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Die Strahlkraft eines Rollkragenpullovers und ein drohendes Knock-Out
Draußen ist es noch dunkel. An die Sommerzeit habe ich mich noch nicht gewöhnt. Es fühlt sich irgendwie wie ein Mini-Jetlag an. Oder ist es doch nur die Frühjahrsmüdigkeit? Schlaftrunken stehe ich an der Espressomaschine, während ich durch den Newsflow meines iPhones scrolle. Im Hintergrund rattert die Maschine. Ein vertrautes und seit vielen Jahren liebgewonnenes Geräusch, das mich Tag für Tag begleitet. An einer News bleibe ich unweigerlich hängen. Apple wird 50.
Als Steve Jobs und Steve Wozniak am 1. April 1976 in einer Garage im Silicon Valley ihr Unternehmen gründeten, konnten sie wohl nicht einmal in ihren kühnsten Träumen erahnen, welche Dimensionen dieses „Projekt” einmal annehmen würde. Seit vielen Jahren ist Apple Inc.eines der wertvollsten Unternehmen der Welt. Aktuell wird der Techgigant mit einer Marktkapitalisierung von 3,3 Billionen Euro bewertet. Eine Zahl, die sich kaum greifen lässt, meinen Sie nicht auch? Insofern zücke ich einmal meinen iPhone-Rechner und breche das einmal in kleinere Einheiten herunter. Der Unternehmenswert von Apple ist im Durchschnitt um 66 Milliarden Euro pro Jahr gewachsen. Das entspricht 5,5 Milliarden Euro pro Monat oder rund 183 Millionen Euro pro Tag.
Der Vergleich macht die Dimension noch deutlicher, wenn wir uns die wertvollsten Unternehmen der DACH-Region ansehen. Das wertvollste DAX-Unternehmen ist SAP mit einem Börsenwert von 173 Milliarden Euro. In Österreich führt die Erste Group das Ranking der Marktkapitalisierung mit 37 Milliarden Euro an. Und das wertvollste Schweizer SMI-Unternehmen ist Roche mit 275 Milliarden Euro. Apple ist damit ungefähr siebenmal so viel wert wie die größten börsennotierten Unternehmen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen.
Die Erfolgsgeschichte von Apple ging aber nicht linear nach oben. Als ich im April 1998, also vor mittlerweile 28 Jahren, meinen ersten Job im Bankbereich angetreten habe, war Apple an der Börse „nur“ mit etwas mehr als 3 Milliarden Euro bewertet. Für mich ist Apple auch stark mit der Geschichte von Steve Jobs verbunden. 1985 wurde der im zwischenmenschlichen Umgang sicherlich nicht einfache Jobs aus dem eigenen Unternehmen gedrängt. Apple verlor in den darauffolgenden Jahren zunehmend an Strahlkraft, das Unternehmen geriet ins Taumeln und versank beinahe in der Bedeutungslosigkeit.
Erst mit der Rückkehr von Steve Jobs im Jahr 1997 begann die Wende. Innerhalb weniger Jahre formte er Apple neu. Er straffte die Produktpalette, legte einen klaren Fokus und verfolgte konsequent seine Strategie. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wurde Apple Kult. Produkte wie der iMac, der iPod und schließlich das iPhone machten aus einem angeschlagenen Computerhersteller eines der prägendsten Technologieunternehmen unserer Zeit. Laut Schätzungen ist das iPhone für rund 1,5 Milliarden Menschen der tägliche Wegbegleiter. Und Steve Jobs, der 2011 einem Krebsleiden erlag, wurde vom umstrittenen Rebell zur Ikone.
Ähnlich wie bei Apple scheint sich auch in Europa ein Comeback anzudeuten, mit dem vor einigen Jahren wohl die wenigsten gerechnet hätten. Griechenland war das Epizentrum der Eurokrise. Das Land wurde vom Indexanbieter MSCI im Jahr 2013 auf dem Höhepunkt der Schuldenkrise als Schwellenland herabgestuft. Nun erfolgt die Wende. MSCI stuft Griechenland künftig wieder als entwickelten Markt ein. Dadurch wird sich auch der Zugang zum Kapitalmarkt für griechische Unternehmen deutlich verbessern. In Summe werden unter anderem über ETFs rund 18,3 Billionen US-Dollar entlang der MSCI-Indizes veranlagt. Diese Entscheidung gilt als Meilenstein der wirtschaftlichen Erholung und ist für mich einmal mehr ein Beweis dafür, welche Bedeutung ein funktionierender Kapitalmarkt für eine Volkswirtschaft haben kann.
Was tut sich sonst? An den Finanzmärkten sind die Inflationsängste und die Rezessionssorgen zuletzt weiter gestiegen. In der Folge haben auch die Renditen für Anleihen deutlich angezogen. Die Notenbanken sind gefordert. Auslöser war der durch den Iran-Konflikt angefachte Anstieg des Ölpreises. Ein Blick auf die Zapfsäule reicht, um sich das täglich vor Augen zu führen. Damit haben wir es mit einem externen Schock zu tun und nicht mit einer klassischen, nachfragegetriebenen Inflation. Vergleiche zu 2022, als der Russland-Ukraine-Konflikt die Inflationsraten in für unsere Generation kaum vorstellbare Höhen getrieben hat, liegen auf der Hand. Für heuer werden bereits drei Zinserhöhungen erwartet. Es würde mich nicht überraschen, wenn der erste Zinsschritt bereits Ende April erfolgt.
Der steigende Ölpreis hat auch die Nachfrage nach E-Autos deutlich erhöht. Der chinesische Elektroautohersteller BYDhat zuletzt enttäuschende Zahlen vorgelegt. Der Vorstandsvorsitzende sprach in einem Aktionärsbrief offen von einer „brutalen Knock-out-Phase“ der gesamten Autobranche. Treiber sind ein zunehmender Verdrängungswettbewerb, eine geringe Markenloyalität der Kunden sowie hohe Entwicklungskosten. Ich denke aber, das die E-Autobauer dennoch optimistisch in die Zukunft blicken können, sofern der Ölpreis längere Zeit auf diesem hohen Niveau verbleiben sollte.
Ich persönlich bin seit vielen Jahren ein Fan von Apple. Damit meine ich sowohl die Perspektive als Kunde als auch jene als Investor. Der wahre Wert des Unternehmens liegt für mich in der Strahlkraft der Marke. Um den 50er und Steve Jobs zu würdigen, werde ich heute mit einem Rollkragenpullover außer Haus gehen. Irgendwie fühle ich mich allein dadurch schon innovativ und gerüstet. Wenn ich jetzt noch einen Espresso trinke, bin ich vermutlich unschlagbar, meinen Sie nicht auch?
Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, wünsche ich schon jetzt frohe Ostern und ein paar entspannte Tage.