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Wöchentlicher Börsenbrief #155

Dr. Josef Obergantschnig, 24. Juli 2026
Wöchentlicher Börsenbrief von Josef Obergantschnig 1

Wöchentliches Börsenbriefing von Josef Obergantschnig, Lektor an der FH JOANNEUM, Unternehmer und Autor von „Börse kannst auch du“. Aktuelles Marktgeschehen, klar erklärt und aus neuen Blickwinkeln.

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Was Autofahrer und Hyperscaler gemeinsam haben

Am Donnerstag Nachmittag stand ich am Innsbrucker Hauptbahnhof, als über den Newsflow die erste Schlagzeile zur EZB-Sitzung lief: Die Zinsen bleiben unverändert. Ironischerweise ist direkt danach die Nachricht über den Ticker gelaufen, dass der Dieselpreis wieder die Marke von 2 Euro überschritten hat. Und genau da ist selbst bei den Zugfahrern ein Schnaufen in der Bahnhofshalle zu hören gewesen. Obwohl sich der Ticketpreis dadurch natürlich nicht unmittelbar erhöht hat. Aber der Benzinpreis bewegt die Menschen. Und der Zinsentscheid lässt die meisten Menschen kalt.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat aber auch andere Themen auf der Agenda. Sie führt in ihrer Pressekonferenz vor allem die fragile geopolitische Lage und auch die trüben Wachstumsaussichten für Europa ins Feld. Wenig überraschend ist auch, dass die Inflationsrisiken nach dem Anstieg der Energiepreise weiter zugenommen haben. Und damit sind wir wieder bei dem Punkt: Durch den Blick auf die Zapfsäule spüren die Menschen die Inflation. Der Ölpreis ist immerhin seit Anfang Juli um über 30 % gestiegen. Die EZB-Präsidentin spricht aber auch von einem exogenen Energieschock. Und das ist wiederum das Argument, dass die EZB trotz der gestiegenen Inflationssorgen die Leitzinsen unverändert belassen hat.

Diese Woche wurden wieder viele Quartalsergebnisse publiziert und ich muss sagen, ich bin bisher schwer beeindruckt. Die Unternehmen haben schließlich abgeliefert. Nehmen wir zum Beispiel die Google-Mutter Alphabet und ihre Cloud-Ergebnisse. Das Segment wächst um 82 %. Das ist definitiv sehr gut, aber um nicht abgehängt zu werden, muss das Unternehmen in den nächsten Jahren Unsummen in die Forschung und Entwicklung investieren. Allein Alphabet geht von 200 Milliarden US-Dollar aus und das wiederum ist nahezu ein Drittel der jährlichen Wirtschaftsleistung Österreichs. Elon Musk ist dieser Tage vermutlich etwas mürrisch. Die Euphorie um SpaceX scheint vorüber. Der Börsenwert ist deutlich unter dem IPO-Kurs gefallen. Insofern war der liebe Elon vermutlich froh, dass diese Woche sich der Fokus der Wall Street auf Tesla verlagert hat, an dem er auch mehr als 29 % der Anteile hält. Der Umsatz ist zwar um 26 % gestiegen. Aber Umsatz ist bekanntlich nicht Gewinn. Und dieser ist im Gegensatz zum Umsatz deutlich eingebrochen. Dazu kommt, dass die Cash-Reserven in diesem Umfeld um mehr als 1,1 Milliarden Dollar zurückgegangen sind. Und genau das brauchen die Techunternehmen für Innovation, um hier den Anschluss nicht zu versäumen.

Allerdings ist diese Kapitalknappheit kein Einzelfall. Viele große Technologieunternehmen sitzen im gleichen Boot. Sie müssen wohl oder übel investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben. Und genau das wiederum hat zu einer strukturellen Änderung an den Kapitalmärkten geführt. Während vor einigen Jahren Unternehmen, die auf gigantischen Cash-Polstern gesessen sind, noch Aktien rückgekauft haben, brauchen sie nun Geld. Und dieses Geld besorgen sie sich auf den Anleihenmärkten. Die sogenannten Hyperscaler wie Google oder Amazon haben in den letzten Monaten Milliardenbeträge aufgenommen und vereinnahmen jetzt zusammen rund 10 % aller Anleihenemissionen.

Bisher waren Anleihenindizes im Gegensatz zur Dominanz in den Aktienmärkten nahezu Tech-frei. Aber auch hier nimmt die Bedeutung und damit auch unsere Abhängigkeit von Technologieunternehmen von Tag zu Tag zu. Und das wiederum betrifft sowohl private als auch institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Pensionskassen.

Für mich geht es jetzt ab nach Hause. Nachdem ich ein Zugticket in Händen halte und mir dadurch den Weg zur Zapfsäule erspare, kann ich mir ja noch einen Espresso gönnen, meinen Sie nicht auch?

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