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Wöchentlicher Börsenbrief #153

Dr. Josef Obergantschnig, 09. Juli 2026
Wöchentlicher Börsenbrief von Josef Obergantschnig 1

Wöchentliches Börsenbriefing von Josef Obergantschnig, Lektor an der FH JOANNEUM, Unternehmer und Autor von „Börse kannst auch du“. Aktuelles Marktgeschehen, klar erklärt und aus neuen Blickwinkeln.

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Mit der Levi’s auf den Weltraum-Trip

Während ich heute in den frühen Morgenstunden meinen ersten Espresso trinke, sehe ich eine Levi-Jeans meiner Tochter auf dem Sessel liegen. Bei meinen Kindern stehen aktuell Levi Strauss Jeans voll im Trend. Das war schon in meiner Jugend so. Und auch bei Jugendlichen vieler Generationen davor. Kein Wunder, das Unternehmen gibt es immerhin schon seit 172 Jahren. Als ich mit meinen Kindern gestern Abend über das Unternehmen gesprochen habe, das an der Börse mit einer Marktkapitalisierung von über 9 Milliarden US-Dollar bewertet ist, waren sie verwundert, dass der Ursprung bis nach Bayern reicht. Irgendwie steht diese Marke für Jugend, Unabhängigkeit und auch ein klein bisschen Revoluzzertum. Und irgendwie auch für Beständigkeit.

US-Präsident Donald Trump trägt zwar keine Jeans, will aber vermutlich auch als Revoluzzer oder „Deal-Maker” in die Geschichtsbücher eingehen. Und diese Woche hat er wieder geliefert. Auch wenn wir uns mittlerweile an unvorhergesehene und für manche nicht nachvollziehbare Aktionen gewöhnt haben, schafft es der liebe Donald immer wieder, ein bisschen Öl ins Feuer zu gießen.

Am Rande des Nato-Gipfels in Ankara hat der US-Präsident die mühsam verhandelte Waffenruhe mit dem Iran für beendet erklärt. Der Wortlaut, direkt gesendet auf seinem eigenen Kanal, ist im O-Ton nachlesbar: „Ich denke, es ist vorbei. Sie sind Abschaum.” Ein klares Statement. Hier gibt es wohl keinen Interpretationsspielraum. Und wenig verwunderlich, dass diese Nachricht um die Welt geht und manch einen vor den Kopf stößt.

Die Weltbörsen haben verschnupft reagiert und deutlich nachgelassen. Der für die Weltwirtschaft so wichtige Ölpreis ist wieder sprunghaft angestiegen. Die Straße von Hormus ist damit wieder in den Fokus gerückt und wird uns vermutlich noch einige Zeit beschäftigen. Die unberechenbare Geopolitik wird wohl auch in den „entspannten” Sommermonaten bestimmendes Thema bleiben.

Aber kommen wir noch einmal zurück zu Levi Strauss. Das Unternehmen gibt es ja seit 172 Jahren und in dieser Zeit hat man viele Krisen überlebt. Weltkriege, Hyper-Inflationsphasen, Ölpreisschocks, Börsen-Crashs und vieles mehr. Bleiben wir noch kurz bei der Frage, warum es hier eine starke Verbindung nach Europa gibt.

Loeb Strauss kommt am 26. Februar 1829 in Buttenheim zur Welt, einem kleinen Ort im heutigen Oberfranken. Achtzehn Jahre später wandert er mit seiner Familie nach New York aus. 1853 zieht er weiter an die US-Westküste, dorthin, wo gerade der Goldrausch tobt. Er kommt als Händler, der die Goldgräber ausstattet. Zwanzig Jahre später, 1873, meldet er zusammen mit dem Schneider Jacob Davis das Patent auf mit Nieten verstärkte Arbeitshosen an. Das ist die Geburtsstunde einer Erfolgsgeschichte, die viele Generationen begeistert. Aus dem bayerischen Auswanderer wird ein Global-Player. Und aus einer robusten Arbeitshose für Goldgräber wird das vermutlich langlebigste Modeprodukt der Weltgeschichte. Wer heute Levi Strauss trägt, trägt damit auch ein Stück Migrationsgeschichte an den Beinen.

Ein ETF ist im Grunde ein Warenkorb, in dem viele einzelne Aktien liegen. Was drin ist, entscheidet der Herausgeber des zugrundeliegenden Index. Und hier stellt sich die Frage, wie man nun mit SpaceX, welches mit rund 2 Billionen US-Dollar Marktkapitalisierung aktuell auf Rang 7 der wertvollsten Unternehmen liegt, umgehen soll.

SpaceX, das Raumfahrtunternehmen von Elon Musk, ist im Juni an die Börse gegangen. Der Börsengang hat 86,3 Milliarden Dollar eingespielt. Schon 15 Handelstage später, am 7. Juli, ist SpaceX in den Nasdaq-100 aufgenommen worden. Möglich wurde das, weil Nasdaq Global Indexes im Mai kurzerhand die Aufnahmeregeln angepasst hat. Der Anteil frei handelbarer Aktien wurde von 10 % auf 5 % gesenkt, die übliche Wartezeit verkürzt. Wer heute einen Nasdaq-ETF im Depot hat, hält damit automatisch auch ein paar SpaceX-Aktien.

Der amerikanische Leitindex S&P 500 geht aber einen anderen Weg. Am 4. Juni hat der Indexanbieter S&P Dow Jones eine schnelle Aufnahme abgelehnt und hält an seinen Regeln fest: zwölf Monate an der Börse plus vier Quartale mit positivem Gewinn nach US-Rechnungslegung. SpaceX hat 2025 zwar den Umsatz auf 18,7 Milliarden Dollar gesteigert, gleichzeitig aber 4,9 Milliarden Verlust ausgewiesen. Damit ist der S&P 500 für SpaceX frühestens Mitte 2027 in Reichweite.

Der Vater des Indexfonds John Bogle hatte dazu ein einfaches Motto: Warum soll man die Nadel im Heuhaufen suchen, wenn man gleich den ganzen Heuhaufen kaufen kann. Wer heute ETFs kauft, muss aber wissen, dass es je nach Indexanbieter unterschiedliche Heuhaufen gibt. Die Frage ist nur: Mit oder ohne SpaceX?

Irgendwie stellt sich für mich die Frage, ob Elons Imperium auch in 172 Jahren noch relevant sein wird und Teil unseres täglichen Lebens bleibt. Vielleicht fehlt mir hier aber auch die Vorstellungskraft. Eine Levi Strauss Jeans kann ich auch in 170 Jahren noch anziehen, mit einer Musk-Rakete werde ich vermutlich nicht von meiner Terrasse aus in den Urlaub ins ferne Weltall fliegen. Aber wer weiß, vielleicht täusche ich mich ja.

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