Projekt

Proholz Student Trophy 2020

Wohncollage

 
Erster Platz bei proHolz Student Trophy 2020

Studierende der Masterstudiengänge „Architektur“ und „Baumanagement und Ingenieurbau" haben sich im Wintersemester 2019/20 im Rahmen eines Wettbewerbs mit der Planung einer Aufstockung mit Holz auf bestehende Wiener Wohnbauten auseinandergesetzt.

Der interdisziplinäre, internationale und offene Studentenwettbewerb wurde von proHolz Austria in Kooperation mit der Stadt Wien vertreten durch die Stadtbaudirektion und Wiener Wohnen organisiert.

Die proHolz Student Trophy wird seit 2016 alle zwei Jahre ausgeschrieben und ist ein interdisziplinärer Studentenwettbewerb, der heuer erstmals international offen war. Insgesamt 127 Projekte aus den sieben Ländern Österreich, Deutschland, Italien, Kroatien, Slowenien, Slowakei und Russland wurden diesmal eingereicht.

Wettbewerbsaufgabe

Auzug Wettbewerbsseite proHolz Student Trophy 2020: „Bei der proHolz Student Trophy 2020 soll unter dem Motto „Light up!" Aufstockungen mit Holz das innerstädtische Verdichtungspotenzial mit dem Baustoff Holz ausgelotet werden. Konkret geht es um zweigeschossige Aufstockungen in Holz- oder Holzhybridbauweise auf 3 bestehende Wohnbauten aus den 1960er Jahren in Wien. Viele Städte in Europa müssen sich der Herausforderung steigender Einwohnerzahlen und dem Mangel an bebaubaren Flächen stellen. Sie verfügen aber gleichzeitig über zahlreiche Wohnbauten aus den 60er und 70er Jahren, die über jede Menge Aufstockungspotenzial verfügen und dadurch zur Lösung des Wohnungsnotproblems beitragen könnten. Ziel des Wettbewerbs ist es, anhand dieser konkreten Bauaufgabe systemhafte Lösungen zu entwickeln, die sich auch auf andere Wohngebäude gleicher Typologie aus dieser Zeit übertragen lassen."

Das Siegerprojekt

Viktoria Harzl, Studierende des Masterstudiengangs „Architektur“ und Fabian Lazarus, Studierender des Masterstudiengangs „Baumanagement und Ingenieurbau“, wurden für ihr Projekt „Wohncollage“ ausgezeichnet.

Mit ihrem Entwurf „Wohncollage“ für die Aufstockung der Wohnhausanlage Maroltingergasse 19-25 soll das Potenzial für eine innerstädtische Verdichtung in Holzbauweise aufgezeigt werden. Ein zusätzliches, persönliches Ziel ist es, dem Geschoßwohnbau mehr Vielfalt und Individualität zu verleihen.

Die Besonderheit des Entwurfskonzepts liegt dabei in den Gegensätzen, die aufeinandertreffen. Eine Aufstockung mit seriell vorgefertigten Raummodulen aus Brettsperrholz, die einen flexiblen Grundriss ermöglichen, und ein strenger Fassadenraster, der durch individuell gestaltbare Module die Vielfalt der BewohnerInnen zum Ausdruck bringt.

Hier geht es zum Projekvideo.

Team Wohncollage (Fabian Lazarus, Viktoria Harzl)
Raummodule

Ein prägendes Element ist die Aufstockung mit optimierten Raummodulen in Holzmassivbauweise. Die hohe industrielle Vorfertigung als ein großer Vorteil der Holzmassivbauweise sichert eine schnelle und effiziente Montage vor Ort, wodurch der Bestand durchgehend bewohnt bleiben kann und die Belastungen für die Bewohnerinnen und Bewohner geringgehalten wird. Zudem werden durch eine wirtschaftliche Reihung und Stapelung kompakte Grundrisse mit klarer Zonierung der Wohn- und Nebenräume ermöglicht, die dieses System wiederum auf andere Wohngebäude mit ähnlicher Typologie übertragbar macht.

Wohncollage Diagramm (© Harzl, Lazarus)
Flexible Grundrisse

Trotz der seriell gefertigten Raummodule ergibt sich im Grundriss kein starres System mit fixierten Wohnungsgrößen oder vorgegebener Wohnraumaufteilung, stattdessen wird Raum zur individuellen Anpassung geschaffen. Je nachdem, wie man die aneinandergereihten Raummodule zusammenstellt, entstehen vier unterschiedliche Wohnungstypen.

Der Wohnungsschlüssel kann je nach Nachfrage variabel zusammengesetzt werden. Auch eine Anpassung zu einem späteren Zeitpunkt ist möglich. Dies verschafft Wiener Wohnen den Vorteil auf wechselnde Wohnbedürfnisse in den nächsten Jahrzehnten flexibel reagieren zu können. Aus diesem Grund ist eine Veränderung in der Lebenssituation der Bewohnerinnen und Bewohner nicht zwingend mit einem Umzug verbunden.

Individuelle Fassade

An der West- und Ostfassade wird der Konstruktionsraster der Raummodule in Form von vorgesetzten Holzrahmen ablesbar und bildet hofseitig eine vorspringende Balkonzone als Mehrwert für alle Bewohnerinnen und Bewohner. Dadurch wird die kompakte Aufstockung mit dem Bestandsgebäude optisch verbunden und der Wohnbau erhält ein neues, prägendes Erscheinungsbild.

Den Namen „Wohncollage“ erhält der Entwurf aufgrund seiner nach den Wohnvorstellungen und Bedürfnisse der Bewohnerinnen und Bewohner individuell auswählbaren Fassadenmodulen. Es entsteht eine Collage, die sich im Laufe der Zeit verändert und immer wieder ein neues Fassadenbild entstehen lässt. Umgesetzt wird die Wohncollage mit einer Vielfalt an möglichen Fassadenelementen und Oberflächen, welche durch ihre industrielle Vorfertigung einfach zu- und rückgebaut werden können.

Zudem bietet das Gerüst die Möglichkeit, einen Sicht- oder Sonnenschutz aufzunehmen. Die großzügige Balkonzone nimmt das Thema des privaten Freiraumes, welches gerade im städtischen Bereich wichtig ist, auf und schafft eine hohe Aufenthaltsqualität. Zusätzlich öffnen sich die Wohnungen dadurch zur neu gestalteten Kommunikationszone im Hof.

Aktuelle Medienberichte
  • Rischanek, Ursula (19.10.2020): Wenige Holzbauten in der Stadt: Es ist noch Luft nach oben, in: Die Presse

  • Grünbacher, Ulla (19.10.2020): Viel Luft nach oben in Gemeindebauten, in: Kurier

  • Waldverbund Österreich (Hrsg.) (14.10.2020): proHolz Student Trophy 2020: Wie Wien Gemeindebauten aufstocken kann, in: WV Waldverband Österreich

  • Der Stadard (14.10.2020): Wettbewerb. Wie sich Wiener Gemeindebauten aufstocken ließen, in: Der Standard