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Der Blick schweift von der Zapfsäule zur Kurstafel
Der Iran-Krieg dominiert dieser Tage die Schlagzeilen. Menschlich ist das eine Katastrophe. Und natürlich reagieren auch die Börsen. Die Unsicherheit ist zurückgekehrt, und so mancher Börsianer läuft mit hochrotem Kopf über das glitschige Börsenparkett. Gerade wenn die Nachrichtenlage angespannt ist, darf mein morgendlicher Espresso nicht fehlen. Auf mich wirkt dieses vertraute Ritual sogar ein wenig beruhigend.
Als ich gestern an einer Tankstelle vorbeigefahren bin, wurde mir das Ausmaß auch unmittelbar vor Augen geführt. Der Ölpreis ist in die Höhe geschnellt. Ein kurzer Konflikt im Nahen Osten hätte vermutlich nur geringe wirtschaftliche Folgen. Wenn er jedoch länger andauert, wirkt sich das unmittelbar auf Inflation und Konjunktur rund um den Globus aus. Schätzungen zufolge kann ein Anstieg des Ölpreises um 10 Dollar das Wirtschaftswachstum in Industriestaaten um rund 0,3 % dämpfen.
Bei der Inflation sind die Energiepreise ebenfalls ein wesentlicher Treiber. Der Miniwarenkorb der Statistik Austria misst die Preisentwicklung eines typischen wöchentlichen Einkaufs. Dabei werden Nahrungsmittel, Dienstleistungen und auch Treibstoffe berücksichtigt. Hier haben Diesel und Benzin ein Gewicht von mehr als 20 %. An der Tankstelle lassen Herr und Frau Österreicher demnach rund ein Fünftel ihres Wochenbudgets. Wenn der Ölpreis im letzten Monat um mehr als 17 % gestiegen ist, liegt es daher auf der Hand, dass wir auch wieder mit steigenden Inflationsraten rechnen müssen.
Einer Schnellschätzung nach ist die Inflation im Februar bereits auf 2,2 % gestiegen. Wenn sich die Lage nicht entspannt, dürften die nächsten Zahlen wieder deutlich höher ausfallen. Und genau das bringt die Europäische Zentralbank in eine Zwickmühle. Zinserhöhungen würden zwar die Inflation bremsen, gleichzeitig aber den ohnehin schwachen europäischen Konjunkturmotor weiter abwürgen. Fakt ist allerdings auch, dass es sich dabei um einen externen Preisschock handelt. Eine mögliche Strategie wäre daher, diesen im ersten Schritt zu ignorieren und abzuwarten. Gleichzeitig ist die Preisstabilität das zentrale Mandat der EZB. Wenn es hart auf hart kommt, werden die Notenbanker:innen daher wohl nicht ewig zusehen. Ich bin schon gespannt, wie EZB-Präsidentin Christine Lagarde reagieren wird.
Ganz entspannt dürften diese Tage auch für US-Präsident Donald Trump nicht verlaufen. An der Wall Street wird gezittert, und aufgrund der steigenden Zahl an gefallenen US-Soldaten wächst der Widerstand gegen den Präsidenten. Ursprünglich hatte Trump ja angekündigt, sich aus fernen und ewigen Kriegen in aller Welt heraushalten zu wollen. Den Start der Intervention hat er darüber hinaus ohne Einbindung des Parlaments entschieden. Und genau das sieht die amerikanische Verfassung eigentlich anders vor.
Auch an den Börsen ist die Unsicherheit spürbar. Der bekannte Fear-&-Greed-Index versucht, genau diese Stimmung an den Finanzmärkten messbar zu machen. Der Indikator bewegt sich auf einer Skala von 0 bis 100. Niedrige Werte stehen für Angst, hohe Werte für Gier. Berechnet wird er aus sieben Marktindikatoren, darunter Volatilität oder auch die Nachfrage nach Anleihen mit schlechterer Kreditwürdigkeit. Spannend finde ich allerdings, dass wir uns gegenwärtig im Bereich der „Angst“ befinden, aber noch nicht im Bereich der „extremen Angst“. Anscheinend haben wir mit den stetig steigenden Unsicherheiten auch irgendwie leben gelernt.
Zusammenfassend haben wir im März fallende Aktienmärkte, steigende Renditen und steigende Rohstoffpreise erlebt. Und irgendwie erinnert mich das alles an das Jahr 2022, als der Russland-Ukraine-Konflikt begann. Damals haben sowohl Aktien als auch Anleihen durch den starken Zinsanstieg verloren. Aus meiner Sicht sind wir im Jahr 2026 allerdings besser darauf vorbereitet. Aber wer weiß – ich kann mich ja auch täuschen.