Big Data und künstliche Intelligenz: Welche Potenziale bestehen für Unternehmen?
Maschinen sammeln verschiedene Daten, die auch für KMU Vorteile bringen können (© FH JOANNEUM / Martin Egger)

Big Data und Künstliche Intelligenz: Welche Potenziale bestehen für Unternehmen?

Eva-Maria Kienzl,

Sensoren der eigenen Maschinen, gesammelte Absatzzahlen, Interessensbekundungen potenzieller Kundinnen und Kunden – es fallen viele Daten an. Wie kleine und mittlere Unternehmen – kurz: KMU – davon profitieren können, zeigt ihnen unser neues Forschungszentrum BARC.

BARC steht für „Big Data Analytics & Artificial Intelligence Research Center“. Der Name ist Programm und erklärt ziemlich genau, womit sich unser neues Forschungsprojekt befasst: Bei Big Data Analytics werden Muster in großen, unstrukturierten und sich schnell verändernden Datenmengen gesucht und im Idealfall Zusammenhänge entdeckt, die nützliche Informationen bringen. Für Unternehmen können das Wettbewerbsvorteile sein, die zu einer höheren Effizienz in der Produktion oder zielgruppenspezifischerem Marketing beitragen. Artificial Intelligence ist der zweite Fachausdruck, bei dem es sich um den englischen Terminus zu Künstlicher Intelligenz (KI) handelt. Dieser Informatikbereich befasst sich mit dem Lernen von Maschinen und der Automatisierung der Produktion.

Beide Begriffe sind zentrale Schlagworte der Digitalisierung und werden im Forschungs- und Innovationszentrum (= Research Center) unter der Leitung der FH JOANNEUM auf Potenziale für den Einsatz in regionalen KMU abgeklopft. Und dabei gibt es viele: etwa Predictive Maintenance, also die Vorhersage optimaler Wartungsintervalle basierend auf Sensordaten, die die Maschinen direkt liefern, oder die Erschließung komplett neue Tätigkeitsfelder, die sich durch Datenanalyse ergeben. Ein internationales Best-Practice-Beispiel ist FoodCloud. Das Unternehmen bietet einen Service an, um Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Dabei werden Überschüsse von Lebensmittelhändlern an wohltätige Organisationen weitergegeben. Datenaustausch bildet die Grundlage für diesen Dienst.

KMU, KI und Big Data
Auch für bestehende, regionale KMU können Künstliche Intelligenz und Datenanalyse Vorteile am Markt mit sich bringen. Beim niederschwelligen Einstieg in die Thematik unterstützt unser neues Forschungszentrum. Die FH-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter entwickeln dabei gemeinsam mit den einzelnen KMU ein maßgeschneidertes Pilotprojekt und setzen dieses ohne Kosten für das Unternehmen um. Das KMU profitiert nicht nur vom Projektergebnis, sondern sammelt auch Erfahrungen in der Konzeption und Umsetzung von IT-Projekten. Nach dem Abschluss des Pilotprojekts bleibt der Kontakt bestehen. Nachfolgeprojekte werden allen KMU angeboten.

Die Forscherinnen und Forscher der drei Institute des Departments Angewandte Informatik, die das Kernteam von BARC bilden, haben sich für dieses Projekt universitäre Unterstützung geholt – innerhalb der FH JOANNEUM von neun weiteren Instituten, die ihre Expertise einbringen, aber auch von anderen Hochschulen. Das Know-Center der TU Graz und die Montanuniversität Leoben bringen als externe wissenschaftliche Begleiter ihr Wissen mit ein. Diese hochschulübergreifende Zusammenarbeit hat sich in der Vergangenheit schon bei mehreren Projekten wie dem „Green Big Data“-Lehrgang als erfolgreich erwiesen.

Das neue Projekt „Big Data Analytics & Artificial Intelligence Research Center (BARC)” wird im Rahmen der Programmlinie COIN der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG finanziell gefördert. Es gibt noch zwei weitere neue Forschungsprojekte: Es wird einerseits an einem Screening-Instrument zur Früherkennung von und physischen Einschränkungen wie Demenz geforscht und andererseits die Proteinversorgung der Zukunft durch Insekten als Nahrungsmittel behandelt.