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Porträt

Dipl. Ing. (FH) Patrick Sturm

Absolvent von Informationsdesign

Patrick Sturm ist Director des Designstudios EAT MY DEAR und arbeitet als Motion-Designer, VFX-Artist und Grafikdesigner.

🎓 Das habe ich studiert:

⭐ Mein Job: Director Designstudio EAT MY DEAR / Designer (Motion Design & VFX, klassische Animation, Grafikdesign) in Wien, Österreich

Project von Patrik Sturm

Project von Patrik Sturm

Project von Patrik Sturm

Wie ist die inhaltliche Ausrichtung eures Designstudios?

Unsere Ausrichtung ist grundsätzlich sehr breit gefächert. Früher hätten wir gesagt, wir bieten „Hybrid Film“ an – also eine Kombination aus Design, Motion Graphics, VR und Realbild. Heute geht es uns mehr darum, unsere Kompetenzen in neuen Themenfeldern weiterzuentwickeln und gezielt einzusetzen. Ein wachsender Bereich ist dabei ganz klar das Thema Künstliche Intelligenz. Im Kern verstehen wir uns als Dienstleister im Filmbereich – etwa für Title Design oder VFX. Wir arbeiten viel in der Markenkommunikation, Werbung und im Fernsehen. Außerdem realisieren wir Projekte im Bereich VR und Projektionen. Ein besonderes Highlight war unsere Beteiligung am größten Projection Mapping der Welt – im Rahmen der Expo in Dubai für unseren Kunden Siemens. Idealerweise steigen wir bereits beim Storytelling ein, also direkt bei der Aufgabenstellung oder dem Problem. Am liebsten ist es uns sogar, wenn es noch kein fertiges Briefing gibt – so können wir uns konzeptionell mit einbringen und kreative Impulse von Anfang an setzen.

Wie viele Leute seid ihr im Moment?

Heute sind wir zu dritt – vor der Pandemie waren wir noch ein Team von zehn Personen. Mit der Zeit mussten wir immer mehr Projekte annehmen, die uns nicht wirklich erfüllten. Man macht dann einfach alles, um finanziell über die Runden zu kommen. Damals war unser Lebensstil noch ein anderer: Wir hatten keine Familien, arbeiteten teilweise Tag und Nacht. Das hat sich stark verändert. Die Flexibilität, die wir heute schätzen, wäre mit einem größeren Unternehmen kaum noch vereinbar.

Wie war eure Genese, habt ihr euch schon während der FH gegründet?

Wir haben uns 2005 gegründet – direkt nach unserem Abschluss. Im Herbst desselben Jahres entstand unser Unternehmen in einer WG im 6. Bezirk in Wien. Die Wohnung hatte drei Zimmer: Markus und ich haben dort gewohnt, und das mittlere Zimmer diente als Büro, in dem wir sogar Kund:innen empfangen haben. In diesem kleinen Büro haben wir zum Teil große Projekte umgesetzt. Für BWIN etwa haben wir dort eine der damals größten TV-Kampagnen Europas realisiert – das war einer unserer ersten Aufträge.

Was habt ihr damals angeboten, was so besonders war?

Damals ging es viel um 3D-Animation in Kombination mit Motion Graphics. Viele waren vom Vorspann des Films Se7en von David Fincher inspiriert – es entstanden sogar eigene Studios, weil diese Art von Motion Design als so bahnbrechend empfunden wurde. Auch wir waren fasziniert und wollten Design schaffen, das international bestehen kann. So sind wir in den Bereich Mixed Media eingestiegen. 2007 nahm das Ganze richtig Fahrt auf – bei einer niederländischen Firma, für die wir gearbeitet haben, konnten wir enorm viel lernen. Wir produzierten unter anderem Werbespots für den amerikanischen Markt. Es war eine harte, aber auch unglaublich prägende Erfahrung: Der Druck war enorm, der Stress riesig. Wir haben Tag und Nacht gearbeitet – ständig an der Belastungsgrenze. Aber das war unsere Feuertaufe.

Gibt’s ein persönliches Highlight in den letzten 20 Jahren?

Ein persönliches Highlight war der Kurzfilm, den ich 2018 realisiert habe – ein Gemeinschaftsprojekt zweier Studios. Der Film war sehr erfolgreich und feierte seine Premiere in New York. Dort habe ich auch meine Partnerin kennengelernt – eine großartige Zeit. Zur eigenen Premiere zu gehen, war ein ganz besonderes Gefühl. Ich war als Regisseur sehr stark eingebunden. Wir hatten ein großes Team, zwölf Drehtage, darunter ein aufwändiger Studiodreh in Vorarlberg und Außenszenen am Berg – mit metertiefem Schnee.

Was wollen Kund:innen heute, wenn sie zu euch kommen?

Wir befinden uns gerade in einem massiven Wandel: Mit dem Aufkommen von Künstlicher Intelligenz wird der Wert kreativer Arbeit zunehmend infrage gestellt, oder besser gesagt: von Maschinen untergraben. Es findet gerade ein grundlegender Wandel statt – Designprozesse und die eingesetzten Tools werden hinterfragt. Es kommt zu einer Art Entwertung: Vieles lässt sich heute automatisieren oder „behelfen“. Erst kürzlich wurde eine komplette KI-Kampagne umgesetzt. Doch bei der Character Animation sind sie an ihre Grenzen gestoßen – und genau da kamen wir ins Spiel. Ich befürchte, dass Design durch KI zunehmend in einer einheitlichen Suppe endet – glatt, steril, aber ohne echten Geschmack. Vielleicht ist genau das der Wendepunkt: dass wir uns fragen müssen, ob wirklich alles so slick sein muss. Oder ob es nicht auch wieder wilder, mutiger, lauter sein darf.

Wie kann man sich euren Alltag vorstellen?

Kundengespräche, Teamabstimmungen, Aufgaben verteilen, umsetzen, Probleme lösen – und irgendwann ist das Projekt abgeschlossen. Heute sind die Wege dabei sehr kurz, je nach Projektgröße. Wir besprechen das Notwendigste, ohne viel Überbau. Die Kommunikation mit den Kund:innen ist meist sehr direkt – und das ist oft auch sehr angenehm. Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Früher war das anders: Bei einem Projekt in den Niederlanden sind wir zum Beispiel fast wöchentlich nach Amsterdam geflogen, weil der Kunde uns persönlich sehen wollte. Wir haben dort manchmal nur einen einzigen Aspekt besprochen – mit unzähligen Abstimmungsschleifen. Solche Prozesse gibt es heute kaum noch. Aufgrund der Pandemie sind wir heute viel flexibler in der Umsetzung von Projekten – das ist ganz klar ein Vorteil. Andererseits sieht man sich seltener, und dadurch entstehen persönliche Beziehungen nicht mehr so leicht wie früher. Aber genau diese persönlichen Verbindungen sind wichtig fürs Geschäft – gerade in der Werbebranche, wo die Fluktuation sehr hoch ist. Wenn diese persönliche „Connection“ fehlt, wird es deutlich schwieriger, an neue Aufträge zu kommen.

Was brauchen deiner Ansicht nach Designer heute? 

Für Studierende würde ich empfehlen, sich zunächst die Generalistenrolle anzuschauen – um flexibel auf das reagieren zu können, was kommt. Denn wir wissen nicht, was kommt. Es kann gut sein, dass ein Spezialistenfeld von heute schon morgen verschwindet. Das haben viele erlebt, die zum Beispiel im Bereich Filmillustration oder Storyboarding gearbeitet haben – das waren gut bezahlte Jobs. Heute sehen wir, wie künstlich erzeugte Storyboards auf einmal zur Realität werden – oft schlecht, aber trotzdem da. Es schleicht sich ein. Und man muss genau hinschauen, wie man die eigene Qualität trotzdem erhält. Wichtig ist, mit einem gesunden Selbstbewusstsein an die Arbeit zu gehen und sich nicht unter Wert zu verkaufen – aber immer mit einem realistischen Blick auf das, was möglich ist. 

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