Ein starkes Signal für die englischsprachige Hochschullehre
Mit dem DACH Regional Meeting der ICLHE Association am 6. und 7. Februar 2026 waren das Institut Software Design und Security an der FH JOANNEUM (Mag. Petra Kletzenbauer) und die Universität Graz (Dr. Ulla Fürstenberg) Gastgeber für eine Tagung, die eindrucksvoll gezeigt hat, wie lebendig, differenziert und zukunftsweisend die Auseinandersetzung mit English-Medium Education (EME) im deutschsprachigen Hochschulraum ist. Zwei Tage lang kamen Forschende und Lehrende aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen, um Erfahrungen zu teilen, Fragen zu stellen und neue Perspektiven auf Sprache in der Hochschullehre zu entwickeln.
Sprache als Teil der Disziplin – nicht nur als Medium
Ein zentrales Fazit der Tagung: Sprache ist im internationalen Hochschulkontext weit mehr als ein Transportmittel für Inhalte. In zahlreichen Diskussionen wurde deutlich, dass fachliches Lernen und sprachliches Handeln untrennbar miteinander verbunden sind – unabhängig von Disziplin oder institutionellem Rahmen.
Diese Perspektive wurde besonders eindrucksvoll in der Keynote von Prof. Dr. Ute Smit (Universität Wien) sichtbar. Unter dem Titel „Exploring Multilingual Literacies in International Higher Education: Insights from Different Disciplines“ zeigte sie, wie unterschiedlich sich akademische Literacies in verschiedenen Fächern manifestieren – und welches Potenzial in einem bewussten Umgang mit Mehrsprachigkeit liegt. Ihr Vortrag lieferte nicht nur theoretische Impulse, sondern auch zahlreiche Anknüpfungspunkte für die eigene Lehrpraxis der Teilnehmer: innen.
Stimmen aus der Lehre: Content Teachers im Dialog
Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung lag auf den Perspektiven der Hochschullehrenden, die ihre Fächer auf Englisch unterrichten. In offenen, dialogorientierten Formaten reflektierten die Teilnehmenden ihre akademischen Hintergründe, ihre Motivation für englischsprachige Lehre sowie die konkreten Herausforderungen ihres Alltags.
Diskutiert wurden unter anderem:
- die Vorteile und Grenzen von EME,
- das eigene Verständnis der Rolle von Sprache im Fach,
- die Frage, inwieweit Sprache als Teil der Disziplin gedacht wird,
- sowie der Bedarf an institutioneller Unterstützung und interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Besonders deutlich wurde der Wunsch nach engerer Kooperation zwischen Fachlehrenden und Sprachexpert:innen – sowohl in der Lehre als auch in der Forschung. Nachhaltige EME-Konzepte entstehen dort, wo Expertise geteilt und gemeinsam weiterentwickelt wird.
Eine abschließende Runde von Lightning Talks machte deutlich, dass „teaching in English“ nicht eindimensional gedacht werden kann. Vielmehr bewegen sich die Lehrenden auf einem Kontinuum zwischen bewusstem didaktischem Einsatz von Englisch, beiläufigem Mitlernen der Sprache und jenen „Zwischenräumen“, in denen fachliches und sprachliches Lernen gleichzeitig – oft ungesteuert, aber wirkungsvoll – stattfinden.
Mit vielen neuen Kontakten, Ideen und Forschungsansätzen endete das Regional Meeting nach zwei ausgefüllten Tagen – und bildet zugleich den Ausgangspunkt für weitere Zusammenarbeit. Denn die Diskussion über Sprache, Fach und Lernen in der internationalen Hochschulbildung ist nicht abgeschlossen. Sie geht weiter – in der Lehre, in gemeinsamen Projekten und im nächsten Wiedersehen der ICLHE-Community.