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Technik, die Leistung misst: Aufbau des Inverterprüfstands

DI Dr. Martin Gossar, 30. Januar 2026
Infrastruktur & Prüfstände 1

Foto: FH JOANNEUM

Mit dem Ausbau unseres Prüffelds von klassischen Verbrennungsmotoren hin zu hochmodernen Inverter- und Elektroantriebsprüfständen schlägt das Institut Fahrzeugtechnik / Automotive Engineering ein neues Kapitel der Mobilitätsentwicklung auf. Jetzt entsteht eine Hightech-Infrastruktur, die die Zukunft der elektrischen Antriebe erlebbar macht. Der neue Inverterprüfstand geht im Sommer 2026 an der FH JOANNEUM in Graz in Betrieb.

Mit der Erweiterung unseres Prüffelds von klassischen Verbrennungsmotoren hin zu hochmodernen Elektroantrieben setzen wir ein deutliches Zeichen für die Zukunft der Mobilität. Was über Jahre hinweg als Kompetenzzentrum für Motorenprüfungen diente, entwickelt sich nun konsequent weiter zu einer leistungsstarken Testumgebung für elektrische Antriebssysteme.

Der erweiterte Fokus auf Inverterprüfungen markiert nicht nur einen technologischen Fortschritt, sondern stellt einen entscheidenden Schritt dar, um die Anforderungen einer zunehmend elektrifizierten Fahrzeugwelt abzubilden. Bisher war es uns an unseren Prüfständen möglich, elektrische Antriebsstränge, also die Kombination von Inverter und Motor, oder auch Inverter, Motor und Getriebe zu testen. Dazu war es nötig die klassischen Prüfstände durch einen Batterieemulator zu erweitern. Nun gehen wir den nächsten Schritt und investieren in einen Inverterprüfstand, der nun auch Inverter ohne Motor testen kann. Durch die Integration modernster Prüftechnik, erweiterter Sicherheitskonzepte und flexiblen Prüfstandkapazitäten schaffen wir die Grundlage, um E-Antriebe und deren Komponenten mit derselben Präzision, Reproduzierbarkeit und Tiefe zu testen, wie es jahrzehntelang im Bereich der Verbrenner Standard war.

Diese Erweiterung stärkt unser Prüffeld nachhaltig: Sie verbindet langjährige Erfahrung in der Antriebsentwicklung mit innovativen Technologien der Elektromobilität – und ermöglicht es uns, Entwicklungsprojekte von der ersten Idee bis zur Serienreife effizient zu begleiten. Damit gestalten wir den Wandel aktiv mit und eröffnen neue Perspektiven für zukunftsweisende Mobilitätslösungen.

Was ist ein Inverterprüfstand?

Ein Inverterprüfstand dient dazu, Inverter unter kontrollierten und reproduzierbaren Bedingungen in einem frühen Entwicklungsstadium zu testen. Dabei wird der Inverter, ohne der Verfügbarkeit eines Akkus oder eines Elektromotors, isoliert getestet. Dies geschieht, indem der Akku durch einen leistungsstarken Batterieemulator ersetzt wird und der eigentliche Elektromotor durch einen Emulator. Auf diese Weise werden der Akku und der Motor emuliert, um das Verhalten des Inverters testen zu können. Daraus ergibt sich der Vorteil, dass der Inverter selbst, wie sämtliche Regelalgorithmen sehr früh in der Gesamtentwicklung getestet werden können, was wiederum die Entwicklungskosten nachhaltig reduziert.

Im Gegensatz zu Versuchen im Fahrzeug oder Feldtests lassen sich am Prüfstand elektrische, thermische und klimatische Randbedingungen präzise einstellen und jederzeit wiederholen. Somit kann der Inverter an unterschiedlichen Motortypen, wie auch Leistungen getestet werden, ohne dass dieser in der Realität zur Verfügung steht. Der Prüfstand, und somit der Inverter selbst, kann hinsichtlich Umgebungstemperatur, Feuchtigkeit und Kühlkreislaufbedingungen konditioniert werden, sodass auch extreme Einsatzszenarien zuverlässig simuliert werden können.

Auf diese Weise hat man die Möglichkeit eine Vielzahl von Parametern und unterschiedliche Inverter – Motor – Kombinationen zu testen.

Mehrwert und Nutzen

Der wesentliche Vorteil eines Inverterprüfstands ist die Möglichkeit, realistische Betriebszustände des elektrischen Antriebsstrangs kontrolliert im Labor abzubilden. Dadurch lassen sich:

  • reproduzierbare Messungen unabhängig von Umgebungseinflüssen durchführen
  • definierte Belastungsprofile exakt nachfahren
  • unterschiedliche Akkuspannungen nachstellen
  • unterschiedliche Motortypen wie PMSM, ASM, EESM und SRM testen
  • Schwachstellen und Optimierungspotenziale früh erkennen
  • sicherheitsrelevante Funktionen unter Grenzbedingungen prüfen
  • Ergebnisse verschiedener Entwicklungsschritte direkt miteinander vergleichen

Der Zeitplan

Bereits seit Anfang 2024 wurde eine umfassende Literatur- und Marktanalyse durchgeführt, um ein Anforderungsprofil für den neuen Prüfstand zu erstellen. Aus diesem Anforderungsprofil und den geplanten Tests wurde ein detailliertes Lastenheft erarbeitet, dass in die anschließende Ausschreibungs- und Angebotsphase überging. Nach Bewertung aller technischen und wirtschaftlichen Kriterien wurde die Vergabe im September 2025 final beschlossen. Mit diesem Schritt ist die Planungsphase abgeschlossen und die Errichtung des Prüfstands kann beginnen. Der Zeitplan sieht eine Inbetrieb- und Abnahmephase ab März 2026 vor, bis der Prüfstand im Sommer 2026 in den Vollbetrieb übergeht. Dabei wird auch eine Akkreditierung angestrebt, um akkreditierte Messungen anbieten zu können.

Photo: (c) AVL SET GmbH

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