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Porträt

Ricarda Musil, BA MA

Absolventin von Informationsdesign und Communication Design

Etwas bewegen − die Welt einfacher und gleichzeitig schöner gestalten: Ricarda Schweigler ist selbstständige Kommunikationsdesignerin bei BRANDED und hat einen Lehrauftrag an der HTL Ortwein. Das ist für sie die perfekte Balance.

🎓 Das habe ich studiert:

Mein Job: Lehrauftrag an der HTL Ortwein | Grafik- & Kommunikationsdesign in Graz, Österreich

Du hast das Akademische Gymnasium in Graz besucht und bist dann zur HLW Schrödinger gewechselt. Wie kamst du dann zu Informationsdesign?

Genau, ich war im Akademischen Gymnasium in Graz, aber Latein wollte ich nicht als Fach bekommen. Deshalb habe ich mich entschieden, zur HLW Schrödinger zu wechseln, in den Bereich Kultur- und Kongressmanagement. Dort hatte ich das Glück, von Brigitte Schlick und der derzeitigen Direktorin Grete Petermandl unterrichtet zu werden – zwei Lehrerinnen, die mich sehr positiv beeinflusst haben. Ich erinnere mich noch genau an einen Ausflug, bei dem wir in der Straßenbahn nebeneinander standen. Brigitte fragte mich, was ich nach der Matura machen möchte. Ich hatte damals überlegt, entweder Medizin oder an der FH JOANNEUM Informationsdesign zu studieren. Sie hat mich sehr darin bestärkt, meiner kreativen Ader zu folgen und die Aufnahmeprüfung an der FH zu versuchen.

Wie verlief dein Weg nach dieser Entscheidung?

Ich habe an einer Mappenberatung teilgenommen, die zunächst ziemlich vernichtend für meine ausgewählten Arbeiten war. Doch gerade diese Kritik hat mich umso mehr motiviert. Daraufhin habe ich neue Arbeiten erstellt und es glücklicherweise gleich beim ersten Versuch geschafft, die Aufnahmeprüfung zu bestehen.

Was war für dich im Bachelor-Studium besonders prägend?

Ich hatte anfangs die Erwartung, dass uns Programme und technische Skills viel intensiver nähergebracht werden. Das war etwas frustrierend, weil viele meiner Kommilitonen von der Ortweinschule kamen und bereits sehr fit in diesen Bereichen waren. Zum Glück haben sie uns dann gut unterstützt. Der Wendepunkt für mich war das 5. Semester, als es zur Vertiefung kam. Da wurde mir klar, dass Programmierung und 3D-Animation nicht mein Weg sind. Stattdessen habe ich in der Vertiefungsrichtung Print meine Leidenschaft gefunden. Diese Erkenntnis hätte für mich ruhig schon früher kommen können.

Wo hast du dein Pflichtpraktikum absolviert?

Während des Studiums habe ich bereits ein Praktikum bei Neuroth in der Reinzeichnung gemacht, was wirklich eine tolle Erfahrung war, weil ich dort viele essentielle Dinge, insbesondere noch fehlende Programm-Skills erwerben konnte. Für mein großes, dreimonatiges Pflichtpraktikum war ich dann für ein halbes Jahr der Werbeagentur Kolle Rebbe in Hamburg. Diese Zeit hat mir einen enormen Schub in Sachen Selbstbewusstsein gegeben. Nach dem Praktikum hätte ich dort sogar einen festen Job bekommen, aber dann hatte ich ein prägendes Erlebnis. Ich wurde beauftragt, ein Konzept für eine Broschüre für einen großen deutschen Energiekonzern zu entwickeln und habe schnell gemerkt, dass es sich dabei um klassisches Greenwashing handelte. Obwohl ich die Broschüre fertigstellen musste, wurde mir in diesem Moment klar, dass ich so nicht arbeiten kann – ich will nicht meine Seele verkaufen.

Was hat dich dazu bewegt, Hamburg zu verlassen?

Ich wollte nicht länger in Hamburg bleiben, zum einen wegen des Wetters – es war mir einfach zu kalt. Zum anderen wollte ich mich nicht weiter ausbeuten lassen. Also bin ich nach Graz zurückgekehrt und habe mich voll und ganz auf meine Bachelorarbeit konzentriert. Dieser Einsatz hat sich zum Glück voll ausgezahlt: Mit meiner Arbeit habe ich in der Junior-Kategorie Kommunikationsdesign einen Red Dot Award gewonnen. Dafür bin ich meinem ehemaligen Studiengangsleiter Karl Stocker und Elfriede Wolfsberger sehr dankbar – sie haben sehr an meine Arbeit geglaubt. Der Unterricht von Helfried Pilz hat mich im Bereich Marketing sehr inspiriert; bei ihm habe ich dann auch meine Arbeit „Sind wir nicht alle ein bisschen bio?“ geschrieben.

Hat der Red Dot Award deine Karriere beeinflusst?

Absolut, vor allem in Bezug auf mein Selbstbewusstsein! Nach dem Bachelor war ich ein Semester an der Karl-Franzens-Universität eingeschrieben und habe Vorlesungen in Kunstgeschichte und Sustainable Studies besucht – das war auch sehr spannend. Im Herbst habe ich dann gemeinsam mit meinem Partner Patrick den Master in Communication Design begonnen. Zusätzlich haben wir uns beide für ein Praktikum in Kapstadt beworben und hatten das Glück, direkt Jobzusagen zu erhalten, sodass wir vier Monate dort leben und arbeiten konnten. Die Agentur in Kapstadt hat mir sogar bestätigt, dass sie durch den Red Dot Award in meiner Bewerbung auf mich aufmerksam geworden sind. Nach meiner Rückkehr aus Kapstadt habe ich mich dann direkt bei der Grazer Agentur Kadadesign im Bereich Editorial und Branding beworben und parallel zum Masterstudium als Freelancer dort gearbeitet.

Wie war deine Erfahrung bei Kadadesign?

Die Projekte, die Kund:innen und die Arbeit dort waren in vielerlei Hinsicht genial, besonders auch wegen der Größe der Agentur. Das hat sehr gut gepasst. Drei bis vier Jahre nach dem Studium stehst du dann vor der Entscheidung: entweder einen neuen, spannenden Job annehmen – oder selbstständig machen?

Wie hast du deine Selbständigkeit mit der Agentur BRANDED gestartet?

Wir haben im Grunde zu viert gestartet: Mein Partner Patrick, der bei Hornig tätig war und bereits teilweise selbstständig arbeitete, Christian Perner, der bei Paperwhite beschäftigt war und sich – wie ich – verändern wollte, und Sebastian, ein weiterer Kollege, der sich uns anschloss. Anfangs lief es wirklich gut für uns, aber leider wurde unsere Agentur BRANDED durch die Corona-Pandemie stark verändert und uns allesamt etwas unterschiedlich ausgerichtet. Projektweise arbeiten wir aber nach wie vor weiterhin zusammen.

Du unterrichtest außerdem an der HTL Ortwein. Wie kam es dazu?

Vor etwa acht Jahren habe ich mich selbstständig gemacht und mich relativ bald bei der HTL Ortwein beworben. Meine Idee war es, so am Ball zu bleiben und weiterhin soziale Kontakte im Grafikbereich zu pflegen. Außerdem dachte ich, dass das Abendkolleg gut mit der Selbstständigkeit kombinierbar wäre. Kurz darauf wurde ich angerufen und konnte bereits im nächsten Semester anfangen. Zunächst habe ich acht Stunden pro Woche unterrichtet, was perfekt passte. Im dritten Jahr wurde ich dann gefragt, ob ich für ein Jahr ausnahmsweise Vollzeit arbeiten könnte. Das kam mir überhaupt nicht gelegen, da wir bei BRANDED gerade eine sehr gute Auftragslage hatten, unter anderem eine Kampagne für Wutscher. Ich erinnere mich, dass ich heulend am Strand in Kapstadt saß und dachte, wie großartig die Selbstständigkeit gerade läuft. Dann sind wir nach Hause geflogen – das war im Januar 2020 – und im Februar ging es mit Corona los.

Also war das Timing eigentlich perfekt, um mehr zu unterrichten, oder?

Ja, genau. Ich habe dann beschlossen, einige meiner Kund:innen abzugeben, um mehr an der Ortweinschule zu unterrichten. Dort lehre ich die Fächer Marketing und Entwerfen.  Besonders die „Virtuelle Firma“, das Abschlussprojekt in Entwerfen liebe ich, weil dabei alles fiktiv ist! Den Schüler:innen sage ich schon beim Briefing: „Jetzt habt ihr die Gelegenheit, etwas richtig Geniales nur für euch zu machen, fürs Portfolio.“ Diese Möglichkeit, einmal ganz ohne Vorgaben kreativ zu sein, ist etwas Besonderes. Im späteren Berufsleben müssen sie ständig Aufträge erfüllen, aber jetzt können sie wirklich ihr eigenes Ding machen – und dabei entstehen immer großartige Ideen.

Unsere Absolvent:innen

Du möchtest weitere Absolvent:innen der FH JOANNEUM kennenlernen, mehr über ihr Studium und ihren Berufsweg erfahren? Hier findest du alle Porträts.

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