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Kurzmitteilung

Österreichs Sozialwirtschaft schafft Arbeitsplätze und trägt zur Wertschöpfung bei

Fotocredits FH Joanneum I Andrea Widmann

Im Rahmen der österreichwerten Initiative Kompass Sozialwirtschaft veranstaltete das Institut Soziale Arbeit gemeinsam mit der Internationale Arbeitsgemeinschaft Sozialwirtschaft und Sozialmanagement einen steirischen Stakeholder-Dialog.

Marie-Theres Sagl und Andrea Widmann eröffneten den Dialog. Rund 30 Vertreter:innen der steirischen Sozialwirtschaft, Verwaltung und Interessenvertretungen diskutierten mit Peter Stepanek, Hochschule Campus Wien und INAS-Vorsitzender, und Stefan Wallner vom Bündnis Gemeinnützigkeit über die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung der Sozialwirtschaft.

Sozialwirtschaft als Zukunftsfaktor

Im Mittelpunkt standen die volkswirtschaftliche Bedeutung der Sozialwirtschaft sowie ihre Rolle für sozialen Zusammenhalt und gesellschaftliche Stabilität.
Peter Stepanek betonte, dass sozialer Zusammenhalt eine wichtige Grundlage die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs ist. Die Sozialwirtschaft schafft zahlreiche Arbeitsplätze und liegt laut Verband Sozialwirtschaft Österreich beim Beschäftigungswachstum auf Platz drei (siehe Information SWÖ). Aufgrund ihrer Präsenz in allen Bundesländern und nahezu allen Gemeinden hat sie zudem eine wichtige Bedeutung für die Beschäftigung in strukturschwächeren Regionen. Stepanek verwies auch auf ihren Beitrag zur Wertschöpfung und zur Vermeidung sozialer Folgekosten.

Umgang mit Finanzierungsdruck und Krisen

Angesichts sich überlagernder Krisen kann sich die Sozialwirtschaft allerdings nicht auf ihre Rolle als Dienstleisterin beschränken, betonte der zweite Vortragende Stefan Wallner vom Geschäftsführer des Bündnis Gemeinnützigkeit Österreich. Vielmehr gelte es, sich auf das Kerngeschäft der Sozialwirtschaft zu besinnen: Armut zu bekämpfen, Menschenrechte zu gewährleisten und Chancen für alle zu ermöglichen. Dafür brauche es eine strategische Mitgestaltung politischer Rahmenbedingungen über Legislaturperioden hinweg. Wallner plädierte zudem dafür, die positiven Wirkungen der Sozialwirtschaft stärker in den öffentlichen Diskurs einzubringen und Allianzen zwischen Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Medien zu stärken. Gerade angesichts gezielter Angriffe auf demokratische Institutionen brauche es Begegnungsräume, in denen Vertrauen durch gemeinsames Handeln entstehen kann.

Sozialwirtschaft in der Steiermark

Auch für die Steiermark hat die Sozialwirtschaft eine hohe gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung. Nach Angaben des Bündnis Soziale Steiermark nehmen rund 12 Prozent der steirischen Bevölkerung jährlich soziale Dienstleistungen in Anspruch. Die 170 im Bündnis vertretenen Unternehmen betreuen rund 165.000 Kund:innen und Klient:innen (siehe soziale-steiermark.at).

INAS fordert bessere Daten für die Sozialwirtschaft

Statistik Austria veröffentlichte 2023 erstmals ein Satellitenkonto für den österreichischen Nonprofit-Bereich. Die Daten weisen für das Sozialwesen mehr als drei Milliarden Euro Bruttowertschöpfung aus. Zudem ist das Sozialwesen (ÖNACE Q88) jener Wirtschaftsbereich mit der höchsten Anzahl an Non-Profit-Organisationen in Österreich (siehe Satellitenkonto für den Nonprofit-Bereich in Österreich, S.46).
Die INAS sieht weiteren Bedarf, die wirtschaftliche Bedeutung der Sozialwirtschaft systematisch sichtbar zu machen. Ein eigenes Satellitenkonto könnte Beschäftigung, Wertschöpfung, Finanzierung und weitere volkswirtschaftliche Kennzahlen des Sektors umfassend abbilden. Außerdem würde es zu einer fundierten Sozialplanung und evidenzbasierten Prognosen beitragen, hoben die Teilnehmer:innen hervor.
Neben einer besseren Datengrundlage wurde im Stakeholder-Dialog auch diskutiert, welche politischen Rahmenbedingungen die Sozialwirtschaft auf nationaler und europäischer Ebene benötigt.

Social Economy Action Plan der EU

Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welche Bedeutung der EU Social Economy Action Plan für Österreich hat und welche Handlungsfelder sich daraus für die österreichische Sozialpolitik ergeben. Österreich setzt bereits Maßnahmen im Bereich Social Entrepreneurship um, darunter den Austrian Social Enterprise Monitor und das Qualitätslabel „Verified Social Enterprise“.
Peter Stepanek nannte als mögliche weitere Handlungsfelder insbesondere die Anpassung von Steuer- und Beihilfenleitlinien, eine verbesserte Wirkungsmessung sowie einen besseren Zugang zu Märkten und Finanzierung.

Policy Practice im Studium Soziale Arbeit

Einen weiteren inhaltlichen Impuls brachte Andrea Widmann mit dem Thema Policy Practice in der Sozialen Arbeit ein. Sie stellte eine aktuelle Studie von Miriam Bunzlaff et al. vor, die auf einer Befragung von 3.687 Fachkräften basiert. Die Ergebnisse zeigen eine hohe Zustimmung zum politischen Auftrag der Sozialen Arbeit. Gleichzeitig nimmt das politische Engagement mit zunehmender Ebene ab: Während sich Fachkräfte insbesondere lokal durch Vernetzung und die Unterstützung von Klient:innen engagieren, ist das Engagement auf nationaler und internationaler Ebene gering.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung, konkrete Instrumente politischen Handelns bereits im Studium einzuüben – etwa Politikanalyse, das Erstellen von Positionspapieren, Advocacy und Lobbying sowie die Nutzung parlamentarischer Lernorte. Policy Practice wird damit zu einer Handlungskompetenz, die insbesondere in einem Master-Studium entwickelt werden kann.

Studie Full article: Explaining social workers’ policy practice in Germany and Switzerland: the role of skills, education, and organisation

Peter Stepanek INAS, Hochschule Campus Wien, Marie-Therese Sagl Institutsleitung Soziale Arbeit FH JOANNEUM, Andrea Widmann INAS Österreich, Stefan Wallner Bündnis Gemeinnützigkeit Österreich
Fotocredits FH JOANNEUM I Andrea Widmann

Stefan Wallner, Bündnis Gemeinnützigkeit Österreich
Fotocredits FH JOANNEUM I Andrea Widmann

Teilnehmende am Stakeholder-Dialog Kompass Sozialwirtschaft: Bernadette Pöheim AK Steiermark, Maria Wonisch bit.social, Eva Hysa Caritas, Leo Payr Dachverband der sozialpsychiatrischen Vereine und Gesellschaften Steiermark, Birgit Schellnegger-Weinberger Dachverband Frauen- und Mädchenberatungsstellen, Maximilian Puchmayr Dachverband Sozialwirtschaft Steiermark, Ulrike Reimerth Dachverband steirischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, Martin Gössl FH JOANNEUM, Birgit Penker Frauenservice Graz, Walli Berger Jugend am Werk, Susanne Maurer-Aldrian LebensGroß, Elke Lujansky-Lammer und Karin Ondas Dachverband lebenshilfe Steiermark, Herbert Janusch Neustart, Thomas Schleich Pronegg&Schleich, Rüdiger Wetzl Social Business Hub Styria, Kathrin Stern sozKom, Michaela Krenn TU Graz , Amrita Böker Vinzi, Christian Wolf und Birgit Schörgi Wohnplattform Steiermark, Alexandra Köck ZEBRA
Fotocredits FH JOANNEUM I Andrea Widmann