Das Simulationszenario beginnt…
Frau J. liegt zugedeckt im Patientenbett, den Blick ins Leere gerichtet, die Hände ineinander verschränkt, als würde sie sich selbst festhalten. Auf dem Flur hört man Schritte, dann ein Klopfen und die Tür öffnet sich. Eine Pflegeperson betritt das Zimmer und stellt sich vor. „Darf ich mich zu Ihnen setzen?“, fragt die Pflegeperson leise. Nun herrscht Stille, die den Raum erfüllt.
In dieser behutsamen Atmosphäre ringt sich Frau J. zu einem Satz durch: „Kann ich mein Kind noch einmal sehen?“ Die Pflegeperson nickt sanft und antwortet: „Selbstverständlich, ich bringe es Ihnen.“
Als diese zurückkehrt, ist die Energie im Raum noch konzentrierter, als stünde die Zeit für einen Moment still. „Wenn Sie bereit sind, gebe ich Ihnen jetzt Ihren Sohn“, sagt die Pflegeperson ruhig und legt das Kind in die Arme der Mutter, mit beiden Händen, als würde sie die Bedeutung dieses Moments mittragen. Frau J. berührt die winzigen Finger ihres Sohnes. Die Pflegeperson bleibt im Hintergrund, präsent. Eine kurze Bemerkung: „Er hat so viele Haare.“ Ein Satz, der den Blick der Mutter lenkt und den Moment sanft trägt.
Vera und Rainer Juriatti sind erfahrene Sternenkindfotograf:innen, die solche Situationen schon unzählige Male begleitet haben. Gemeinsam haben sie den Verein Mein Sternenkind gegründet und arbeiten ehrenamtlich und unentgeltlich. Vera sagt immer: „Man kann sich nur von jemandem verabschieden, den man auch kennengelernt hat.“
Diese Haltung fließt auch in unsere Simulation ein. Vera und Rainer gestalten die Übung aktiv mit, teilen ihr Wissen und ihre Erfahrungen und ermöglichen unseren Studierenden am Institut für Gesundheits- und Krankenpflege, die sensible Kommunikation in Krisensituationen praxisnah zu erleben. So lernen sie nicht nur theoretisch, sondern spüren unmittelbar, wie wichtig Präsenz, Achtsamkeit und respektvoller Umgang sind.