Erster Academic Standards Day in Graz mit RADIUS
Univ.-Prof. Elisabeth Staudegger, Welcoming the Audience to the 1st ASD.
Standards bilden die Grundlage für Innovation, Interoperabilität und Vertrauen – insbesondere in einer zunehmend digitalen Welt. Welche Bedeutung sie für Forschung, Lehre und Zukunftstechnologien wie Künstliche Intelligenz haben, stand im Mittelpunkt des ersten österreichischen Academic Standards Day in Graz. Mit dabei war auch das Forschungsprojekt RADIUS der FH JOANNEUM, das aufzeigte, wie technische Normen dabei helfen können, komplexe rechtliche Anforderungen verständlicher und anwendbarer zu machen.
Standards als wichtige Treiber für Wirtschaftswachstum
Am 16. Juni 2026 fand der erste österreichische Academic Standards Day (ASD) in der schönen Atmosphäre der Aula der Karl-Franzens-Universität Graz statt.
Der ASD ist Teil des EU-geförderten Forschungsprojekts EDU4Standards, das darauf abzielt, die Standardisierungsausbildung an europäischen Hochschulen zu innovieren.
Standards werden zunehmend als wichtige Treiber des wirtschaftlichen Wachstums angesehen – nicht nur in der Industrie, sondern auch im Bildungsbereich. Deshalb befasst sich das Projekt EDU4Standards mit der bislang unzureichenden Nutzung der Standardisierung in Bildung und Forschung.
EDU4Standards stärkt die Standardisierung in der Hochschulbildung
Mit seinem umfassenden Ansatz berücksichtigt das Projekt zahlreiche Aspekte, darunter die Entwicklung von Lehrkonzepten, die Sensibilisierung für Standardisierung, den Ausbau von Bildungsangeboten, den Aufbau einer Community von Lehrenden und Lernenden sowie die Gründung einer EU-weiten Studierendenvereinigung für Standardisierung.
Das von Fraunhofer ISI koordinierte Konsortium vereint 17 Partner aus elf verschiedenen Ländern. Weitere Informationen finden Sie unter: The project | EDU4Standards.
EDU4Standards organisiert insgesamt 15 Academic Standards Days in zehn verschiedenen Ländern. Diese Veranstaltungen sollen das Verständnis für Standardisierung vertiefen und das Engagement in diesem Bereich in ganz Europa fördern. Forschende, Studierende, Lehrende und Fachleute kommen dabei in einer Reihe interaktiver und informativer Veranstaltungen zusammen.
Photo: EDU4Standards.eu
EDU4Standards.eu Logo
Das abwechslungsreiche Programm am Academic Standards Day mit fachlichem und persönlichem Austausch
Der erste Academic Standards Day fand in Graz statt und wurde von der Karl-Franzens-Universität Graz, Fakultät für Grundlagen des Rechts und IT, organisiert. Die Fakultät blickt auf eine lange Tradition im Bereich IT zurück, die bis in die 1970er-Jahre unter dem Begriff „Rechtsinformatik“ reicht.
Die treibende Kraft hinter dem ersten ASD war Univ.-Prof. Elisabeth Staudegger. Sie forscht am Institut für Grundlagen des Rechts interdisziplinär in enger Zusammenarbeit mit dem Forschungsnetzwerk „Human Factor in Digital Transformation“ zum Thema vertrauenswürdige IT und Künstliche Intelligenz nach dem Ansatz „Values by Design“.
Die Veranstaltung begann mit Eröffnungsreden von vier hochrangigen Persönlichkeiten: Andrea Kurz (Rektorin der Med Uni Graz), Horst Bischof (Rektor der TU Graz), Michael Terler (Vizerektor der CAMPUS 02) und Martin Polaschek (ehemaliger Bundesminister und Universität Graz).
Am Vormittag wurden Informationen über die Bedeutung der Standardisierung sowie darüber vermittelt, warum Kompetenzen im Bereich Standardisierung an Universitäten gelehrt werden sollten.
Anschließend verband die Veranstaltung kurze Fachvorträge mit interaktiven und unterhaltsamen Formaten – ganz wie angekündigt. Dazu gehörten eine Pop-up-Videoproduktion, eine World-Café-Session sowie Posterpräsentationen.
Gemeinsam erlebten die Teilnehmenden einen Tag voller fachlicher und persönlicher Eindrücke. In den Videos erzählten die Beteiligten von ihrem persönlichen Lieblingsstandard und zeigten damit die große Bandbreite an Standards auf, die für unser tägliches Leben relevant sind.
Photo: FH JOANNEUM
ASD Poster Präsentation am Academic Standards Day, 16. Juni 2026
Das Projekt RADIUS und die Rolle technischer Normen
Im Rahmen der RADIUS-Präsentation stellte Sabine Proßnegg die Ziele und Inhalte des Projekts sowie erste Ergebnisse vor.
Die im Projekt RADIUS durchgeführte rechtswissenschaftliche Forschung zeigte deutlich, dass rechtliche Dokumente wie der AI Act und die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) zwar von großer Bedeutung sind, für Menschen außerhalb der Wissenschaft oder der Rechtswelt jedoch häufig schwer verständlich bleiben.
Technische Normen können hier als eine Art Übersetzung dienen, indem sie rechtliche Anforderungen in technisch umsetzbare Aufgaben überführen. Darüber hinaus verweisen Rechtstexte aufgrund der Notwendigkeit, sich an die sich rasch wandelnde digitale Welt anzupassen, immer häufiger auf technische Normen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass technische Normen im Projekt RADIUS nicht nur dazu beitragen, teilweise abstrakte rechtliche Vorgaben zu konkretisieren, sondern auch helfen, die Ziele dieser Rechtsvorschriften besser zu verstehen und praktisch umzusetzen.
Vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz nach ISO/TR 24028:2020
Anschließend gab Sabine Proßnegg einen kurzen Einblick in die ISO/TR 24028:2020 „Trustworthy AI“.
Diese technische Spezifikation definiert Vertrauenswürdigkeit sowohl als einen fortlaufenden organisatorischen Prozess als auch als eine nicht-funktionale Anforderung.
Ein inspirierender Auftakt
Zusammenfassend war der erste Academic Standards Day ein sehr informativer, zugleich unterhaltsamer und inspirierender Tag. Es bleibt zu hoffen, dass dieser ASD keine einmalige Veranstaltung bleibt, sondern einen nachhaltigen Impuls für die Weiterentwicklung und Anwendung von Standards in der Wissenschaft setzt.
Auch Austrian Standards International (ASI) war durch Karl Grün vertreten und unterstützte die Veranstaltung. Er äußerte den Wunsch, Graz als Zentrum für Standardisierung zu etablieren.
Weitere Informationen zu Austrian Standards finden Sie unter: We norm the future | Austrian Standards.
KI live erleben: AI Summit 2026
Interessieren Sie sich für weitere Themen rund um Künstliche Intelligenz? Dann nehmen Sie am AI Summit Styria 2026 teil – einer Konferenz im Rahmen des FFG-(COIN)-geförderten Projekts RADIUS.
Beim AI Summit Styria in Kapfenberg im Oktober 2026 werden aktuelle Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet – von technischen Anwendungen bis hin zu rechtlichen Fragestellungen.
Photo: FH JOANNEUM
AI SUMMIT Styria Banner