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Zwischen Billionen-Träumen und Zinsrealität
The Sky is the Limit. Nein, keine Sorge. Ich trinke zwar gerade meinen geliebten Espresso, aber hier ist die Tagesration natürlich limitiert. Nach diesem Grundsatz lebt aber zweifelsohne Elon Musk, der wohl umstrittenste Unternehmer unserer Zeit und gleichzeitig der reichste Mensch der Welt. Passend dazu scheint das Börsendebüt seines bereits 2002 gegründeten Unternehmens SpaceX unmittelbar bevorzustehen. Beeindruckend ist, dass das Unternehmen mit der wiederverwendbaren Rakete „Falcon 9“ pro Jahr mehr Weltraum-Missionen organisiert als alle anderen Anbieter zusammen. An den Kapitalmärkten wird bereits darüber spekuliert, wie hoch eine mögliche Bewertung ausfallen könnte, und die Erwartungen sind gewaltig. Sollte es tatsächlich zu einem Börsengang kommen, könnte SpaceX auf Anhieb in den erlauchten Klub der „Billionen-Dollar-Unternehmen“ aufgenommen werden. Darunter findet sich auch der E-Auto-Pionier Tesla, an dem auch Elon Musk als größter Einzelaktionär beteiligt ist. Der Mann versteht es, aus Ideen von der grünen Wiese aus ein Milliardenunternehmen aufzubauen. Mit dem ChatGPT-Unternehmen OpenAI könnten 2026 damit zwei Mega-Börsengänge über die Bühne gehen.
An den Märkten herrscht mittlerweile eine spürbar trübere Stimmung. Die großen internationalen Aktienindizes haben in den letzten Monaten deutlich Federn lassen müssen. Auslöser dafür war vor allem der Anfang März von den USA und Israel ausgelöste Iran-Krieg. Interessanterweise haben europäische Indizes wie der DAX deutlich schwächer abgeschnitten als der amerikanische S&P 500 oder der technologielastige NASDAQ Composite. Der österreichische ATX konnte sich in diesem Umfeld vergleichsweise gut behaupten und notiert weiterhin knapp über der Nulllinie. Die Wallnerstraße schlägt damit auch heuer die Wallstreet.
Die Unsicherheit macht sich aber breit. Mittlerweile ist auch der CNN Fear & Greed Index weiter gesunken. Dieser ordnet die Stimmung der Marktteilnehmer:innen anhand verschiedener Indikatoren zwischen extremer Gier mit 100 Punkten und extremer Angst mit 0 Punkten ein. Aktuell liegen wir bei 18 Punkten und damit klar im Bereich der extremen Angst. Wen wundert das, wenn man sich den negativen Newsflow vor Augen führt, der Tag für Tag auf uns einprasselt.
Auch an den Anleihenmärkten geht es derzeit ordentlich zur Sache. Die Renditen sind vielerorts auf mehrjährige Höchststände gestiegen. Der Konflikt rund um den Iran spielt auch hier eine wesentliche Rolle, denn der damit verbundene Anstieg des Ölpreises schürt die Inflationssorgen zusätzlich. Für die USA sind die Inflationserwartungen seit Jahresbeginn deutlich gestiegen und haben sich zuletzt mehr als verdoppelt.
Die Notenbanken sind daher in Alarmbereitschaft und das Pendel scheint von Zinssenkungen wieder in Richtung Zinserhöhungen ausgeschlagen zu haben. Vor dem Iran-Konflikt wurde in den USA für 2026 noch mit zwei Zinssenkungen gerechnet. Diese Erwartungen sind mittlerweile weitgehend verschwunden. Das wird Donald Trump, der in den vergangenen Monaten immer lautstärker sinkende Zinsen gefordert hat, vermutlich überhaupt nicht freuen. Schließlich müssen die USA heuer noch mehrere Billionen Dollar an Krediten aufnehmen, um das chronische Defizit zu finanzieren und auslaufende Schulden zu refinanzieren. Höhere Finanzierungskosten belasten damit die Budgets der Zukunft.
Auch für Europa scheint sich eine klare Tendenz abzuzeichnen. Für 2026 wird mittlerweile an den Märkten mit zumindest zwei Zinserhöhungen gerechnet. Christine Lagarde hat dies in einer Rede bereits angedeutet und von „Gründen zur Wachsamkeit“ gesprochen. An den Märkten wissen wir aus der Vergangenheit, dass solche Formulierungen selten zufällig sind und oft Zinserhöhungen andeuten. Es würde mich nicht wundern, wenn die erste bereits in der nächsten Sitzung am 30. April passieren wird.
Durch den Zinsanstieg in den letzten Wochen sind auch die Anleihekurse rund um den Globus gefallen. Laut einer Analyse von Bloomberg sind Anleihen guter Schuldner an den Finanzmärkten mit rund 75 Billionen Dollar bewertet. Seit der Eskalation des Iran-Konflikts ist der Wert jedoch um mehr als zwei Billionen Dollar gesunken.
Historisch betrachtet konnten Anleihen in schwächeren Aktienmarktphasen durchaus als Risikopuffer dienen. Wie bereits im Jahr 2022 erleben wir aber wieder eine Phase, in der Investor:innen sowohl mit Anleihen als auch mit Aktien Geld verlieren. Spannenderweise sind Staatsanleihen, die viele Jahre als Sicherheitsinvestment schlechthin gegolten haben, aktuell stärker betroffen als Unternehmensanleihen.
Es braut sich aktuell einiges zusammen und die nächsten Wochen dürften von anhaltender Unsicherheit geprägt sein. Im Laufe der letzten Jahre und Jahrzehnte haben wir viele dieser Phasen erlebt. Und eines hat uns die Börsenhistorie immer wieder gezeigt: Selbst nach starken Rückgängen haben sich die Kurse langfristig erholt. Es war meist nur eine Frage der Zeit. Und manchmal musste man sehr lange darauf warten. Manchmal geht es aber auch schneller, als man denkt.