Von Zwei die nach Afrika aufbrachen, um erneuerbare Energie zu unterrichten
Josef Bärnthaler

Von zweien, die nach Afrika aufbrachen, um erneuerbare Energie zu unterrichten

Karin Kuchler,

Mozambique liegt rund 16 Flugstunden und viele Welten von der FH JOANNEUM und unseren High-Tech-Labors am Bachelorstudiengang „Energie-, Mobilitäts- und Umweltmanagement“ entfernt. Christof Sumereder und Josef Bärnthaler dokumentierten ihre Reise an die University of Zambeze. Dort tragen sie zur Entwicklung eines Bachelorstudiengangs rund um erneuerbare Energien bei.

Mozambique ist reich an erneuerbaren Energieressourcen und Potenzial. Bereits in den 1950er-Jahren wurden unter der Schirmherrschaft der Kolonialmacht Portugal die ersten großen Wasserkraftprojekte realisiert. Der Großteil der Infrastruktur ist allerdings noch älter und Erneuerungsprojekte laufen daher nur sehr schleppend an. Neue Technologien wie Photovoltaik oder Windparks stecken noch gänzlich in den Kinderschuhen. Aus diesem Grund setzt sich das Projekt RETEM, „Capacity Building for Renewable Energy Technologies in Mozambique“, die Entwicklung eines Bachelorstudienganges für erneuerbare Energie sowie den Aufbau eines Energielabors für die University of Zambeze zum Ziel. Christof Sumereder, Leiter des Forschungsprojektes, und Josef Bärnthaler reisten diesen Herbst nach Chimoio an die University of Zambeze und kamen um einige Erkenntnisse und Erlebnisse reicher vom Kick-off des Projekts zurück.

Im folgenden Fotoreisebericht berichten sie uns von ihren persönlichen Eindrücken:

Ankunft an der University of Zambeze

Mit freudestrahlenden Gesichtern wurden wir von einer Gruppe Lehrender und Studierender am Campuseingang mit Spalier und persönlichem Handschlag sehr herzlich empfangen. Die Auftaktveranstaltung fand vor großem Publikum statt, bestehend aus dem Rektor und dem Dekan der University of Zambeze sowie Institutsleitern, unzähligen Vortragenden und Studierenden. Beim Kick-off fanden sich nicht nur 200 interessierte Gäste ein, auch das nationale Fernsehen war geladen und interviewte Christof Sumereder, wie durch erneuerbare Energien und Ausbildungsprogramme neue Arbeitsplätze und mehr Lebensqualität geschaffen werden können. Ein besonderes Highlight waren die täglichen Workshops zum Thema Renewables mit den zukünftigen Vortragenden sowie die Eröffnung des durch RETEM geförderten Energielabors.

Eine Provinz ohne Tourismus

In Chimoio gibt es weder Postkarten noch Souvenirläden – eine Seltenheit in Zeiten der allgegenwärtigen Überflutung durch Souvenirs und Kitsch. Kaum zu glauben, aber in dieser Region gibt es keinen sichtbaren Tourismus. Nur der Coca-Cola-Mann war schon da. Besonders freuten wir uns auch, eine uns gut bekannte Supermarktkette zu entdecken.

Sprachen: Portugiesisch, Englisch und einige mehr...

Mozambique war eine portugiesische Provinz, daher ist Portugiesisch neben diversen afrikanischen Sprachen auch Amtssprache. Englisch wird zwar häufig verstanden, jedoch eher ungerne gesprochen. Die Leute gehen sehr offen und freundlich auf Fremde zu und mit der Zeit versteht man auch immer mehr Wortfetzen.

Foto: Josef Bärnthaler
Nette Kommunikation mit den Locals

Von A nach B im Linksverkehr

Wer in Chimoio öffentlich unterwegs ist, muss unweigerlich auf Tuchfühlung mit seinen Weggefährten gehen. Die Fortbewegung passiert so gut wie ausschließlich mit einem der unzähligen Kleinbusse: Zwanzig Personen samt Gepäck sind keine Seltenheit.

Apropos Tuchfühlung: Die Jüngsten werden natürlich nach alter Tradition in modisch ansprechenden und auf die Kleidung abgestimmten Tragetüchern und nicht in Kinderwägen transportiert. Sämtliche Waren werden fast ausschließlich am Kopf getragen.

Wie immer ist der Verkehr auf der falschen Seite anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Im Gegensatz zu Österreich ist Tempo 140 noch lange kein Thema, die Fahrgeschwindigkeit wird hier rein an die Tiefe der Schlaglöcher in der Straße angepasst. Und wenn nichts mehr funktioniert, geht es ab ins Gelände.

Shopping mal anders

Unser Eindruck: Die Leute hier leben als Selbstversorger und tauschen untereinander ihre Lebensmittel aus. Auf dem Boden wird einfach ein Tuch ausgebreitet, auf dem die Waren angeboten werden: Früchte, Gemüse, Holz beziehungsweise Holzkohle, Öfen, Bekleidung, Schuhe. Untertags wird das nötige Brennholz gesammelt oder getauscht. Abends wird gekocht und eine Rauchwolke durchzieht die Provinz. Wasser wird in Kanistern beim Dorfbrunnen geholt, die einfachen Behausungen haben weder Strom noch Wasseranschluss – wir sind hier Welten von Kapfenberg oder Graz entfernt. Oftmals sieht man ein Gemeinschafts-PV-Modul, an dem Handys aufgeladen werden.

Bei uns ein neuer Trend, in Mozambique Alltag: das Repaircafé

Bei uns ein wiederentdeckter Trend – in Mozambique ein Alltagsbild: das Reparieren von Gebrauchsgegenständen. Am Straßenrand trifft man sich kurzerhand zum gemeinsamen Reparieren und Schrauben am fahrbaren Untersatz, egal ob Fahrrad, Moped oder LKW – alles kann und wird auch wieder fahrtüchtig gemacht.

Das waren unsere ersten Eindrücke aus Mozambique! Wir kommen definitiv zurück und halten Sie über den Projektfortschritt auf dem Laufenden.