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Wöchentlicher Börsenbrief #133

Dr. Josef Obergantschnig, 20. Februar 2026
Wöchentlicher Börsenbrief von Josef Obergantschnig 1

Wöchentliches Börsenbriefing von Josef Obergantschnig, Lektor an der FH JOANNEUM, Unternehmer und Autor von „Börse kannst auch du“. Aktuelles Marktgeschehen, klar erklärt und aus neuen Blickwinkeln.

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Warren Buffetts letzter Tanz

Heute steht ein Schitag mit meinem Sohn an. Bevor es auf die Piste geht, vermutlich werden Sie von einem Österreicher in den Semesterferien auch nichts anderes erwarten, scrolle ich in den frühen Morgenstunden noch einmal durch den Newsflow. Überraschenderweise treffe ich hier einen alten Bekannten, ich würde sogar von einem alten Weggefährten sprechen, wieder. Warren Buffett ist eine Investorenlegende, die eigentlich zum Jahreswechsel seinen Job bei Berkshire Hathaway niedergelegt hat. Sein altbekanntes Konterfei leuchtet mir entgegen. Der letzte große Auftritt des Altmeisters. Der mittlerweile 95-Jährige erläuterte, welches Portfolio er seinem Nachfolger Greg Abel übergeben hat. Der Grund ist einfach. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC fordert zum Quartalsende eine Veröffentlichung der Portfoliobestandteile. Und der liebe Warren hat noch einmal zugeschlagen und ist bei der renommierten Tageszeitung New York Times mit rund 350 Millionen US-Dollar eingestiegen.

Warrens Strahlkraft ist nach wie vor ungebrochen. Durch den Ritterschlag des “Orakels von Omaha” konnte die Aktie deutlich zulegen. Damit schließt sich für Warren Buffett der Kreis. Zeitungen beschäftigen ihn schon sein ganzes Leben. Bereits als Kind hat er Zeitungen ausgetragen und er war über 40 Jahre auch an der Washington Post beteiligt, bis er seine Anteile 2020 verkaufte. Spannend finde ich das vor allem auch unter dem Aspekt, dass der Aktienkurs der New York Times seit Oktober 2025 um mehr als ein Drittel gestiegen ist. Und auch 2026 konnte die Aktie bereits deutlich zulegen. Ich weiß zwar nicht, wann Warren Buffett eingestiegen ist, sein letzter Trade ist aber bereits deutlich im Plus. Aber was anderes hätten wohl vermutlich nur die wenigsten erwartet, meinen Sie nicht auch?

Buffett hat sich aber auch lange dagegen gesträubt, im Technologiesektor einzusteigen. Mittlerweile tummeln sich einige Tech-Aktien in seinem Depot. Im vierten Quartal 2025 hat Buffett auch 77 % seiner Anteile von Amazon verkauft. Ohne den genauen Verkaufskurs zu kennen, sprechen wir hier von rund 1,5 Milliarden US-Dollar. Und auch hier lag der liebe Warren richtig. Amazon ist unter Druck geraten und hat seit November mehr als 20 % verloren. Grund dafür ist vor allem der Zweifel, ob sich die hohen Investitionen in den KI-Bereich für die Tech-Giganten auch irgendwann einmal in Gewinne ummünzen lassen werden. Oder ist es vielleicht doch so, dass die angestrebten Billionen-Dollar-Investments eine ordentliche Bremsspur in den Gewinn-und-Verlustrechnungen hinterlassen.

Noch sind die Kriegskassen der Unternehmer bis zum Bersten gefüllt. Aber nicht bei allen. Für Apple wird dank der sprudelnden Gewinne für 2026 ein Free Cashflow, das ist die Liquidität nach Abzug aller operativen Ausgaben und Investitionen, von unfassbaren 134 Milliarden Dollar erwartet. Bei Nvidia sind es 97 Milliarden, bei Microsoft 72 Milliarden und bei Alphabet beziehungsweise Google 35 Milliarden Dollar. Amazon schert hier etwas aus. Das Unternehmen steht zwar noch finanziell gesund da. Alleine mit dem Cash könnten die langfristigen Schulden zweimal bezahlt werden. Allerdings ziehen hier dunkle Wolken am Horizont auf, denn für 2026 wird im Gegensatz zu den anderen Tech-Giganten bereits ein negativer Free Cashflow prognostiziert. Da läuten beim lieben Warren vermutlich schon die Alarmglocken. Bei Alphabet hingegen schaut Buffetts Analyse anders aus, obwohl das Unternehmen bei den KI-Investitionen noch tiefer in die Tasche greift. Hier hat Warren Buffett im dritten Quartal 2025 eine milliardenschwere Beteiligung aufgebaut.

In Summe dürfte Buffett die Märkte wenig überraschend als zu teuer bewertet ansehen. Anders sind die hohen Cash-Reserven von Berkshire Hathaway wohl nicht zu deuten. Die Zahlen für das vierte Quartal sind noch nicht veröffentlicht, aber zum 30. September 2025 waren es stolze 381,7 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Das wertvollste ATX-Unternehmen ist die Erste Group Bank mit 42 Milliarden Euro. In Deutschland führt SAP mit 198 Milliarden und in der Schweiz Nestlé mit 220 Milliarden Euro an. Seit Mitte 2024 ist die Liquidität um mehr als 100 Milliarden Dollar gestiegen. Sollte es an den Märkten zu einer stärkeren Korrektur kommen, wird Berkshire Hathaway vermutlich ordentlich zukaufen. Das wird aber nicht mehr Warren Buffett sein, der noch einen letzten heißen Tanz über das Börsenparkett hingelegt hat. Ob sein Nachfolger Greg Abel stilistisch mithalten kann, wird uns erst die Zukunft weisen.

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