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Projekt

CPRQuest

Der plötzliche Herzstillstand (Sudden Cardiac Arrest, SCA) zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Trotz der entscheidenden Bedeutung einer sofortigen Intervention zögern viele Ersthelfende, eine kardiopulmonale Reanimation (CPR) durchzuführen, da ihnen das Selbstvertrauen fehlt und sie Angst haben, Fehler zu machen [1].

 

Ziele

Ziel dieses Projekts ist es, diese psychologische Hemmschwelle zu senken, indem eine plattformübergreifende mobile Anwendung bereitgestellt wird. Sie soll Laien in Echtzeit durch den Reanimationsprozess führen, eine qualitativ hochwertige CPR-Ausführung gewährleisten und gleichzeitig einen unmittelbaren Zugang zu lebensrettender Infrastruktur ermöglichen.

Methoden

Das Projekt entwickelte sich von einem nativen Android-Prototyp zu einer plattformübergreifenden Lösung unter Verwendung des Flutter-Frameworks. Dieser Übergang gewährleistet eine breitere Zugänglichkeit sowie eine einheitliche Codebasis für iOS und Android und sichert zugleich eine konsistente UI/UX über verschiedene Geräte hinweg. Die Anwendung integriert Echtzeit-Feedbackmechanismen sowie standortbasierte Dienste, um Nutzende in stressintensiven Notfallsituationen zu unterstützen. Systematische Übersichtsarbeiten zu mHealth-Anwendungen unterstreichen das Potenzial solcher mobilen Lösungen, sowohl das Training als auch die CPR-Leistung in Echtzeitsituationen zu verbessern [2].

Ergebnisse

Die Anwendung umfasst einen Notfallmodus (Abb. 2) sowie einen Trainingsmodus mit mehreren Kernfunktionen und einem zentralen Dashboard (Abb. 1) zur intuitiven Navigation.

  • Visuelles und akustisches Feedback: Echtzeit-Rhythmusvorgaben und Text-to-Speech-Anweisungen zur Aufrechterhaltung einer optimalen Kompressionsfrequenz und -tiefe (Abb. 2)
  • Notfallmodus: Integrierte GPS-Kartierung zur schnellen Lokalisierung der nächstgelegenen Krankenhäuser und automatisierten externen Defibrillatoren (AEDs).
  • Interaktives Quiz: Ein spezialisiertes Modul zur Festigung von CPR-Wissen und zur Verbesserung der langfristigen Behaltensleistung lebensrettender Fähigkeiten.
  • Gamifiziertes Training: Das interaktive Mini-Game „Takt-Klicker“ ermöglicht das Training der optimalen Kompressionsfrequenz (110 BPM) durch unmittelbares Leistungsfeedback in Echtzeit (Abb. 3)

Diskussion & Ausblick

Empirische Evidenz zeigt, dass smartphonebasierte Feedbacksysteme die Qualität der von Laien durchgeführten CPR signifikant verbessern [3]. Gegenwärtige rein mobile Lösungen sind jedoch durch die physische Positionierung des Geräts limitiert. Zukünftige Projektiterationen konzentrieren sich daher auf eine erweiterte Sensorintegration. Durch die Nutzung von Beschleunigungssensoren und Gyroskopen moderner Smartwatches kann die App Kompressionsparameter direkt am Handgelenk präziser messen. Diese Integration soll die Lücke zwischen Laienunterstützung und professionellen medizinischen Standards weiter schließen und eine qualitativ hochwertige Reanimation in unterschiedlichsten Umgebungen gewährleisten.

Literatur

[1] J.-T. Gräsner et al., “European Resuscitation Council Guidelines 2021: Epidemiology of cardiac arrest in Europe,” Resuscitation, vol. 161, pp. 61–79, Apr. 2021. DOI: 10.1016/j.resuscitation.2021.02.007.​

[2] A. Birkun et al., “Mobile Health Applications for Cardiopulmonary Resuscitation Training and Assistance: A Systematic Review,” International Journal of Medical Informatics, vol. 148, Apr. 2021, p. 104394. DOI.org (Crossref).​

[3] A. S. Saini et al., “Smartphone-Based Feedback Systems for Cardiopulmonary Resuscitation: A Systematic Review,” Journal of Clinical Medicine, vol. 9, no. 11, Nov. 2020, p. 3505. DOI.org (Crossref).

 

Abb. 1: Dashboard 
Die Hauptoberfläche der Anwendung fungiert als zentrale Steuerungseinheit für die Nutzerinnen und Nutzer. Sie ermöglicht die Auswahl spezifischer Reanimationsprotokolle, die auf unterschiedliche Patientengruppen – etwa Erwachsene, Kinder oder Säuglinge – zugeschnitten sind. Darüber hinaus bietet sie einen schnellen Zugriff auf das „Notfallprotokoll“ zur automatisierten Dokumentation sowie auf den Trainingsbereich. Dadurch wird sichergestellt, dass Anwender:innen effizient zwischen unmittelbaren lebensrettenden Maßnahmen und der vorbereitenden Kompetenzschulung navigieren können.
© FH JOANNEUM / eHealth

Abb. 2: CPR Mode 
Die Benutzeroberfläche des „CPR-Modus“ bietet eine Echtzeit-Anleitung während eines kardialen Notfalls. Die zentrale Anzeige erfasst die Kompressionen pro Minute (CPM), während separate Module unmittelbares Feedback zur Kompressionstiefe liefern.
Darüber hinaus ermöglicht die Oberfläche die Protokollierung kritischer klinischer Ereignisse, wie etwa die Abgabe eines Schocks oder die Durchführung von Beatmungen („Rescue Breaths“) und zeigt ein fortlaufendes Aktivitätsprotokoll an. Dadurch wird eine präzise Dokumentation des zeitlichen Ablaufs der Reanimation gewährleistet.
© FH JOANNEUM / eHealth

Abb. 3: Mini Game
(Takt-Klicker) 
Der „Takt-Klicker“ ist ein interaktives Trainingsinstrument, das darauf abzielt, den korrekten Kompressionsrhythmus zu verinnerlichen. Nutzer:innen haben die Aufgabe, im Takt einer Zielherzfrequenz von 110 BPM auf den Bildschirm zu tippen, welche innerhalb des empfohlenen Bereichs von 100–120 Kompressionen pro Minute liegt.
Dieser gamifizierte Ansatz liefert durch ein „Combo“- sowie ein Punktesystem unmittelbares Feedback zur Genauigkeit und fördert so die nachhaltige Verankerung der optimalen CPR-Frequenz in einem stressarmen Trainingsumfeld.
© FH JOANNEUM / eHealth

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