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Weg vom Stigma, hin zur Empathie

V.l.n.r.: Bianca-Karla Itariu, Manuela Hatz, Lisa Bauer, Birgit Grieß und ein Teil der Diätolog:innen des Programms „GEMEINSAM G’SUND GENIESSEN – daheim und unterwegs“ im Rahmen des 16. Netzwerktreffens. Foto: FH JOANNEUM / Auer

Wie gelingt es, Menschen mit Mehrgewicht und Adipositas ohne Vorurteile zu begleiten? Diese Frage stand im Mittelpunkt des 16. Netzwerktreffens von „GEMEINSAM G’SUND GENIESSEN – daheim und unterwegs“, das am 17. Oktober 2025 an der FH JOANNEUM in Graz stattfand.

Das steiermarkweite Programm bietet kostenlose Ernährungsberatungen und wird aus Mitteln des Landesgesundheitsförderungsfonds finanziert. Seit 2018 treffen sich die Diätolog:innen des Programms zweimal jährlich an der FH JOANNEUM, um sich auszutauschen, weiterzubilden und die Qualität der Ernährungsberatung kontinuierlich zu sichern.

Menschen mit Adipositas nehmen Vorsorgeangebote oft spät oder gar nicht in Anspruch – häufig aus Angst vor Stigmatisierung oder diskriminierenden Erfahrungen im Gesundheitssystem. Dabei wäre gerade für diese Personengruppe eine frühzeitige Vorsorge und Behandlung entscheidend, um Folgeerkrankungen zu verhindern.

Stigmafreie Adipositastherapie im Fokus

Mehr als die Hälfte aller Personen, die eine kostenlose Ernährungsberatung in Anspruch nehmen, haben Mehrgewicht oder Adipositas (57,9 %). Umso wichtiger ist es, dass Diätolog:innen ihre Klient:innen ohne Vorurteile oder Schuldzuweisungen begleiten. Eine stigmafreie Haltung bedeutet, das komplexe Zusammenspiel biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren bei Adipositas zu erkennen und Betroffene respektvoll, empathisch und ressourcenorientiert zu unterstützen.

Wie entscheidend Wertschätzung und Empathie für den Therapieerfolg sind, betonte Bianca-Karla Itariu, Präsidentin der Österreichischen Adipositas Gesellschaft, in ihrem Fachvortrag. Sie gab Einblicke in aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und praxisnahe Handlungsempfehlungen für eine nachhaltige Adipositastherapie.

Neue Impulse aus der Praxis

Neben dem Schwerpunktthema standen aktuelle Entwicklungen und praxisnahe Inputs im Mittelpunkt des Treffens: Lisa Bauer vom Gesundheitsfonds Steiermark präsentierte das neu überarbeitete Modell des gesunden Tellers „Mein gesunder, steirischer Teller“, das künftig eine noch praxisnähere Orientierung für eine nachhaltige, ausgewogene und gesundheitsförderliche Ernährung bietet: Das Tellermodell ist zum Download verfügbar.

Die Diätolog:innen übernehmen im Programm auch eine wichtige Lotsenfunktion. Sie können im Bedarfsfall an andere Stellen im Gesundheits- und Sozialbereich verweisen und stellen so einen interdisziplinären Zugang sicher. Zwei neue relevante Anlaufstellen in der Steiermark wurden von Birgit Grieß, Diätologin der Österreichischen Gesundheitskasse, vorgestellt. Die standardisierten Gesundheitsförderungsprogramme der Österreichischen Gesundheitskasse „Leichter Leben“ und „easykids“ werden seit 2025 für Erwachsene und Kinder in der Steiermark angeboten und zielen auf eine nachhaltige und motivierende Lebensstilveränderung ab.

Austausch als Motor für Qualität

Das Netzwerktreffen zeigte deutlich, wie wichtig regelmäßiger fachlicher Austausch, Fortbildung und Reflexion für die Arbeit der Diätolog:innen sind. Durch ihre Tätigkeit in unterschiedlichen Regionen der Steiermark bringen sie vielfältige Perspektiven und Erfahrungen ein, die das Programm stetig weiterentwickeln.

Die kontinuierliche Schulung und Begleitung der Diätolog:innen trägt wesentlich dazu bei, dass Ernährungsberatung im Programm „GEMEINSAM G’SUND GENIESSEN – daheim und unterwegs“ fachlich fundiert, empathisch und alltagsnah bleibt – und sich an den Lebensrealitäten der Menschen in der Steiermark orientiert.

Auszug aus dem Modell „Mein gesunder, steirischer Teller“ des Gesundheitsfonds Steiermark, welches 2025 wissenschaftlich evaluiert und überarbeitet wurde und nun in einer Neuauflage kostenlos zur Verfügung steht.

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