Der Weg des Boliden
© FH JOANNEUM

Der Weg des Boliden

Natanja Christina Pascottini,

Jedes Jahr konstruiert das Team von joanneum racing graz einen neuen Rennwagen für den Antritt zum internationalen Studierendenwettbewerb Formula Student. Von der Strecke, die man dafür zurücklegen muss.

Rund 40 Studierende des Master-Studiengangs „Fahrzeugtechnik / Automotive Engineering“ sowie einige ihre Kolleginnen und Kollegen aus anderen Studiengängen opfern ihre Zeit für joanneum racing graz. Das Team wechselt jährlich – das Ziel bleibt das gleiche: die bestmögliche Platzierung im Konstruktionswettbewerb Formula Student.

Der König ist tot, lang lebe der König
Der Anfang für jedes neue Team ist auch immer gleich ein Ende: Am sogenannten Sponsors-Day wird das Lenkrad des alten Boliden symbolisch an das neue Team übergeben. Gleich darauf widmen sich die Studierenden den Fragen: Wie viel wird vom Vorjahr übernommen? Worauf kann man aufbauen? Oder fängt man ganz von vorne an? Das Team teilt sich in Gruppen: Organisation, Powertrain, Chassis/Aero, Electrics, Suspension, Calculation, Design und Public Relations. Für die Konstrukteurinnen und Konstrukteure stehen zuerst Simulationen an: Sie planen am Computer die Teile, die später aus dem Boliden einen Gewinner machen sollen. Diese Phase dauert circa bis Dezember der jeweiligen Saison.

Der Bolide wird jedes Jahr von Studierenden des Master-Studiums „Fahrzeugtechnik / Automotive Engineering“ geplant und gefertigt. (© FH JOANNEUM)

Schrauben, schweißen, schleifen
Die einzelnen Teile des neuen Rennwagens müssen gefertigt werden. Auch hier haben die Studierenden ihre Finger im Spiel: einen Großteil davon fertigen sie selbst – mithilfe von Unternehmen – einige Parts müssen bestellt werden. Die Deadline sitzt den Studentinnen und Studenten jedes Jahr aufs Neue im Nacken, vor der offiziellen Präsentation wird teils in Nachtschichten zusammengebaut und lackiert. Zum Schluss kommen die Sponsorenaufkleber noch drauf und dann wird das neue Baby präsentiert: Beim alljährlichen Rollout Ende April. Hier wird die bis dahin getane Arbeit erst mal gefeiert. Aber lange Zeit zum Ausschlafen und Durchschnaufen bleibt nicht: Das neue Auto muss getestet, Bewerbe müssen geprobt und Reisen müssen geplant werden.

Never stop pushing
Jedes Team kann sich aussuchen, an welchen Formula Student-Wettbewerben es teilnimmt. Hoch im Kurs sind selbsterklärend Österreich, aber auch Deutschland, Italien, Ungarn, die USA oder Japan. Bei diesen Wettbewerben gewinnen aber nicht zwangsläufig die Schnellsten, sondern die besten Konstrukteurinnen und Konstrukteure: Angetreten wird in statischen und dynamischen Disziplinen. Erstere umfassen das Engineering Design, die Kostenanalyse und den Business Plan (für die sich das Team gerne Unterstützung der betriebswirtschaftlichen Studiengänge holt). Zu den dynamischen Disziplinen zählen Querbeschleunigung, Beschleunigung, Autocross, Ausdauer und Treibstoffverbrauch.

Einmal gewinnt man, einmal verliert man
Die Overall-Ergebnisse der Wettbewerbe, an jenen ein Team teilgenommen hat, werden zusammengezählt – so ergibt sich am Ende der Saison ein Platz auf der Weltrangliste. Die Top 10 sind sich in den letzten Jahren meistens ausgegangen – man rangiert auch gerne unter den Top 3. Der Saisonabschluss wird auch gebührend gefeiert: Mit dem Sponsors-Day, an dem man den großzügigen Unternehmenspartnern dankt und mit der Übergabe des Lenkrads an das neue Team.

Hinweis:

joanneum racing graz ist ein fächerübergreifendes Studierendenprojekt, geleitet vom Institut Fahrzeugtechnik / Automotive Engineering der FH JOANNEUM. Zwei Semester lang entwickeln die Studierenden ihren eigenen Rennboliden. Der komplette Fertigungsprozess erfolgt durch die Studierenden: vom Design am Computer bis hin zum fertigen Fahrzeug. Auch Studierende der Institute Journalismus und Public Relations, International Management, Electronic Engineering, Product & Transportation Design und Angewandte Produktionswissenschaften sind an diesem Projekt beteiligt. Seit 2003 sind sie bereits Teil der studentischen Rennszene. Das Team wird von zahlreichen namhaften Unternehmen unterstützt, darunter auch die AVL List GmbH. Weitere Informationen zum Team und alle Neuigkeiten zum Wettbewerb finden Sie hier.