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Studieren in Zeiten der Corona-Krise

Michael Thewanger, 20.März 2020
Studieren in Zeiten der Corona-Krise 1

© unsplash

Von zu Hause aus den Hörsaal betreten – das ist seit einiger Zeit Realität für die rund 380.000 Studierenden im ganzen Land. Willkommen im etwas anderen Semester.

Es sind spannende Zeiten, denen sich unsere Gesellschaft im Moment stellen muss. Die Ausbreitung des Corona-Virus stellt das Leben, so wie wir es gewohnt sind, völlig auf den Kopf. Nichts ist mehr so, wie es noch vor einigen Wochen war. Auf einmal ist Klopapier gefühlt mehr wert als Geld und Menschen drängen sich für eine Packung Nudeln durch die Supermärkte Österreichs, obwohl man ja eigentlich Abstand halten sollte. Eigenartige Welt.

Nirgends kann man mehr hingehen – Geschäfte, Restaurants, Museen, alles zu. Und auch wer in die Schulen, Universitäten und Fachhochschulen unseres Landes möchte, wird vor verschlossenen Türen stehen. Denn der Corona-Virus macht logischerweise auch nicht vor wissbegierigen Studierenden halt.

Extreme Maßnahmen

Natürlich waren die meisten Studierenden, mich eingeschlossen, erst mal schockiert, als vergangene Woche die Nachricht der Bundesregierung kam: An Unis und FHs werden ab sofort keine Präsenzlehrveranstaltungen mehr gehalten. Was? Keine Präsenzlehrveranstaltungen mehr? Und das sogar bis nach Ostern? Was zunächst ganz positiv klingt, nämlich nach zusätzlichen Ferien, ist bei zweiterer Überlegung doch ganz schön besorgniserregend. Viele fragen sich, wie sie denn das Semester beziehungsweise das Studium rechtzeitig beenden sollen, wenn kein Lehrbetrieb mehr stattfindet.

Doch im Gegensatz zu einigen Branchen in Österreich, bedeutet die Corona-Pandemie für Studierende zum Glück nicht direkt den totalen Stillstand. Es wird auf das Lehren und Lernen aus der Ferne gesetzt, das sogenannte E-Learning. Die Studentinnen und Studenten sollen sich also mit Laptop, Tablet, Smartphone oder einem sonstigen technischen Wunderwerk bewaffnen und via Videochats den Vorlesungen der Lehrenden lauschen. Zusätzlich gibt es auf der Online-Lernplattform Moodle, Aufgabenstellungen zu lösen und Texte zu lesen. Klingt theoretisch ja ganz gut, doch wie schaut das Ganze in der Praxis aus?

Laptop auf, Vorlesung da – oder so ähnlich

Am Anfang war das Chaos: Was für unsere Universums gilt, gilt ebenso für die Online-Lehre. Zumindest für mich. Denn die erste Vorlesung, der ich von zu Hause aus beiwohnen durfte, hatte einen, gelinde gesagt, etwas holprigen Start. Geprägt von technischen Schwierigkeiten seitens der Studierenden als auch des Lehrenden, sowie Einbrüchen der Internetgeschwindigkeit, musste die erste Einheit nach rund zwanzig Minuten wieder beendet werden. War aber nicht so schlimm, können die Professorinnen und Professoren die Inhalte der Lehrveranstaltungen ja immer noch auf Moodle ablegen. Anschließend darf dann jeder seinen kleinen Autodidakt aus sich rauskitzeln und sich den Stoff so gut es geht selbst beibringen. Bei Rückfragen kann man sich aber natürlich trotzdem jederzeit an die Lehrkraft wenden. Gut, erster Versuch gescheitert. Aber das darf natürlich passieren, ist die Viruspandemie doch für jeden eine Ausnahmesituation.

Um so positiver ist hervorzuheben, dass die nächsten Vorlesungen überraschend gut funktionierten. Über Zoom, einer Plattform für Videokonferenzen, setzten wir uns alle in den virtuellen Hörsaal und nahmen an einer Lehrveranstaltung teil, die nicht viel anders als der „normale“ Präsenzunterricht war. Bis auf die Zwischenschaltung der Technik natürlich. Und dass ich, anders als sonst, nur in Unterhose und T-Shirt dabei war. Aber ein paar Rosinen darf man sich in dieser Krisenzeit schon rauspicken, finde ich.

Photo: Michael Thewanger

Studierende lernen nun von zu Hause aus und jeder kann sich sein Homeoffice so einrichten, wie er oder sie möchte.

Natürlich kann ich hier nur von meiner eigenen Erfahrung sprechen. Mein Studiengang, „Journalismus und Public Relations (PR)“, bietet mehrheitlich die Möglichkeit, den Lehrstoff online zu vermitteln. Anders sieht es bei praktischeren Studiengängen aus. Die Studentinnen und Studenten von „Physiotherapie“ oder „Biomedizinische Analytik“ beispielsweise sind auf ihre Übungsräume und Labore angewiesen. Hier ist es bedeutend schwieriger, E-Learning als einen adäquaten Ersatz für die Präsenzlehre zu etablieren. Doch wo ein Wille, da ein Weg – ich bin mir sicher, dass es früher oder später für alle Studierenden, unabhängig vom Studiengang, eine zufriedenstellende Lösung geben wird.

Ein Dankeschön für die harte Arbeit

Es funktioniert also bereits großteils, das Studieren von zu Hause aus. Und das verdanken wir zu einem riesigen Teil den hart arbeitenden Technikerinnen und Technikern sowie den Lehrenden, die alles dafür geben uns einen erfolgreichen Semester- beziehungsweise Studienabschluss zu ermöglichen. Dafür muss auch einmal ein großes Dankeschön ausgesprochen werden – ihr seid großartig! Es ist nämlich bei Weitem nicht selbstverständlich, dass in so kurzer Zeit vieles schon so gut funktioniert. Ich habe schon mehrfach von verschiedenen Freunden gehört, dass auf ihren Unis, die Sachlage etwas anders aussieht. Wir können uns also ziemlich glücklich schätzen, unser Studium ohne allzu große Abstriche fortsetzen zu können.

Tipp

Die FH JOANNEUM hat auf digitale Kommunikation und Online-Lehre umgestellt. Mit dem Motto #studyonline möchten wir alle Studierenden, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Lehrende dazu auffordern, zu Hause zu bleiben. Gesundheit geht vor, deshalb #stayhealthy!

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