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Medien im digitalen Wandel

Philipp Trummer, 26.Oktober 2018
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© Samira Frauwallner

Agil, flexibel, automatisch: die neue Lecture-Reihe „Trending on Thursday“ des Instituts Journalismus und Public Relations an der FH JOANNEUM stellt die neuen Anforderungen des digitalen Zeitalters ins Scheinwerferlicht. Zum Auftakt zeigt Nadine Rigele vom APA-medialab vor, wie Medienunternehmen den Schritt ins digitale Zeitalter bewältigen können.

Die Medienforscherin, die aktuell zur Online-Marketingagentur TOWA übersiedelt, war am Donnerstag zu Gast als Vortragende, um der versammelten Studierenden-, Professorinnen- und Professorenschaft von ihren Erfahrungen aus der digitalisierten Medienwelt zu erzählen. Erfahrungen, die in dem Sturm an Neuerungen dringendst vonnöten sind, wie Institutsleiter Heinz M. Fischer in seinem Eröffnungsplädoyer festhielt: „Trends gibt es mehr als genug, aber Leitlinien oder Perspektiven, die tragfähig und belastbar sind, davon gibt es nicht allzu viele.“

Photo: © Samira Frauwallner

Thomas Wolkinger, Nadine Rigele und Institutsleiter Heinz M. Fischer.

Umdenken in der Produktentwicklung

Unternehmen von heute stolpern aus Ermangelung an wirklichen Anhaltspunkten über die Hürden des Fortschritts: „Die einzige Konstante der Geschichte ist die Veränderung selbst. Technologie hat in den letzten Jahren so große Wachstumsschritte gemacht, dass viele Unternehmen nicht mehr Schritt halten können,“ erklärt Nadine Rigele zu Beginn des Vortrags.

Die Lösung? „Agilität, also die Anpassungsfähigkeit von Unternehmen in einer nicht planbaren Welt.“ Moderne Projektplanung integriert ihre Kundinnen und Kunden bedeutend intensiver und vor allem früher in den Planungsprozess, anstatt wie vorher immer auf den bewährten Weg aus Konzeption, Umsetzung, Launch und anschließendem Resümee zu setzen: „Google hat zum Beispiel einen neuen Weg des Design Thinkings eingeschlagen: bevor man viel Geld an den möglicherweise falschen Stellen umsetzt, baut das Unternehmen einen Prototypen und zeigt diesen den Leuten auf der Straße,“ erklärt Rigele. Google ist durch dieses „User Centered Design“ in der Lage, Ideen bereits innerhalb einer Woche auszureifen, noch bevor viel Geld in die Produktion gesteckt wird.

Photo: © Samira Frauwallner

Design Thinking holt den Lerneffekt schon zu Beginn des Projekts.

Ist Österreich bereit für die Zukunft?

Besondere Aufmerksamkeit widmete Nadine Rigele einem Projekt, welches bereits im Sinne des User Centered Design konzipiert wurde: „Wir wollten in der APA bereits einige Zeit lang Roboterjournalismus austesten: Daraus ist dann EGON geworden.“ EGON, ein Fußball-Redaktions-Bot, verfasst Meldungen über Spiele nahezu völlig automatisiert und somit mit bedeutend weniger Aufwand. „Wir haben uns bei der Konzeption die Frage gestellt, ab wann eine automatisierte Meldung einen Mehrwert für die Leserinnen und Leser besitzt. EGON kann etwa erkennen, ob eine Mannschaft Tabellenletzter ist und passt dann dementsprechend die Meldung an.“ Als Anwendungsbereich des Bots nennt Nadine Rigele die lokale Sportberichterstattung: „Gerade Regionalsport ist sehr ressourcenintensiv, da Sportredaktionen besonders an Wochenenden sehr unterbesetzt sind, aus Kostengründen allerdings nur schwer neue Redakteurinnen und Redakteure einstellen können.“

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Thomas Wolkinger stellt die Vortragende vor. (Foto © Samira Frauwallner)

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Die Studierenden folgen dem Vortrag. (Foto © Samira Frauwallner)

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Es wird mitgeschrieben…(Foto © Samira Frauwallner)

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…aufgezeichnet…(Foto © Samira Frauwallner)

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…oder einfach aufmerksam zugehört. (Foto © Samira Frauwallner)

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Manch einer ist auch digital unterwegs. (Foto © Samira Frauwallner)

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An interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern mangelte es jedenfalls nicht. (Foto © Samira Frauwallner)

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Thomas Wolkinger führt auch die anschließende Diskussionsrunde. (Foto © Samira Frauwallner)

Die US-Tech-Giganten, wie Google oder Facebook haben die neuen Herausforderungen bereits in ihre Strukturen integriert, doch wie sieht es in Österreich aus? Auf die Frage eines Zuhörers meint Nadine Rigele, dass heimische Unternehmen einerseits weniger Zeit- und Konkurrenzdruck, andererseits auch weniger Innovationsgeist vorzeigen, als ihre Pendants jenseits des Atlantiks: „Ich glaube, dass ein Medienhaus der Zukunft einerseits das richtige Zusammenspiel zwischen Journalismus, Technologie und Daten braucht, andererseits auch Dinge produzieren muss, die die neuen UX-Anforderungen [User Experience, Anm. d. Autors] der digitalen Gesellschaft erfüllen.“

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