Zahlreiche Gäst:innen aus Politik, Wissenschaft und der Sozialwirtschaft diskutierten gemeinsam über notwendige Veränderungen und innovative Ansätze für die Zukunft der sozialen Infrastruktur. Die Veranstaltung eröffnete Marie-Therese Sagl, Leiterin des Instituts Soziale Arbeit der FH JOANNEUM. Sie betonte die zentrale Rolle von Innovation und Zusammenarbeit gerade in Zeiten, in denen Budgets knapp sind: „Soziale Arbeit steht vor großen Herausforderungen. Gerade deshalb braucht es neue Ideen, interdisziplinäre Kooperationen und mutige Perspektiven. Wir müssen an einem Strang ziehen, denn nur gemeinsam können wir innovative Ideen entwickeln.“
Perspektiven aus Politik, Wissenschaft und Praxis
Unter der Moderation von Daniela Müller, Autorin und freie Journalistin bei den Salzburger Nachrichten, diskutierten Expert:innen aus unterschiedlichen Bereichen über aktuelle Entwicklungen und notwendige Reformen. Auf dem Podium vertreten waren Elke Kahr, Bürgermeisterin der Stadt Graz, Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark, Rainer Loidl, Professor für Soziologie an der FH JOANNEUM, Petra Prattes, Vizedirektorin der Caritas Steiermark und Nicole Traxler, Director Social and Digital Innovation bei der ERSTE Stiftung. Im Zentrum der Diskussion standen Fragen nach nachhaltiger Finanzierung sozialer Dienstleistungen, neuen Kooperationsformen zwischen öffentlicher Hand und Zivilgesellschaft sowie dem Potenzial sozialer Innovationen. Einigkeit herrschte darüber, dass gesellschaftliche Veränderungen – etwa zunehmende soziale Ungleichheit, demografischer Wandel oder Digitalisierung – neue Antworten der Sozialen Arbeit erfordern.
Innovative Ideen aus dem Masterstudium Soziale Arbeit
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion präsentierten Studierende des Masterstudiengangs Soziale Arbeit der FH JOANNEUM ihre Projektideen im Rahmen eines Gallery Walks. Die Konzepte entstanden in der Lehrveranstaltung „Out of the box – Nachhaltige Perspektiven für neue Bedarfe in der Sozialen Arbeit“ im 1. Semester des Masterstudiums und beschäftigen sich mit innovativen Lösungsansätzen für aktuelle Herausforderungen in der Sozialwirtschaft. Beim anschließenden Networking-Buffet nutzten Teilnehmende die Gelegenheit zum Gedanken- und Erfahrungsaustausch.
Stimmen der Teilnehmer:innen
Daniela Grabovac, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle Steiermark: „Um Kosten zu sparen, hat der Staat vor 30 Jahren im Sozialbereich vieles outgesourct. Das Gemeinwohl wurde und wird damit durch die Arbeit der Vereine und NGOs erhalten, die in der Erzählung mancher Politiker abgeschafft gehörten. Studien belegen jedoch, dass es teurer wäre, würde der Staat diese Aufgaben selbst übernehmen.“
Elke Kahr, Bürgermeisterin der Stadt Graz: „Die Absicherung der Sozialen Arbeit muss Auftrag der öffentlichen Hand sein.“
Rainer Loidl, Professor für Soziologie an der FH JOANNEUM: „Soziale Arbeit und Professionalisierung müssen Innovation einschließen: Zieht sie sich auf Fallverwaltung zurück, verliert sie Legitimation und sozialpolitische Kraft.“
Petra Prattes, Vizedirektorin der Caritas Steiermark: „Als Caritas haben wir eine Doppelrolle inne: Wir sind eine Hilfsorganisation, in der soziale Arbeit einen großen Raum einnimmt. Und wir betreiben selbst social business. Innovative Ansätze sind für uns auf beiden Ebenen relevant.“
Marie-Therese Sagl, Leiterin des Instituts Soziale Arbeit der FH JOANNEUM: „In Zeiten von Spardruck und Ökonomisierung darf nicht nur die Bewältigung von akuten Problemlagen im Vordergrund stehen, denn gerade präventive Angebote sparen hohe Kosten der Zukunft.“
Nicole Traxler, Director Social and Digital Innovation bei der ERSTE Stiftung: „Als ERSTE Stiftung verstehen wir uns als ,Lösungsinitiatorin’ für gesellschaftliche Probleme gemeinsam mit relevanten Stakeholdern. Die soziale Arbeit muss sich wahrscheinlich nicht neu erfinden, aber sollte mit der Zeit gehen und sich weiterentwickeln, um nahe an ihren Zielgruppen und relevant zu bleiben.“