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Pressemitteilung

Raumplanung trifft Kunst

SIEDLUNG „WALD“ – Raumplanung zukunftsfähig ausrichten!
Raumplanung trifft Kunst

Foto: FH JOANNEUM

Studierende der FH JOANNEUM bringen im Zuge eines Projekts zum Kulturjahr2020 Vorschläge für das Gebiet „hinter“ dem Grazer Hauptbahnhof.

Das Siedlungsgebiet WALD (Abkürzung für Waagner-Biro Straße – Asperngasse – Laudongasse – Daungasse) in Graz und seine zukunftsfähige Entwicklung standen im Sommersemester 2021 im Mittelpunkt eines interaktiven Lehrprojektes zur Raumplanung an der FH JOANNEUM. In Kooperation mit dem Kunstprojekt „Aus dem Schatten des Wasserturms“ vom Büro für Pessimismus (bfp.agency) im Rahmen des Kulturjahres 2020 wurden die planerischen Vorgaben, die konkrete Bebauung, die aktuelle Grün- und Straßenplanung sowie die Lebenssituationen der Bewohnerinnen und Bewohner näher analysiert.

Am 25. Juni 2021 fand dazu eine kleine Ausstellung im WALD-Park an der Waagner-Biro-Straße/Ecke Daungasse statt. Zuvor bestand noch die Möglichkeit, den Wasserturm beim westlichen Ausgang des Grazer Hauptbahnhofs von innen anzusehen und mehr über seine Geschichte zu erfahren.

Die wichtigsten Ergebnisse der Studierenden zusammengefasst:

Grünräume in dicht bebauten Gebieten erhalten und erweitern

Das Projektgebiet ist, wie der gesamte Bezirk Lend, durch ein sehr hohes Grünraumdefizit gekennzeichnet. „Es ist daher notwendig, dass die Stadt Graz hier die seitens der Regionalplanung vorgegebene Grünraumerhöhung in Wohn- und Kerngebieten sowie die selbst gesteckten Versorgungsgrade an öffentlichen Freiräumen konsequent umsetzt“, so die Lehrveranstaltungsleiterin Maria Baumgartner. Nachverdichtungen sind nur mehr dort vertretbar, wo schon befestigte Flächen vorhanden sind, wie z.B. über Parkplätzen. Auch dort braucht es aber maßvolle Dichten, die nicht weitere Defizite nach sich ziehen. Die noch vorhandenen Grünräume, wie die Kleingartenanlagen, sollten durch Freilandwidmungen konsequent vor weiterer Bebauung bewahrt werden. Die noch genützten Kleingärten könnten erhalten bleiben und mittel- bis langfristig in eine Parkanlage mit verschiedenen Formen des Urban Gardenings integriert werden. Als erster Schritt in Richtung Grünraumattraktivierung werden seitens der Stadt Graz in der Parkanlage entlang der Waagner-Biro Straße im Herbst weitere Bäume und Sträucher gepflanzt und ergänzend Sitzmöglichkeiten geschaffen.

Begegnungszone für die Waagner-Biro Straße – Bäume für die Nebenstraßen

Für den öffentlichen Raum Waagner-Biro Straße gab es 2018 einen Wettbewerb, den im Straßenraum das Büro AAPS, Atelíer für Architektur Thomas Pilz Christoph Schwarz, gewann. Geplant war eine entschleunigte, mehrfach nutzbare Multizone, die für Fußgängerinnen und Fußgänger und Radfahrerinnen und Radfahrer einen attraktiven und sicheren Raum geboten hätte. Das nun realisierte Straßenprojekt bevorzugt allerdings nach wie vor den Kfz-Verkehr, zwar mit etwas breiteren Gehsteigen, aber ohne zusätzliche Baumpflanzungen und nur mit unvollständigen Mehrzweckstreifen für Radfahrerinnen und Radfahrer. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit beträgt 50 km/h, ausgelegt sind die Fahrbahnbreiten sogar auf 80 km/h. „Da sich der öffentliche Park direkt an der Straße befindet, müsste man den Straßenfreiraum so konzipieren, dass der Weg vom Wasserturmplatz zur Parkanlage sicher nutzbar für Fußgängerinnen und Fußgänger ist und die Lärmrichtwerte eingehalten werden“, so die beiden Studierenden Katharina Kerecz und Florentin Lagger. Sinnvoll wäre in diesem Abschnitt zwischen Laudongasse – Daungasse eine Begegnungszone mit 20 km/h. Die vom Büro AAPS vorgesehene Straßenpflasterung ließe sich ersatzweise in einer ersten Phase als Kunstprojekt mit Straßenfarben herstellen. In den Nebenstraßen sollten die Parkstreifen durch Baumpflanzungen und Parklets gegliedert werden. Baumpflanzungen sind die effizienteste Maßnahme gegen sommerliche Aufheizung im Straßenraum. Außerdem ist der öffentliche Raum hier zu wertvoll, um als günstige Autoabstellfläche genützt zu werden.

Innenhaus & Außenhaus – lernen für zukünftige Projekte

Die Siedlung WALD offenbart einige städtebauliche Schwachstellen. Die Gebäude sind hofseitig erschlossen, dadurch sind vorne und hinten verdreht und der Verkehr wird in den Hof gezogen. „Dass der Hof den Menschen gehört und nicht den Autos, ist unklar, und führt immer wieder zu brenzligen Situationen und Konflikten” so Petra Lex, Umsetzende des Kulturprojektes und als Gemeinwesenarbeiterin schon lange mit der Siedlung vertraut. Die Bewohnerinnen und Bewohner im ehemaligen Kasernengebäude in der Laudongasse haben zudem keine privaten Außenräume und auch nur eine sehr marginale Ausstattung des gebäudezugehörigen Hofes. Für eine gemeinsame Hofnutzung mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der anderen Bauten fehlen parzellenübergreifende Vereinbarungen. Die Corona-Pandemie hat verdeutlicht, wie wichtig qualitativ hochwertige private, hauszugehörige und wohnungsnahe Freiräume sind. Ein „Innenhaus“ (Wohnung) ohne „Außenhaus“ (hauswirtschaftlich nutzbarer Balkon und Hof) ist unvollständig, erschwert den Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner und führt rasch zu Konflikten im Zusammenleben. Solche Fehler gilt es zukünftig zu vermeiden. Im Rahmen einer aktuellen Sanierung wird versucht, zumindest einen versickerungsfähigen Hofbelag umzusetzen. Allerdings fehlen Ressourcen für eine echte Aufwertung. Die Bewohnerinnen und Bewohner selbst engagieren sich, ungenützte Autos aus dem Hof zu bekommen.

„Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist groß. Das Ziel, die WALD-Siedlung ´aus dem Schatten des Wasserturms´ zu holen, nur in sehr kleinen Schritten zu erreichen”, so Petra Lex.

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