steigern und das städtebauliche Umfeld aufwerten können. Genau hier setzt die Entwicklungsstudie des Instituts an.

Credit: FH JOANNEUM

Credit: FH JOANNEUM

Credit: FH JOANNEUM

Credit: FH JOANNEUM

Die Lehrveranstaltung „Entwerfen 2“: Praxisnahe Forschung

Im Masterstudium Architektur bearbeiteten 18 Studierende in 8 Teams die Entwurfsaufgabe im Rahmen der Lehrveranstaltung „Entwerfen 2“. Betreut wurden sie dabei von Jakob Leb, Studiengangsleiter Wolfgang Schmied und Tim Wakonig-Lüking. Die Aufgabe: Innovative Nutzungskonzepte für das Leiner-Haus entwickeln, die den Standort attraktiver machen und das Gebäude architektonisch aufwerten. Dabei geht es nicht nur um die Funktionalität der Räume, sondern auch um ihre städtebauliche Einbindung. Die Studierenden analysierten zunächst den Bestand und erarbeiteten Gestaltungsvorschläge für Fassade, Innenräume und das Umfeld.

Entwurfsskizzen der Studierenden

Entwurfsskizzen der Studierenden

Entwurfsskizzen der Studierenden

Die Entwicklungsstudie: Inhalte und Schwerpunkte

In einem ersten Schritt wurden von den Teams Nutzungskonzepte entwickelt. Der Schwerpunkt wurde dabei auf Nutzungen gelegt, die das Potential für eine hohe Anziehungskraft haben und über die nähere Umgebung hinaus wirken. Aufgrund der Objektgröße weisen die meisten Konzepte eine Mischnutzung auf. In manchen Varianten verstärken die unterschiedlichen Nutzungen ihre jeweilige Attraktivität durch die Mischung; in anderen wiederum sind die Nutzungen bereits alleinstehend sehr stark. Auch wenn es auf kalkulatorischer Sicht der Investoren eine große Herausforderung darstellt, versuchten die Studierenden häufig konsumfreie Räume mit zu integrieren. Neben dem bestehenden Billa, der in fast allen Nutzungskonzepten bestehen blieb, entstanden kaum Einzelhandelsflächen.

In einem zweiten Schritt beschäftigen sich die Studierenden mit der architektonische Gestaltung: Eine große Herausforderung stellte die städtebauliche Integration dar. Direkt vor den Gebäuden senkt sich die Straßenbahn in den Tunnel zur Hauptbahnhofshaltestelle. Die vorhandene straßenräumliche Situation beim existierenden Eingang ist sehr unbefriedigend. Verkehrskonzepte wurden angepasst, in manchen Szenarien Straßen geschlossen. So entstanden Räume, die die Annenstraße als lebendigen Stadtraum stärken. Die ausgearbeiteten Grundrisse, Schnitte und Ansichten zeigen, wie die Räume neu aufgeteilt und genutzt werden können. Über Fassadengestaltung und Innenraumkonzepte entstehen neue Qualitäten. Diese machen die Gebäude nicht nur funktional, sondern auch ästhetisch ansprechend. Eine Aufwertung der Annenstraße war das Ziel, das mit den Konzepten und der Gestaltung eingelöst wurde.

Ein besonderer Fokus lag darauf, das Leiner-Haus als Ressource zu schützen und neu zu erfinden – statt es abzureißen. Die Studierenden zeigten dabei, wie Leerstände als Ausgangspunkt für innovative Stadtentwicklung genutzt werden können.

Plakate und Modelle der Schlusspräsentation im “Leiner Möbelhaus”

Präsentation der Ergebnisse: Zwischenstand und Abschluss

Am 07.05.2026 fand eine erste Zwischenpräsentation der Ideen statt, bei der die Studierenden ihre ersten Entwürfe dem Team von Trivalue (Liegenschaftseigentümer) sowie dem Architekten Michael Pansinger vorstellten. Das Feedback der Zwischenpräsentation floss direkt in die weiteren Arbeiten ein.

Bei der Schlusspräsentation am 25.06.2026 vor Ort im Leiner-Haus wurden die finalen Entwürfe in Form von Plakaten und Einsatzmodellen (1:500) vor einer Jury, bestehend aus den Architekt:innen Nina Kuess, Monika Traussnig, Thomas Zach sowie Stefan Karall und Christiana Stückler (Trivalue) präsentiert. Diese prämierte im Anschluss drei Projekte:

Die Preisträger:innen
1. Platz

1. Platz: Alexander Haubner und Jannis Berger

2. Platz

2. Platz: Parisa Abdoli Barzoki und Elina Schrottenbach

3. Platz

3. Platz: Tina Antolič und Anna Griesbacher

“House of Innovation”
Visualisierung von Alexander Haubner und Jannis Berger

“The Soul of Cultures”
Visualisierung von Parisa Abdoli Barzoki und Elina Schrottenbach

“Orbit”
Visualisierung von Tina Antolič und Anna Griesbacher

Fazit: Warum dieses Projekt wichtig ist

Für die Studierenden war dieses Projekt eine einzigartige Gelegenheit, an einem realen Auftrag zu arbeiten und dabei nicht nur theoretisches Wissen, sondern auch praktische Erfahrungen zu sammeln.

Für Graz zeigt das Projekt, wie Leerstände als Chance für innovative Stadtentwicklung genutzt werden können. Die Annenstraße könnte durch die Entwürfe der Studierenden neuen Schwung erhalten – und das Leiner-Haus von einem leerstehenden Gebäude zu einem Ort für Kultur, Innovation und Gemeinschaft werden.

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