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Es geht ja „nur“ um unsere Zukunft.

DI Dr. Uwe Trattnig, 16.Dezember 2015
Es geht ja „nur“ um unsere Zukunft.

Am 12. Dezember 2015 wurde zum Abschluss der 21. Conference of the Parties (COP21) ein historisches Abkommen zum Klimaschutz getroffen – alle 195 Mitgliedsstaaten der UN-Klimarahmenkonvention haben ein Nachfolgeabkommen zum Kyoto Protokoll abgeschlossen, wenngleich erst noch 55 Staaten dieses Abkommen innerstaatlich in Kraft setzen müssen.

Der Kernpunkt des Übereinkommens ist die Begrenzung des weltweiten durchschnittlichen Temperaturanstiegs auf weniger als zwei Grad. Ein durchaus ambitioniertes Ziel, denn: das Zwei-Grad-Ziel ist in manchen Regionen unzureichend. Speziell Inselstaaten sind durch den Meeresspiegelanstieg besonders gefährdet – deshalb ist mancherorts eine Reduktion auf 1,5 Grad anzustreben.

Im Vorfeld der Konferenz haben 186 Länder ihren nationalen Maßnahmenkatalog zur Senkung der Treibhausgase präsentiert. Die UNFCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) publizierte die Bewertung dieser Klimaschutzbeiträge am 1. November 2015. Auf Basis dieser Beiträge und der Einschätzung der KlimaforscherInnen wäre eine globale Klimaerwärmung zwischen 2,7 und 3,1 Grad zu erwarten.

Im Pariser Agreement wurden daher die Länder aufgerufen, alle fünf Jahre ihre Klimaziele mit Beginn 2020 zu überprüfen und erforderlichenfalls nachzuschärfen. Zusätzlich soll in der zweiten Jahrhunderthälfte die CO2-Neutralität erreicht werden und dafür soll die Verwendung der höchst umweltverschmutzenden fossilen Energieträger schrittweise gestoppt werden.

Bei der COP21 ging es auch darum, welchen Beitrag die jeweiligen Länder zur CO2-Reduktion beizutragen haben. Und welche Verantwortung an der CO2-Emission in Relation zum Lebens- und Vermögensstandard eines Landes anzurechnen ist. Daher sollen die wohlhabenderen Industriestaaten ab 2020 jährlich 100 Milliarden USD in einen Klimafonds für die finanzielle Unterstützung der erforderlichen Projekte und Maßnahmen in den Entwicklungsländern einzahlen.

Und wie sieht’s bei uns aus?

Österreich gehört sicherlich zu den weltweit führenden Staaten in Sachen regenerativer Energieerzeugung, Nachhaltigkeit und Klimaschutz, jedoch sind noch längst nicht alle Hausaufgaben erledigt. Ein paar Zahlen: Die Gesamterzeugung von elektrischer Energie umfasste im Jahre 2014 rund 65,1 TWh (Terrawattstunden). Davon stammen immerhin 80,1 % aus erneuerbaren Energien. Die fehlenden 19,9 % klingen zunächst als machbar erscheinende Aufgabe.

Leider ist das noch nicht die ganze Wahrheit. Österreich hat im Jahre 2014 zusätzlich zur Eigenerzeugung noch rund 9,3 TWh elektrische Energie aus den Nachbarstaaten importiert. Da diese Stromimporte über die Börse gehandelt werden, ist eine Zuordnung nach Erzeugungsart nicht möglich. Deshalb ist bei dieser Menge ebenfalls von nicht regenerativ erzeugter elektrischer Energie auszugehen. Rechnet man diese Menge zur in Österreich insgesamt benötigten elektrischen Energie dazu, ergibt sich eine Summenbilanz von nur mehr ca. 70,2 % regenerativ erzeugter elektrischer Energie.

Hält man sich zudem vor Augen, dass die Erhöhung des Gesamtanteils erneuerbarer Energieträger in der elektrischen Energieerzeugung in Österreich um rund 15 Prozentpunkte ebenfalls 15 Jahre gedauert hat, erkennt man die Tragweite für eine völlige CO2 neutrale Energieerzeugung. Dabei haben wir jetzt noch keine Energieverbrauchssteigerungen oder andere Energienutzungsformen, wie beispielsweise Kochen und Heizen mit Erdgas, betrachtet. Von anderen Energieverbräuchen wie dem Mobilitätsbereich, beispielsweise Treibstoffverbrauch, ganz abgesehen.

Die geforderte fossilfreie Energieversorgung ist in den Monaten mit ausreichend regenerativem Energieangebot sicherlich umsetzbar. Knackpunkt wird bedingt durch die Heizperiode der Winter werden. Die regenerative Gewinnung und Speicherung von Energie in welcher Form auch immer wird im Bereich der Mobilität ein großes Thema werden, falls fossile Energieträge ab der zweiten Jahrhunderthälfte völlig verbannt werden. Dies wird eine massive Umschichtung von fossilen Treibstoffen hin zu regenerativ erzeugter elektrischer Energie bedeuten. Die Rolle von Erdgas als Energieträger und möglicherweise auch der Einsatz der Kernenergie – zumindest weltweit betrachtet – wird daher signifikant an Bedeutung gewinnen – obwohl beide Technologien nicht wirklich regenerativ sind. Dieser Entwicklung wird mit massiver Energieeffizienz und optimalen Infrastrukturen – Stichwort Smart Cities – zu begegnen sein.

Global gesehen ist Österreich aufgrund seiner regenerativen Energieressourcen und seiner Rolle als Technologieführer im Bereich von Forschung, Entwicklung und Ausbildung in Sachen Energie-/Verkehrs- und Umwelttechnik gut für die Herausforderungen der Energie- und Klimazukunft gerüstet. Es wäre aber naiv anzunehmen, dass wir alle zur Tagesordnung übergehen können und sich die interdisziplinären Herausforderungen von selber lösen werden. Das Studium „Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement“ bereitet die Absolventinnen und Absolventen ideal für die kommenden Aufgaben vor und ist ein Garant für eine spannende, herausfordernde und erfolgreiche Berufstätigkeit im Umweltmanagementbereich – letztendlich geht es ja „nur“ um unsere Zukunft.

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