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Dreimal so groß wie Saudi Aramco und ein E-Ferrari
Dieser Tage erleben wir die erste längere Hitzewelle des Jahres. Eines seien Sie sich aber gewiss: Meinen morgendlichen Espresso lasse ich mir deshalb sicher nicht nehmen. Die „Hitzewelle” hat auch die Weltbörsen erfasst. Wir klettern nach dem Zwischentief im März wieder Woche für Woche von einem Höchststand zum nächsten. Wen wundert es, dass Elon Musk jetzt ordentlich auf die Tube drückt, um SpaceX zeitnah an die Börse zu bringen.
Das Debüt soll unmittelbar bevorstehen. Im Juni soll es bereits so weit sein. 75 bis 80 Milliarden Dollar Emissionserlös bei einer Unternehmensbewertung von 2.000 Milliarden Dollar. Um das einzuordnen: Saudi Aramco hat 2019 beim bisher größten Börsengang der Geschichte rund 26 Milliarden Dollar eingesammelt. Alibaba 2014 rund 25 Milliarden. Facebook 2012 rund 16 Milliarden. SpaceX würde in einem einzigen Schritt dreimal so viel einsammeln wie Saudi Aramco. Und das bei einer Bewertung, die alle drei zusammen in den Schatten stellt.
Mit 2.000 Milliarden Dollar wäre SpaceX zum Zeitpunkt des Börsengangs sofort eines der fünf wertvollsten Unternehmen der Welt. Damit ist man in der Liga von Apple und Microsoft und sogar größer als Alphabet oder Meta. Ein Unternehmen, das noch nie an der Börse gehandelt wurde, wäre mit einem Schlag mehr wert als fast alles, was je gebaut worden ist.
Vier bis fünf Prozent der Aktien kommen an den Markt. Den Rest behalten Elon Musk, Alphabet, frühe Investoren und Mitarbeiter. Wer also die 75 Milliarden einzahlt, kauft sich knapp vier Prozent des Unternehmens. Mitreden können Investoren aber nicht, da Musk 85 Prozent der Stimmrechte für sich vereinnahmt hat. Bereits eine kleine Beteiligung an seiner Vision füllt die Kassen von SpaceX. Wer hätte gedacht, dass nicht einmal fünf Prozent der Unternehmensanteile ausreichen, um mit Abstand der größte Börsengang der Geschichte zu werden.
Die Börsen sind nach wie vor in Partylaune. Aber ist wirklich alles eitel Wonne? Jamie Dimon, Chef von JPMorgan Chase und damit Lenker der größten Bank der Welt, warnt davor, dass der Aktienmarkt die Zukunft diametral anders einschätzt als der Anleihenmarkt.
Beginnen wir mit dem Anleihenmarkt: Wer dem amerikanischen Staat Geld leiht, verlangt dafür mittlerweile fast fünf Prozent Zinsen pro Jahr. Bei einem Schuldenberg von 39 Billionen Dollar kommen da schnell Hunderte Milliarden Dollar an zusätzlichen Zinsen zusammen. Der Anleihenmarkt macht sich also Sorgen, dass die Preise weiter steigen und der Staat irgendwann an seine finanziellen Grenzen stößt. Kevin Warsh hat das Staffelholz von Jerome Powell gerade übernommen und ist damit der neue Chef der US-Notenbank. Seine Aufgabe ist alles andere als einfach: Er muss die Inflation im Zaum halten, die Wirtschaft am Laufen halten und gleichzeitig einen Donald Trump bändigen, der sich sehnlichst Zinssenkungen wünscht.
Der Aktienmarkt hingegen ist euphorisch und setzt darauf, dass Künstliche Intelligenz und technologischer Fortschritt die Unternehmensgewinne und die Wirtschaft insgesamt ankurbeln werden. Insofern passt es auch, dass der exklusive Billionärsklub weiteren Zuwachs bekommen hat. SK Hynix, ein südkoreanischer Hersteller von KI-Speicherchips, hat gerade die Schallmauer von einer Billion Dollar Marktkapitalisierung geknackt und ist damit das neueste Mitglied in einem Klub, dem weltweit mittlerweile 15 Unternehmen angehören, angeführt von NVIDIA mit 5,2 Billionen Dollar. SK Hynix produziert jene Hochleistungsspeicher, ohne die kein KI-Modell der Welt trainiert werden kann, und wäre vor wenigen Jahren außerhalb von Fachkreisen kaum jemandem ein Begriff gewesen. Zur gleichen Zeit hat auch der US-Chiphersteller Micron erstmals diese Marke überschritten: Die KI-Euphorie hat die Halbleiterwelt bis in die zweite Reihe erfasst.
Wer der alten Börsenweisheit „Sell in May and go away” gefolgt ist, hat 2026 eine der stärksten Rallyes verpasst. Die Zeiten ändern sich. So überrascht es kaum, dass jetzt auch Ferrari eine Elektroversion auf den Markt bringt, die rund eine halbe Million Euro kosten wird. Selbst wenn der SpaceX-Börsengang nach Elons Vorstellungen über die Bühne geht, wird er wohl auch in Zukunft einen Tesla und keinen E-Ferrari fahren.