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Kopenhagen – Berlin – Ottensheim

Stefanie Weinrauch & Eva-Maria Kienzl, 13.März 2018
Kopenhagen – Berlin – Ottensheim 3

© FH JOANNEUM / Marion Luttenberger

Auf den Spuren unserer Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs „Architektur“: Um einen Einblick in das Leben und den Arbeitsalltag unserer ehemaligen Studierenden zu bekommen, haben wir drei von ihnen zum Interview gebeten.

Sie sind seit kurzer Zeit mit Ihrem Studium fertig, wohin hat Sie Ihr Weg geführt?
Mario Steiner: Seit Oktober arbeite ich bei 3XN Architekten in Kopenhagen.
Corinna Maigler: Nach Berlin zu BAP Architekten & Ingenieuren.
Patrick Stumbauer: Nach einer kurzen Auszeit im Ausland bin ich zurück nach Oberösterreich und habe Arbeit in einem relativ ‚jungen‘ Büro – TWO IN A BOX Architekten – gefunden.

Warum haben Sie sich für Ihre Arbeit entschieden?
Mario Steiner: Ich habe mich zuerst entschieden nach Kopenhagen zu gehen und danach bei den bekanntesten Büros beworben. Von 3XN habe ich sehr schnell eine Rückmeldung bekommen und ein Skype-Gespräch geführt. Danach konnte ich sofort zu arbeiten beginnen. Ich war selbst überrascht, wie schnell alles gegangen ist.
Corinna Maigler: Ich habe mich bewusst für ein kleines Büro, in diesem Fall 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, entschieden. Ich kann in den Leistungsphasen 1-9 nach HOAI eigenverantwortlich arbeiten, bearbeite sowohl Projekte im denkmalgeschützten Bestand als auch Neubauten.
Patrick Stumbauer: Bei der Suche nach dem passenden Büro waren für mich die Bereiche Wettbewerbe und Entwurf, ein junges und kleines Team und eine Art von Architektur, in der ich mich widerspiegeln kann, ausschlaggebend.

In welchem Bereich der Architektur arbeiten Sie?
Mario Steiner: Ich arbeite an zwei verschiedenen Projekten. Das erste Projekt ist in Stuttgart: Eine Dualhochschule befindet sich in der Ausführungsplanung im Rohbau und wir arbeiten zu zweit an diesem Projekt. Das andere Projekt ist in Bielefeld und wird das neue Hauptquartier der Firma Schüco. Es befindet sich gerade in der Einreichplanung. In diesem Projekt sind wir je nach Dringlichkeit rund fünf Leute.
Corinna Maigler: Ich arbeite in allen Leistungsphasen. Das Leistungsspektrum reicht von Konzeptentwicklungen über Neubauten und Sanierungen von Gebäuden bis hin zur Projektsteuerung und Dokumentation. Der Projektschwerpunkt liegt auf Gebäuden mit Büro- und Gewerbenutzungen, Werkstattgebäude und Wohngebäude.
Patrick Stumbauer: Hauptsächlich arbeite ich an Wettbewerben, nebenbei in der Einreichung, Detailplanung oder Ausführung.

Wie sieht Ihr Büroalltag aus?
Mario Steiner: Großteils sammle ich Informationen von Fachplanerinnen und -planern und übertrage diese in unsere Pläne.
Corinna Maigler: Neben den täglichen Telefonaten und E-Mails mit Auftraggebern, Behörden und Firmen erstelle ich beispielsweise Leistungsverzeichnisse, Bestands-, Entwurfs- und Ausführungspläne, prüfe Rechnungen und Angebote, nehme an diversen Besprechungen und Bauabnahmen teil.
Patrick Stumbauer: Einen Alltag gibt es nicht: Jeder Tag ist anders. Grundsätzlich arbeite ich an Wettbewerben, das heißt in entwickle Ideen und originelle Lösungen. Nebenbei betreue ich noch Projekte in der Einreichungsphase. Aktuell arbeite ich auch noch an einem Projekt kurz vor der Ausführung. Das bedeutet beispielsweise, Details zu entwickeln oder mit Sonderfachplanerinnen und -planern zu diskutieren.

Wie spezialisiert oder umgekehrt wie generalistisch ist Ihre Tätigkeit?
Corinna Maigler: Mein Arbeitsleben ist eher generalistisch geprägt, da ich in allen Leistungsphasen eingesetzt werde und sich die einzelnen Projekte – trotz des Schwerpunkts Büro- und Gewerbenutzung – in Ihrem Umfang, der Koordination und den baulichen Begebenheiten sehr unterscheiden.
Patrick Stumbauer: Im Büro arbeitet niemand nur an einem Projekt oder für eine Projektphase. Trotzdem kennt natürlich jede und jeder seine Vorlieben, Spezifikationen, Stärken und Schwächen.

Mario Steiner arbeitet bei 3XN Architekten in Kopenhagen. (© 3XN, Kopenhagen)

Was sind dabei Ihre Lieblingstätigkeiten?
Corinna Maigler: Der Entwurf – leider auch die rarste Tätigkeit in meinem Büroalltag.
Patrick Stumbauer: Der Alltag im Büro ist meist hektisch. Dann schnappe ich meine Kopfhörer, drehe laute Musik auf und kritzle an Ideen herum – ich vergesse das Rundherum und kann mich vollständig in den Entwurf hineinleben. Vom Entwickeln einer Grundidee über die Auseinandersetzung mit den Anordnungen bis hin zur grafischen Ausarbeitung für die Abgabe – und schlussendlich das Warten auf die Entscheidung – machen Spaß und schütten viel Adrenalin aus.

Haben Sie neue Arbeitsmethoden kennengelernt?
Mario Steiner: Generell wird in Kopenhagen sehr viel Wert daraufgelegt, dass man ein ausgeglichenes Freizeit- und Arbeitsleben führt. Im Regelfall arbeite ich ‚nur‘ zwischen 38 und 43 Stunden in der Woche. Ich bin der Überzeugung, dass man dadurch viel konzentrierter und effektiver ist.
Patrick Stumbauer: Klar, man lernt immer wieder etwas Neues. Gerade ein diszipliniertes und systematisches Arbeiten war und ist für mich die größte Herausforderung.

Ihre Karriere hat Corinna Maigler nach Berlin zu BAP Architekten & Ingenieuren geführt. (© Maigler)

Wie unterscheidet sich der Berufsalltag vom Studienalltag?
Mario Steiner: Mehr Geld auf dem Konto und ein einigermaßen geregelter Alltag. In einer gewissen Art und Weise kann ich nach der Arbeit besser abschalten. Im Studium hatte ich immer im Hinterkopf, was ich noch alles zu tun hatte.
Corinna Maigler: Der unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht. Die Projekte, die ich bearbeite, fangen zum Großteil erst da an, wo ich sie im Studium als abgeschlossen angesehen hätte. Dafür bleibt das ‚zu Ende denken‘ einer Idee, eines Entwurfs oder eines Details im Berufsalltag aus Zeitdruck oder Budgetgründen leider oft auf der Strecke. Was bei mir allerdings geblieben ist – und das finde ich sehr schön – ist das Arbeiten im Team und der ständige Austausch mit Kolleginnen, Kollegen und meiner Teamleiterin.
Patrick Stumbauer: Der Alltag heute unterscheidet sich vor allem dadurch, dass jeder Schritt eine gewisse Verantwortung mit sich zieht. Man überlegt oft zwei Mal, ob alles passt und überarbeitet manche Punkte mehrmals. Im Gegensatz zum Studium lohnt sich eine erfolgreiche Arbeit dafür heute umso mehr.

Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie an Ihre Studienzeit zurückdenken?
Mario Steiner: Das Ausschlafen und frei und ohne große Verpflichtung an ein Projekt heranzugehen. Wenn man im Studium an Projekten arbeitet, trifft man meist Entscheidungen alleine oder mit Teamkolleginnen und -kollegen. In der Arbeitswelt sind Entscheidungsfindungen viel komplexer.
Corinna Maigler: Die Semesterferien, die Kommilitoninnen und Kommilitonen und die Möglichkeit total frei und ohne Budgetdruck zu entwerfen.
Patrick Stumbauer: Am meisten vermisse ich meine Kolleginnen und Kollegen und die gemeinsame Zeit. Auch einzelne Projektpartnerinnen und -partner haben mich immer wieder gefordert und haben tolle Projekte entstehen lassen. Das Thema Freizeit war natürlich auch ein anderes als heute.

Welches Wissen oder welche Fähigkeiten aus dem Studium wenden Sie jetzt an?
Mario Steiner: Auf jeden Fall das technische Hintergrundwissen, das ich ständig erweitert habe.
Corinna Maigler: Das Erstellen von sauberen und ordentlichen Plänen: besonders Ausführungs- und Detailpläne, 3D-Visualisierung und Planlayout.
Patrick Stumbauer: Ich habe ein Gymnasium besucht, meine technische Ausbildung ist somit kürzer als bei vielen anderen. Jeden Tag merke ich aber, wie wichtig das technische Know-how ist. Ein grundlegendes Wissen in den meisten Phasen hilft täglich und dank meines Studiums kann ich gut mithalten.

Patrick Stumbauer arbeitet in Oberösterreich bei TWO IN A BOX Architekten. (© martin pröll photography)

Was waren Ihre größten Erfolge bisher?
Corinna Maigler: Der Abschluss meines ersten, eigenverantwortlich geleiteten Projekts.
Patrick Stumbauer: Der Sieg von zwei Wettbewerben.

Wie geht es weiter und was sind Ziele für die Zukunft?
Mario Steiner: Solange es Spaß macht, in Kopenhagen zu arbeiten, bleibe ich. Wobei auf lange Sicht der Weg vermutlich wieder nach Österreich führen wird.
Corinna Maigler: Mein Ziel ist zunächst, ganz viele Erfahrungen durch die Bearbeitung der unterschiedlichsten Projekte in allen Leistungsphasen zu sammeln, um mich in naher Zukunft in die Architektenkammer eintragen zu lassen.
Patrick Stumbauer: Zurzeit ist es mir wichtig, soviel wie möglich zu lernen. Dazu versuche ich an möglichst vielen Wettbewerben teilzunehmen, nebenbei aber auch die grundlegenden Erfahrungen in der Ausführung zu machen. Ob ich den Schritt in die Selbstständigkeit irgendwann wage, weiß ich heute noch nicht.

Würden Sie sich wieder für das „Architektur“-Studium an der FH JOANNEUM entscheiden?
Mario Steiner: Ich würde denselben Weg wieder gehen.
Corinna Maigler: Ja, jederzeit.
Patrick Stumbauer: Immer wieder.

Information zu den Leistungsphasen: Die Leistungsphasen nach HOAI – kurz für Honorarordnung für Architekten und Ingenieure – gliedern die Arbeit von Architektinnen, Architekten, Ingenieurinnen und Ingenieuren. Beginnend mit der Leistungsphase 1 Grundlagenermittlung geht es über Vorplanung, Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung, Vorbereitung der Vergabe, Mitwirkung der Vergabe und Objektüberwachung bis hin zu Leistungsphase 9 Objektbetreuung.

Tipp

Weitere Informationen zum Studiengang „Architektur“ finden Sie hier. Bis zum 28. Mai 2018 kann man sich bewerben. Hier geht es direkt zu Online-Bewerbung.

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